Flacher und mit mehr Dimensionen
Asiens größte Konsumelektronikmesse Ceatec setzt die Trends für neue Fernseher und Handys. Kommt als nächstes vielleicht wirklich das 3D-TV?
- Martin Kölling
Die Zukunft des Fernsehens hat sich auf Asiens größter Konsumelektronikmesse Ceatec hinter den Wänden aus immer größer und immer flacher werdenden TV-Geräten versteckt. In einem kleinen Theater im Panasonic-Stand spritzt Wildwasser aus dem Schirm. Eine weitere kleine Weltpremiere für dreidimensionales Fernsehvergnügen: Das erste System für räumliche Bilder auf Flachbildschirmen in wohlgemerkt hoher Auflösung (Full HD).
Panasonics Vorstoß ist wahrlich nicht der erste dieser Art. Ich erinnere mich, schon in meiner Jugend mit einer rot-grünen Brille auf der Nase gesehen zu haben, wie plötzlich aus einer schlicht flachen Leinwand die dritte Dimension entwuchs. Durchgesetzt hat sich diese Art des Sehens nie. Es war wohl irgendwie zu uncool. Zwar braucht auch Panasonics 3D-HDTV eine eigene Brille. Aber die hohe Qualität der 3D-Bilder in hochauflösender Qualität auf einem 103-Zoll-Bildschirm verleiten mich zu der Aussage: Der Trend zum 3D-Bild hat begonnen.
Ich wäre nicht so davon überzeugt, wenn es nur um Panasonics Vorstoß ginge. Fakt jedoch ist, dass auf der Suche nach neuen Absatzmöglichkeiten immer mehr japanische Elektronikhersteller den Traum vom räumlichen Bild in die Wirklichkeit umsetzen. Erst im September präsentierte Fujifilm auf der Fotomesse in Köln die erste massentaugliche 3D-Digitalkamera, die nicht nur dreidimensionale Bilder schießen, sondern auch ohne Spezialbrillen auf dem rückwärtigen Bildschirm und auf speziellem Fotopapier ausgeben kann.
Was man mit etwas Fantasie schon aus heute vorhandener Technik machen kann, demonstriert auf der Ceatec Pioneer. Der Konzern stellt einen weiter entwickelten Prototypen seines 3D-Fernsehers vor, bei dem die Bilder in der Luft zu schweben scheinen und sich mit Handbewegungen verschieben lassen. Dieses Jahr im Angebot: Werbeaktionen für Firmen. So können Kunden durch die Luft rieselnde Geschenkcoupons, Speisekarten oder die Wegbeschreibungen von Restaurants mit einem Handy "einfangen", sprich auf ihrem Telefon speichern.
Ansonsten treiben die Hersteller den Trend zu noch flacheren Fernsehern voran. Panasonics dünnster Plasmafernseher und Sharps dünnster Flüssigkristallbildschirm kratzen an der Zwei-Zentimeter-Marke, Sonys bereits auf der IFA in Berlin vorgestellter Neuling ist sogar weniger als einen Zentimeter dünn. Deutlich brillantere Farben, höhere Kontraste und tiefe Schwarzwerte als noch vor einem Jahr liefern die Flundern auch.
Das sieht toll aus und fĂĽhrt bei mir zu einem Ausruf und einer Frage. Der Ausruf: Mein Gott, bin ich froh, dass ich mir noch keinen neuen Flachfernseher gekauft habe. Denn im direkten Vergleich mit der neuesten Generation sieht das Bild der alten Fernseher alt aus. Und die Frage: Wenn die bisherige Flachfernseher-Technik so gut ist, was wird nur aus den seit Jahren als Nonplusultra des Sehgenusses bejubelten superdĂĽnnen Fernseher aus organischen Leuchtdioden (OLEDs)?
Die Antwort zeigt Sony unfreiwillig in seiner Standanordnung: OLEDs werden dort an den Rand gedrängt. Präsentierte Sony die gerade elf Zoll großen und drei Millimeter dünnen ersten frei käuflichen Geräte einst auf der Hauptbühne, stehen sie nun nur noch links daneben. An dem Eindruck können auch die zwei nur 0,3 Millimeter dicken Prototypen nichts ändern, von denen einer sich sogar biegen lässt. Die Ingenieure am Stand verstärken den Eindruck noch. "Unsere Hauptaufgabe ist, LCDs zu verkaufen. Aber für die nächste Generation setzen wir auf OLED-TVs", sagt einer. Und einer murmelt, dass die beiden Typen wahrscheinlich anfangs unterschiedliche Märkte bedienen werden. LCDs für Massen-TVs und OLED-Bildschirme für spezielle Unternehmensanwendungen wie an die Wand geklebte oder gebogene Bildschirme, beispielsweise.
Das macht mir die Einschätzung von Klaus-Ludwig Kley, seines Zeichens Chef des größten Flüssigkristallherstellers der Welt, Merck, glaubwürdiger. Bei seinem letzten Auftritt in Tokio im August warnte er vor der OLED-Euphorie: "OLED sind bestimmt noch fünf Jahre entfernt, wenn nicht mehr." Denn durch den technischen Fortschritt werden LCDs bei Kontrast und Display-Dicke den Abstand merklich verringern, während die Produktionskosten weiter dramatisch schrumpfen. "Bis OLED-TVs die Flüssigkristallfernseher überholt, sprechen wir vielleicht über 2030 oder später."
Auch bei den Bonsai-Bildschirmen, sprich Handys, gab es neue Ideen auf der Ceatec. Japans größter Netzbetreiber NTT Docomo stellt mit einem Gerät von Fujitsu endlich mal ein modulares Handy vor, bei dem die Tastatur vom Bildschirm getrennt werden kann. Über bis zu zehn Metern Entfernung sind beide mit Bluetooth schnurlos verbunden. So kann man mit dem Basisteil telefonieren, während man auf dem abgetrennten berührungsempfindlichen Bildschirm Filme guckt, Mail checkt oder Musik auswählt. Kreativ wurde Japans zweitgrößter Mobilfunkanbieter KDDI. Der hat mit dem Musikinstrumentebauer Yamaha das Handy zum Konzertinstrument verwandelt. Eine fünfköpfige Band entlockte der handtellergroßen Elektronik sogar wirklich klassische Musik. Und für richtige Musik-Enthusiasten lag sogar ein Harfenhandy zum Anschauen bereit. (wst)