Lob der Fehlermeldung

Ich bekenne: Auch ich gehöre zu den Menschen, die gerne und ausdauernd über kryptische Fehlermeldungen geschimpft haben. Nun weiß ich: Ich war zu kleingläubig.

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Von
  • Dr. Wolfgang Stieler

Ich bekenne: Auch ich gehöre zu den Menschen, die gerne und ausdauernd über kryptische Fehlermeldungen geschimpft haben. Nun weiß ich: Ich war zu kleingläubig – gepriesen sei die Genauigkeit des Bluescreen, gelobt sei die Vollständigkeit des großen Core Dump. Denn mittlerweile habe ich gelernt: Eine unverständliche, aber präzise Fehlermeldung ist besser als gar keine.

Was folgende kleine Geschichte beweist: Ein Mensch aus meinem näheren Bekanntenkreis hatte sich ein Auto geliehen, um damit zu einem Open Air Festival zu fahren. Der Wagen versah den ganzen Tag über klaglos seinen Dienst – wurde vorgefahren und mit Zelt, Schlafsack, und Proviant beladen. Dann sollte es, vor der Abfahrt, noch einmal hoch in die Wohnung gehen. Allein, der vertraute Druck auf den Knopf am Autoschlüssel ergab keine Reaktion. Nichts rührte sich, kein akustisches Signal, kein kurzes Blinken – und vor allem nicht das Vertrauen erweckende Klackern der Zentralverriegelung. Mist! Ausgerechnet Jetzt! Was nun? Einfach abschließen, so wie früher, geht nicht mehr – ein Schloss gibt es nur noch an der Fahrertür. Anspringen tat die Karre natürlich auch nicht mehr.

Hastiges Blättern in der Bedienungsanleitung des Wagens ergab schon bald eine stichhaltige Hypothese für die Ursache dieses Verhaltens: Die Batterie des Schlüssels ist leer. Damit kann der Wagen den Chip im Schlüssel nicht mehr abfragen, und die Diebstahlssicherung blockiert den ganzen Rest. Ist ja eigentlich auch logisch – schließlich will ja niemand, dass sich das Auto mit einem nachgemachten Schlüssel starten lässt, oder? Na gut, Sicherheit und Komfort haben halt ihren Preis.

Und natürlich lässt sich die Batterie eines modernen Zündschlüssels nicht so einfach austauschen, wie die einer Fernbedienung – das Handbuch verweist zum Austausch dieser Batterie auf die Vertragswerkstatt. Ohne ein Spezialwerkzeug ist das Ding tatsächlich nicht zu öffnen. Soll ja auch nicht jeder dran rumfummeln, logisch. Also muss der Ersatzschlüssel her – aber der liegt friedlich in einer Schublade am anderen Ende der Stadt, denn da ist der Wagen ja normalerweise zu Hause. Eine Stunde später ist dann der Ersatzschlüssel da. Erwartungsfroh drücken wir den Knopf. Und immer noch passiert nichts. Da endlich wird uns klar, dass wirklich eine Batterie leer ist – aber nicht die im Schlüssel, sondern die im Auto. Irgend jemand hat wohl das Licht angelassen. Großes Kino. Wie ich am Anfang schon sagte: Unverständliche Fehlermeldungen sind besser, als gar keine. (wst)