Die glorreichen Sieben

Der Journalistenpreis Informatik wurde am vergangenen Donnerstag vergeben. Doch es gilt nicht nur den Preisträgern zu gratulieren, sondern auch der siebenköpfigen Jury.

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Von
  • Gordon Bolduan

Journalistenpreise gibt es viele. Für Beiträge zum politischen Zeitgeschehen sind es elf, im Bereich Wirtschaft 18 und für Medizin-Themen existieren sogar 25 Auszeichnungen. Für Beiträge aus der Informatik gibt es jedoch nur einen, den Journalistenpreis Informatik.

Seit vergangenem Donnerstag sind nun die Namen der Preisträger dieses mit 5000 Euro dotierten Preises für das Jahr 2008 offiziell: Für seine Radio-Reportage über die Internetzensur in China wurde Wolfgang Schiller vom Bayerischen Rundfunk ausgezeichnet, Valentina Hirsch bedachte man mit dem Preis für ihren Fernsehbeitrag über neuartige Computerspiele, der beim Sender 3sat in der Reihe "neues spezial" ausgestrahlt wurde. Den Sonderpreis in Höhe von 500 Euro erhielt Anne Klesse, Redakteurin von der Berliner Morgenpost.

In der Kategorie Printmedien erhielt den Preis in diesem Jahr Helmut Martin-Jung. Der Redakteur der Süddeutschen Zeitung hatte drei Artikel in den Wettbewerb eingereicht, zwei davon hat die Jury öffentlich gemacht: "Hack ins Herz" handelt von neun US-Wissenschaftlern, die per Funk einem Herzschrittmacher wie ihn "Millionen Patienten weltweit unter der Haut tragen" die Abgabe von Elektroschocks befahlen. In "Hör zu, Computer" beschreibt Martin-Jung die Bestrebungen, Maschinen menschliche Sprache verstehen zu lassen.

Als Magazin-Journalist und Preisträger 2007 gilt mein besonderes Interesse natürlich dem geschriebenen Wort. Was also macht die Wahl von Martin-Jung so bemerkenswert? Die ideenreiche Schreibe, in der Martin-Jung aktuelle Fakten aus Wirtschaft und Forschung mit erkenntnisreichen Erklärungen kombiniert? Das erwarte ich eigentlich von jedem Wissenschafts- und Technik-Journalisten. Nein, der Unterschied ist ein anderer: Martin-Jung hat seine Geschichten in einer Tageszeitung veröffentlicht und eben nicht in einem Wissenschaftsmagazin, wo er sehr wahrscheinlich nicht nur mehr Zeit für die Recherche und Produktion des Artikels, sondern auch mehr Platz für die Erklärung schwieriger Sachverhalte gehabt hätte.

Viele Auswahlgremien nehmen dies bei der Vergabe von Journalistenpreisen nicht zur Kenntnis, wundern sich aber, warum bei den Gewinnern Autoren der Magazine Spiegel, Stern und Co. dominieren.

Die Jury im Saarland hat dies bei den 25 eingereichten Print-Artikel nicht getan, obwohl darunter unter anderem auch längere Magazin-Artikel von Technology Review, SZ Wissen und dem Wochenmagazin "Die Zeit" vertreten waren. Dass sie sich dabei nicht leicht getan hat, lässt die Tatsache vermuten, dass in der Pressemeldung die Vergabe mit allen drei anstatt nur einem der Artikel von Martin-Jung begründet wurde. Umso mehr sind die sieben Juroren daher für ihren Mut zu beglückwünschen. (wst)