Das End ist nah

Am Donnerstag fiel Google in Teilen der Welt aus. Dabei drohte kaum weniger als der Zusammenbruch der westlichen Zivilisation.

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Von
  • Peter Glaser

14. Mai 2009. Gegen 17 Uhr machen sich Störungen im Netz bemerkbar. Anfragen bei Google dauern wahrnehmbar länger, bleiben vereinzelt minutenlang in der Luft hängen. Zahlreiche Google-Dienste sind von den Ausfällen betroffen. Auch andere Server werden zunehmend in Mitleidenschaft gezogen.

17:50 Uhr (dra) Berlin – Einem der Deutschen Reste-Agentur auf Büttenpapier zugegangenen Bekennerschreiben zufolge hat eine Gruppe radikaler deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die sich Kulturgüter Armee Fraktion (KAF) nennt, Google kaputtgedichtet.

19:00 Uhr Internationale Korrespondenten berichten von emotionalen Ausbrüchen in verschiedenen Teilen der Welt. Nachdem anstelle des Google-Suchschlitzes nur noch eine leere weisse Seite auf den Bildschirmen erscheint, brechen Menschen in Büros und an anderen gemeinschaftlich zur Datenverarbeitung vorgesehenen Orten in Tränen aus und fallen einander in die Arme. Nach einem kurzen Verlustschock sehen sie sich von einem unerklärlichen und überwältigenden Gefühl der Befreiung überschwemmt. Kollegen, die seit Jahren nebeneinander sitzen, bisher aber nur elektronisch miteinander kommuniziert haben, machen sich persönlich miteinander bekannt.

19:01 Uhr Die Aktienkurse von Papierherstellern und Druckereien sind zunehmender Volatilität ausgesetzt und explodieren schließlich in einem raketenartigen Anstieg. Hedge Fonds schichten Milliarden in diesen Wirtschaftsbereich um, der noch bis vor kurzem als Auslaufmodell galt.

19:11 Uhr Ein Konsortium, dem unter anderem die Flugzeughersteller Boeing, Airbus S.A.S. sowie die Fluggesellschaft Air Berlin angehören, gibt ein geplantes Gemeinschaftsprojekt zum Bau eines Papiergroßflugzeuges bekannt.

19:23 Uhr Auf einer Pressekonferenz gibt ein Google-Sprecher bekannt, dass in Kürze die Pilotphase des Projekts "Google Material" beginnen soll. Damit sollen alle dreidimensionalen Objekte der Welt eingescannt und per Google suchbar gemacht werden. Auf Nachfrage erwähnte der Firmensprecher am Rande, dass es derzeit technische Probleme in den USA, Deutschland und Frankreich gebe, die in Kürze behoben sein sollen.

(Ein aus Sicherheitsgründen geheimgehaltener genauerer Zeitpunkt am Abend des 14.5.2009) Speichelspuren auf der Sondermarke "2007 – 100 Jahre Homo Heidelbergensis", mit der das KAF-Bekennerschreiben frankiert war, weisen auf eine Anti-Anarchistische Zelle in Heidelberg hin. Auf Anregung des Kulturstaatsministers beginnt eine schnelle Eingreiftruppe aus Bloggern und Urheberrechtsspezialisten damit, das Widerstandsnest mit unter Creative Commons freigegestellten oder gemeinfreien Texten zu beschallen. Die Bewohner der umliegenden Häuser müssen ihre Wohnungen verlassen und werden provisorisch in Turnhallen untergebracht.

20:00 Uhr Google geht angeblich wieder. Wie sich später herausstellt, handelt es sich dabei jedoch um die weltweit größte bisher bekanntgewordene Phishing-Aktion, bei der Daten aller Art eingesammelt und missbräuchlicher Verwendung zugeführt werden. (wst)