Die unerwartete Auferstehung des Riesendisplays

Tot gesagte Leben länger: In Japan hat ein Forscher eine alte Plasmatechnik für biegsame Großbildschirme zur Marktreife entwickelt.

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Von
  • Martin Kölling

Es war still geworden um Tsutae Shinoda, den Chef von Shinoda Plasma. Seinen letzten großen Auftritt hatte der ehemalige Plasmaforscher des Elektronikkonzerns Fujitsu vor zwei Jahren auf der japanischen Elektronikmesse Ceatec, als er den ersten Prototypen eines nur einen Millimeter dicken, biegsamen Plasmabildschirms vorstellte, den man um Pfeiler wickeln oder in Bögen spannen kann. Unverhofft tauchte jetzt das erste nahezu marktreife Produkt in Form einer zwei mal drei Meter großen Bildschirmwand auf der Kundenmesse von Fujitsu wieder auf. "Wir testen hier Reaktionen", sagt Satoshi Enomoto von der Fujitsu-Tochter Fujitsu Frontech, "wenn es gut ankommt, werden wir das Display vielleicht vermarkten". In weniger als einem Jahr könnte es so weit sein.

Shipla (kurz für Shinoda Plasma) ist ein kaum für möglich gehaltener Lichtblick der Bildschirmentwicklung: Endlich schafft es einmal eine neue Bildschirmtechnik tatsächlich auf den Markt. Seit dem Siegeszug von LCD- und Plasma-TVs hat es nur enttäuschte Hoffnungen gegeben. In den Industrieländern haben Flachbildfernseher Röhrenapparat zwar bereits nahezu den Garaus gemacht. Canons SED-Technik ("Surface-conduction Electron Emitter Display"), die LCDs nach Meinung vieler Experten an Kontrast und Brillanz überlegen gewesen sein wäre, hat es trotzdem wegen Patentstreitigkeiten und hoher Kosten bisher nie über den Status eines "Wir-haben-es-eigentlich-schon-fertig-warten-nur-auf-den-richtigen-Zeitpunkt"-Produkts hinaus geschafft.

Sony hat gerade endgültig den Stöpsel bei seiner FED-Technik ("Field Emission Displays") gezogen. Und die superflachen OLEDs, nun ja, die kommen, aber nicht gewaltig, sondern sachte. Vergessen wir einmal Sonys megateuren 11-Zoll-Fernseher, der kein Produkt, sondern vom Kunden bezahlte Werbung ist, hat der Vorreiter der OLED-Technik gerade erstmals einen Drei-Zoll-Schirm in einen Walkman eingebaut.

Shinodas Traum hätte fast das gleiche Schicksal ereilt, als Fujitsu die Plasma-Technik vor ein paar Jahren auf dem Altar der Neuausrichtung seines Geschäfts auf "Server & Solutions" opferte. Das es anders kam, hat der Bildschirmexperte dem Fujitsu-Management zu verdanken, das als eines der ersten in Japan seine Forscher bei der Ausgründung von Erfolg verheißenden, aber nicht (oder nicht mehr) zum Kerngeschäft gehörenden Techniken in kleine Start-ups unterstützt. Shinoda hat sich dafür revanchiert und die alte Plasmatechnik in seinem Labor in Kobe zu einem Produkt ausentwickelt.

Und so funktioniert die Technik und so sieht sie aus: Das sogenannte "Plasma Tube Array"-Display besteht anders als ein herkömmliches Plasma-Display nicht aus vielen einzelnen gasgefüllten Zellen, sondern aus mit Gas gefüllten dünnen Röhrchen, die zwischen zwei Elektrodenplatten angeordnet sind. Shinoda fertigt daraus ein Quadratmeter große Module, die nach Belieben zu Riesenbildschirmen zusammengeklebt werden können.

Der erste Eindruck ist stark. Die Farben wirken weit frischer als beim ersten Prototypen, der Kontrast nicht matschig. Die Reaktionsgeschwindigkeit der Plasma-Zellen reicht aus, schnelle Bewegungen nicht allzu stark verwischen zu lassen. Aber vielleicht liegen die Schlieren auch nur daran, dass ich mir das Teil aus zwei Meter Entfernung angucke.

Noch gibt es Nickligkeiten zu bemängeln. Am Rand flimmern einige Röhrchen violett. Die Helligkeit erscheint gerade ausreichend, um in der etwas schummerigen Halle ein gutes Bild erkennen zu können. Und zwischen den einzelnen Modulen sind deutlich die Nähte zu erkennen. Aber Manager Enomoto ist sich sicher, diese Kleinigkeiten beheben zu können. Die Nähte, die ließen sich noch verkleinern. Und die Helligkeit zumindest lasse sich noch um 50 Prozent steigern. Nicht genug für den Einsatz in der prallen Sonne, daher soll Shipla in Gebäuden eingesetzt werden.

Ich persönlich freue mich, dass zumindest der Markt für Megabildschirme belebt wird. Bisher konnten nur LED-Bildschirme riesige Leinwände füllen. Ein preiswertes Vergnügen wird es allerdings kaum. Fünf Millionen Yen (38.000 Euro) will Shinoda pro Quadratmeter verlangen, wurde berichtet. Ein 103-Zoll-Plasma-Fernseher von Panasonic kostet in Japan nur 4,6 Millionen Yen. Ein Schnäppchen... (wst)