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Den Scherereien mit Apples Online-Dienst MobileMe bin ich am Anfang um Haaresbreite entkommen. Jetzt hat's mich aber doch noch erwischt.

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Von
  • Niels Boeing

Wenn mich jemand fragt, ob er sich einen Mac oder einen Windows-Rechner anschaffen soll, gebe ich mich als Apple-Fan zu erkennen. OS X lieĂź mich vor Jahren endgĂĽltig konvertieren. Usability, Design, ein Trojaner-freies Leben und gut aufeinander abgestimmte Programme lauten die Argumente, die ich dann vorbringe. Es gibt allerdings Tage, an denen ich mich frage, warum ich Apple hochhalte.

Im Juli war ich wie viele andere Dotmac-Nutzer unangenehm überrascht, als ich – aus dem Urlaub zurückgekehrt – entdeckte, dass aus Dotmac MobileMe geworden war. Die Systemausfälle hatte ich glücklicherweise verpasst. Aber dass etwa das Online-Backup für Bookmarks beseitigt worden war, gefiel mir gar nicht. Und wer um Himmels willen hatte sich den Begriff „MobileMe“ und den dazugehörigen Schriftzug ausgedacht? Beides roch schwer nach Microsoft-Äthetik.

Nun gut, es könnte schlimmer kommen. Und es kam schlimmer. Kürzlich war ich einige Tage unterwegs, setzte mich an einen fremden Mac und rief den MobileMe-Webmailer auf. Eine Fehlermeldung. MobileMe sei für Safari 3 oder Firefox 2 und 3 optimiert. Die Safari-Version, die ich benutzte, war 1.3.2. Also auf die Download-Seite von Safari 3. Ab Mac OS X 10.4.11 installierbar. Ein Klick ins Apfelmenü: Auf dem Rechner lief OS X 10.3.9.

Ja, hab ich hier Administratoren-Rechte, oder was? Müßig zu erwähnen, dass ich Firefox mangels Rechten ebenfalls nicht installieren konnte. Ergebnis: Zwei Tage als rechtloses Subjekt ohne Mail-Verbindung auf dem Mac-Account. Die Antwort auf meine Beschwerdemail per Online-Formular an den MobileMe-Support kam zwar erstaunlich schnell, wie ich zwei Tage später feststellte. Sie war aber völlig nichtssagend (geholfen hätte sie ohnehin nicht, ich konnte sie ja nicht aufrufen). Immerhin tat es Apple „leid zu hören, dass Sie Probleme mit MobileMe und Safari 1.3..2 [sic] haben.“

Für einen Dienst, der bislang 99 Euro (demnächst 79) im Jahr kostet, ist Mitleid allerdings nicht genug (zwar sind mir iDisk und Backup wichtiger, aber ich nutze die mac-Adresse dennoch regelmäßig). Jeder schnarchige, mit Bannern vollgekleisterte Freemailer ist abwärtskompatibel. Aber Apple hat das offenbar nicht nötig, weil man dort stets vor der Welle surft.

Wahrscheinlich wird in MobileMe 2.0 Mail durch eine Twitter-Applikation ersetzt. Ich hab auch schon einen Textbaustein für die Antwort vom Support: „Mailing is so last year.“ (wst)