Ein Handbuch für den Roboterkampf

Die Roboter, die uns in den Medien begegnen, sind allesamt gute Geister. Aber es könnte auch ganz anders kommen, warnt das Buch "How to survive a robot uprising" mit einem Augenzwinkern – oder ist da etwa doch was dran?

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Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Niels Boeing

Vor einigen Tagen fiel mir bei einem Freund ein Pop-Taschenbuch in die Hände: „How to survive a robot uprising“. Auf dem Cover feuert ein Blechriese aus seinen Augenschlitzen Laserstrahlen auf einen flüchtenden Menschen ab. Drinnen erteilt Autor Daniel H. Wilson, frischgebackener Doktor der Robotik, untermalt von knalligen Comicbildern originelle Ratschläge. Etwa „don’t run in a predictable line“. Doch der Schein trügt: Das Buch ist mehr als nur ein Sciencefiction-Brüller.

Denn Wilson liefert ganz nebenbei einen frischen Überblick über den Stand der Robotik-Kunst. Ob künstliche Schlangen und Insekten oder autonome Minijets, die Konzepte für ungemütliche Begegnungen der vierten Art sind im Prinzip alle schon da. Und zuletzt drängt sich die Frage auf: Wird es, muss es tatsächlich so weit kommen?

Die Roboter, die uns in den Medien begegnen, sehen meistens rührend aus: Sonys Roboterhund Aibo, Hondas niedlichem Asimo oder dem MIT-Roboterbaby Kismet mit seinen Kulleraugen würde man nichts Übles zutrauen. Beim Betrachten dieses Videos von RiSE, einer überdimensionierten Küchenschabe, die Wände und Bäume hochläuft, stellt sich dann doch eher Gänsehaut ein. Die Entwicklung dieses von fünf amerikanischen Universitäten entwickelten Roboters wird von der DARPA, der legendären Forschungsagentur des Pentagons, finanziert. Es ist eher unwahrscheinlich, dass RiSE dafür entwickelt wurde, Senioren ein paar Kekse aus der Küche zu holen.

In der aktuellen Ausgabe von The Futurist stellen Ian Neild und Ian Pearson, Trendscouts im Dienste von British Telecom, eine Zeitleiste für die Entwicklung von neun Hightech-Felder vor (interaktive Darstellung der Zeitleiste). Auch wenn sich Futurologen oft genug geirrt haben, sind ihre Szenarien bedenkenswert, auch in der Robotik. Im zivilen Leben ersetzen Roboter auch so menschliche Berufe wie Tanzlehrer oder Gärtner. In den 2020ern könnte es mehr Roboter als Soldaten auf Kriegsschauplätzen geben. Nicht ernst zu nehmen? Ich hätte nichts dagegen, dass Wilsons Buch eine lustige Fußnote bliebe. Dafür bräuchten wir nur eine Debatte, wo die Grenzen der Robotik liegen sollen. Wahrscheinlich aber wird das Thema irgendwann an eine Ethikkommission übergeben – und "How to survive a robot uprising" in 20 Jahren ein verspäteter Bestseller. (wst)