Blick in eine dunkle Zukunft

Gute TV-Serien über dystopische Zukunftsvisionen brauchen nicht unbedingt viel Hightech. Das aktuelle Beispiel „Black Mirror“ kommt aber wieder aus dem Ausland.

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Von
  • Veronika Szentpetery-Kessler

Gute TV-Serien über dystopische Zukunftsvisionen brauchen nicht unbedingt viel Hightech. Das aktuelle Beispiel „Black Mirror“ kommt aber wieder aus dem Ausland.

Muss eine gute Fernseh-Serie, in der es um dystopische Technikgeschichten geht, aufwendig produziert sein? Die britische Serie „Black Mirror“ beweist, dass es auch anders geht (der Titel spielt auf den ausgeschalten Computerbildschirm an). Auf der Insel wird bereits die dritte Kurzstaffel gedreht, ich habe sie erst vor kurzem entdeckt und mir die erste Staffel sowie das Weihnachtsspecial der zweiten als DVD bestellt. In Deutschland läuft sie leider nur im Bezahlfernsehen beim Sky-Spartenkanal RTL Crime in der Wiederholung. Das Fazit vorneweg: Auch wenn einzelne Geschichten sehr schräg (bis unappetitlich) sind, jede Folge ist überzeugender und anspruchsvoller als die Mehrheit der Spielfilme zu diesem Thema.

Jede der eigenständigen Folgen nimmt sich eine Technik oder ein damit verbundenes gesellschaftliches Phänomen (Castingshows, Lifelogging) vor und treibt es dann gekonnt auf die Spitze. In dem Weihnachtsspezial zum Beispiel geht es in einem der drei Erzählstränge um Bewusstseinskopien, die jedermann anfertigen lassen und dann in seinen Dienst stellen kann. So will eine junge Frau zum Beispiel ihre Kopie zur Steuerung ihres Smart Homes einsetzen, um sich nicht selbst in die Bedienung einfuchsen zu müssen. Doch da die Kopie, wiewohl sie nur eine Ansammlung von Computer-Codezeilen ist, ebenfalls eigenständig denken kann, weigert sie sich, die Ausgabe auszuführen. Um solchen Widerstand zu brechen, gibt es eigens Spezialisten.

Dieser versetzt das zunächst aufsässige und später immer verzweifeltere Programm per Touchscreen-Rad virtuell in wochenlange Einzelhaft – so lange, bis sie für jeden neuen Reiz dankbar und bereit ist, die langweilige Haussteuerung gemäß den Vorlieben der Besitzerin zu bedienen. Am Ende überlegt man als Zuschauer mit mulmigem Bauchgefühl, ob es wirklich nur ein Programm war, das derart gequält wurde. Und alles, was es an Ausstattung brauchte, war ein Tablet, ein paar blendend weiß leuchtende Räume (das Krankenhaus, das die Implantate mit den Kopien entfernt und die Umgebung der Bewusstseinskopie) und ein modern eingerichtetes Haus.

Solche Serien suche ich im deutschen Fernsehen vergeblich. Nachhaltig verschreckt wurde ich durch eine Szene aus „Die Gerichtsmedizinerin“ mit Lisa Fitz, in der das Polizeilabor aus einem Mikroskop auf einem kalten Metalltisch bestand. Ansonsten war der Raum leer. Aber einen silbernen Porsche durfte die Protagonistin fahren, vielleicht, um sie etwas exzentrischer erscheinen zu lassen. Es geht aber gar nicht darum, die hochdotierten US-Technik- und Krimiserien nachzuahmen – was in Form von „Post mortem“ auch nur zwei Staffeln gut ging. Ich vermisse so originelle Ideen wie „Black Mirror“, die nun wirklich mit den Mitteln einer handelsüblichen Serie auskommen. (vsz)