Themenmolekül: Der kybernetische Körper
Glasers gesammelte Linkwolke aus der Welt der Wissenschaft und Technologie. Heute: Anatomie und Entertainment eröffnen im Netz erstaunliche neue Horizonte.
- Peter Glaser
Auf meinen ausgedehnten Expeditionen durch das Netz finde ich immer wieder bemerkenswerte Informationssplitter, Inspirationsquellen und Objekte, die sich im Lauf der Zeit zu digitalen Themenmolekülen verbinden. Gelegentlich möchte ich der geneigten Leserschaft an dieser Stelle solche Link-Gravitationswolken aus der Welt der (fröhlichen) Wissenschaft und Technologie vorlegen. Heute: Anatomie und Entertainment eröffnen im Netz erstaunliche neue Horizonte.
Chirurgie bei Gummibärchen: Gummibärchen haben ein kurzes Leben, nichtsdestoweniger können ihnen gesundheitliche Probleme zu schaffen machen. Manchmal brauchen sie medizinische Hilfe, gelegentlich müssen die leckeren Kleintiere sogar unter's Messer. Drüben bei Instructables zeigt ein Experte, wie solche Eingriffe auszuführen sind.
Anatomie von Lebkuchenleuten: Jason Freeny hat Pionierarbeit geleistet und in akribischer Feinarbeit eine anatomische Studie über das Innenleben eines Lebkuchenmanns angefertigt.
Innenleben einer Meerjungfrau: Der Brasilianer Walmor Correa hat, neben einer Reihe von weiteren Anatomie-Kunstwerken wie etwa dem Schädel eines Zyklopen, auch die Obduktionsskizze einer Meerjungfrau in seinem Portfolio. Dazu gibt es noch einen Hinweis auf den Bildband "unheimlich".
Von dem französischen Fotograf Laurent Champoussin gibt es eine Serie von Drucken, die er Kardiovaskuläre Blätter nennt (als kardiovaskuläres System wird in der Medizin der Blutkreislauf bezeichnet). "Ich habe mich seit jeher für medizinische Modelle interessiert", sagt Champoussin in einem Interview mit Vanessa Ruiz, der Betreiberin des Blogs Street Anatomy. "Die Idee war, mit der teilweisen Aufdeckung lebenswichtiger, aber verdeckter Teile von uns selbst zu spielen."
Der britische Künstler Damien Hirst, der bereits mit in Formalin eingelegten Tieren und einem brilliantbesetzten Totenschädel einschlägige Arbeiten lieferte, hat das Anatomiemodell eines Kinds als Skulptur ins Riesenhafte vergrößert.
Eine Anatomiestudie aus gelben Legosteinen: Mann mit geöffnetem Brustkorb, dem da Allesmögliche rauskullert (don't worry, bürotauglich).
Dekorativen Schutz gegen digitale Erkrankungen verspricht der Dr Hard Drive-Beutel des Designers Hyuh Jin Lee. Er läßt sich in der Art einer Infusion neben dem Rechner anbringen und enthält Antivirus-Hilfe in Hardware- und Software-Form.
Die Leute von Aksel Creations bieten eine Schürze mit dazupassenden Grillhandschuhen an, auf denen die inneren Organe des Menschen zu sehen sind.
Einen Salz-und-Pfeffer-Streuer in Gestalt zweier Hirnhälften findet man bei (passender Name) ThinkGeek.
Von Shannon Wright gibt es mit Wallpaper Number One ein für sowohl medizinisch als auch innenarchitektonisch interessierte Menschen geeignetes Tapeten-Design mit Querschnittsgrafiken des menschlichen Urogenitaltraktes.
Gleichfalls der Innenraumgestaltung dienlich undeher comic-haft heiter als grausig: ein Tisch in Gestalt eines statischen Blutspritzers von James Ian Killinger mit Namen Kersplat.
Tamarindo Concept versucht es mit einem neuen Aufbewahrungssystem im Organdesign: bei der Herzbox ("love box") handelt es sich um ein realistisch dargestelltes menschliches Herz in Keramik gefertigt; inzwischen gibt es auch teurere Versionen aus Holz.
Und auch wenn es jetzt im Sommer vielleicht etwas überdimensioniert und schmelzgefährdet erscheinen mag: drüben bei Pushindaisies gibt es ein knapp 500 Gramm schweres, beeindruckendes, anatomisch korrektes Herz aus Schokolade. (wst)