Asiens Krisengewinnler

SĂĽdkoreanische und japanische Konzerne nutzen die globale Finanzkrise und begeben sich mit ihren Gewinnen auf Einkaufstour. JĂĽngstes Beispiel: Samsung hat eine Ăśbernahmeattacke auf den Speicherkartenhersteller SanDisk gestartet.

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Von
  • Martin Kölling

Holla, da sind sie wieder! Asiatische Unternehmen touren derzeit mit Koffern voller Geld um den Globus und kaufen amerikanisches und europäisches Tafelsilber auf. Doch anders als in den legendären Achtzigerjahren sind es nicht mehr nur grauberockte Japaner, sondern – ein deutliches Zeichen für den Aufstieg Asiens zur Weltwirtschaftsmachts – auch Koreaner und Chinesen. Das jüngste Beispiel ist der südkoreanische Konzern Samsung. In dieser Woche startete er seinen feindlichen Übernahmeversuch von SanDisk, dem weltgrößten Hersteller von Speicherkaten für Mobiltelefone und Digitalkameras. 5,8 Milliarden Dollar bieten die Koreaner für das amerikanische Unternehmen – rund 70 Prozent mehr als SanDisk am Dienstag noch wert war.

Doch nicht nur die Koreaner sind fleißige Einkäufer. Die überseeischen Investitionen der Japaner haben sich in den ersten acht Monaten dieses Jahres auf 45.600 Milliarden Yen fast verdreifacht. Alle mischen mit: Banken, Pharma- und Elektronikkonzerne. Eines der jüngeren Beispiele: TDK übernimmt in allerdings beiderseitigem Einvernehmen die deutsche Epcos AG. Und die Chinesen sind ja schon länger dabei, wie die Übernahme von IBMs Notebookgeschäft durch Lenovo im Jahr 2004 unterstreicht.

Die asiatischen Konzerne nutzen damit geschickt und aggressiv die Wirtschaftskrise für ihre eigenen Expansionspläne. Durch den Absturz der Aktienkurse sind viele westliche Unternehmen billig geworden. SanDisks Papier beispielsweise ist zwischen Mai und August um rund 60 Prozent eingebrochen. Gleichzeitig sind die Kriegskassen der asiatischen Konzerne prall gefüllt. Ironischerweise liegt das an einer der Hauptursachen der Krise, den auf Pump kaufenden amerikanischen Konsumenten. Besonders die asiatischen Elektronik- und Autohersteller scheffelten über Jahre US-Dollars, weil die USA in der Illusion ewig steigender Immobilienpreise im kreditfinanzierten Kaufrausch schwelgten. Überspitzt gesagt: Mit dem in Amerika im Boom verdienten Geld kaufen sie nun im Abendland und der neuen Welt ein.

Doch anders als in den Achtzigern, als die Japaner in ihrer eigenen riesigen Spekulationsblase schwelgten und zu Fantasiepreisen wahllos zukauften, geht die neue Generation der Firmenkrieger extrem gezielt vor. Sie haben die Märkte genau studiert und kaufen sich entweder Technik oder Marktzugang – oder beides. Ein Beispiel ist der japanische Klimaanlagenhersteller Daikin. Der hat die Rotex Heating Systems GmbH gekauft, um seinen Absatz in Europa zu erhöhen. Samsung könnte mit dem Kauf von SanDisk wiederum seine Position im NAND-Speichermarkt gegen Toshibas ehrgeizige Expansionspläne verteidigen und gleichzeitig mehrere hundert Millionen Dollar an Lizenzgebühren an SanDisk sparen.

Doch es gibt schlimmeres, als von Japanern oder von Koreanern ĂĽbernommen zu werden. Denn sie wollen nicht einfach nur Techniken und Patente plĂĽndern und kaputte HĂĽllen zurĂĽcklassen wie BenQ es seinerzeit mit Siemens Handy-Sparte vorexerziert hat. Es handelt sich bei der neuen Generation von Japanern und SĂĽdkoreanern in der Regel um langfristige Investoren, die auch die Forscher und Entwickler, die Fabriken und das Verkaufsnetz kaufen, pflegen und in der Regel sogar ausbauen wollen. Und hier kommen wir zurĂĽck auf den TDK-Epcos-Handel.

Genau darin liegt eine große Chance für die verbliebenen Überreste der deutschen Elektronikindustrie. Epcos ist Deutschlands größter Hersteller von passiven Elektronikbauteilen und hat sich mangels einer starken europäischen Konsumelektronikindustrie auf hochspezialisierte Bauteile gestützt. Doch das Unternehmen weiß, dass es langfristig nur überleben kann, wenn es die asiatischen Massenhersteller bedient. Aus eigener Kraft ist das allerdings kaum zu schaffen. Daher hat sich das Epcos-Management von sich aus nach Partnern umgeschaut und TDK gefunden. TDK ist stark im Massenmarkt. Und zudem waren die Japaner sehr entgegen kommend. Sie wollen ihre Sparte für passive Bauteile aus dem eigenen Konzern herauslösen und erst dann mit Epcos zusammenfügen. So vermitteln sie den Eindruck, nicht nur Menschen und Maschinen aufzukaufen, sondern in dem anderen Unternehmen einen wirklich gleichberechtigten Partner zu sehen. (wst)