Maschinenmerkwürdigkeiten
Computer sind die Lösung - was uns jetzt noch fehlt, ist das Problem. Aber auch da gibt es Abhilfe.
- Peter Glaser
Für Geräte, die nicht recht wollen, hat man in Japan eine spirituelle Lösung gefunden. Im Kanda-Myojin-Schrein in Tokio wird den Inhabern kratzbürstiger Apparate göttlicher Beistand verheißen. Auch für Probleme mit Mobiltelefonen haben die Priester ein Ohr. Der Shinto-Tempel befindet sich praktischer Weise direkt neben dem als Elektronik-Eldorado bekannten Bezirk Akihabara ("Electric City"). Inzwischen statten die Gerätegeistlichen auch Hausbesuche ab, etwa in IT-Unternehmen.
Die japanische Lösung mag neu sein, der Ansatz ist alt. Jeder, der länger mit elektronischer Gerätschaft, insbesondere mit Computern zu tun hat, kennt die ähnlich wie beim Judo abgestuften Grade des Nichtfunktionierens, mit denen einen Maschinen aufs Kreuz zu legen versuchen. Für Kenner der Materie – und das sind wir heute alle – ist klar, dass Künstliche Intelligenz nur eine wahre Bedeutung hat, nämlich dass Rechner oder anverwandte Apparaturen genau zu wissen scheinen, wann sie ausfallen müssen, um ein Maximum an Ärger zu verursachen.
Hardware-Defekte lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen: welche, die sich reparieren lassen und welche, an die man mit schamanischen Methoden rangehen muss. Welcher der Gruppen eine Funktionsstörung zuzuordnen ist, kann man manchmal schon an der Art ihres Auftretens erahnen. Einstellungen des Internetzugangs etwa, die ohne dass man auch nur ein Bit verändert hat, nicht mehr tun was sie sollen, weisen auf höheren Heilungsbedarf hin.
Ungern erinnere ich mich an eine Zeit, als mein Drucker ein paar Wochen lang ausschließlich vormittags druckte, etwa bis gegen Mittag. Ich vergeudete mehrere Nachmittage, stapelweise Druckerpapier und verschiedene teils extravagante theoretische Ansätze, woran es denn liegen könnte. Ich stellte den Drucker an einen anderen Platz, um zu überprüfen, ob es vielleicht mit der Sonneneinstrahlung neben dem Fenster und der dadurch verursachten Wärme zu tun haben könnte. Dann fügte ich mich der Laune des Geräts und beschränkte mich darauf, Geschriebenes jeweils am Vormittag des darauf folgenden Tages auszudrucken.
Mein Hardware-Guru, den ich schlussendlich konsultierte, ließ mich die Plastikverkleidung aufschrauben und warf einen Blick auf die Platine. "Hat nix", sagte er und ich durfte wieder zuschrauben. Er hatte das Gerät nicht einmal berührt. Der Drucker funktionierte wieder. Ich bin davon überzeugt, dass der Drucker keinen Respekt vor mir hat. Es fügte sich erst jemandem, dem er mit Sicherheit nichts vormachen konnte. Mich hielt mein Drucker offenbar für blöd. Auch wenn er wieder anständig arbeitete, so war unser Vertrauen doch nachhaltig gestört.
Zu Mobiltelefonmerkwürdigkeiten – ein Wort übrigens, das Google noch nicht kennt – hat mir das Netz eine Geschichte aus Australien erzählt. Ein Weißer und ein Aborigine waren gemeinsam im Outback unterwegs und hatten sich verlaufen. Der Weiße fand, das sei nun doch eine prima Gelegenheit, welche von den geheimnisvollen Kräften anzuwenden, die den Aborigines nachgesagt werden.
"Okay", sagte der Aborigine, grub ein Mobiltelefon aus seinem Rucksack und rief einen Verwandten an. "Ich dachte, ihr könnt per Gedankenübertragung miteinander kommunizieren." "Klar können wir das", sagte der Aborigine, "aber so geht es viel einfacher." (wst)