Ich höre was, was du nicht hörst

Um sich heimlich in der Schule Textnachrichten zu schicken, nutzen clevere Teenager einen Signalton, den Erwachsene nicht hören können. Eine Erfindung, auf die wir alle gewartet haben.

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Von
  • Mario Sixtus

Geht es um das Nutzungsverhalten digitaler Dienste, lautet das Buzzword der Saison eindeutig "Generation Gap". Will heißen: Junge Menschen nutzen die neuen Medien grundlegend anders als ihre älteren Zeitgenossen. Als bekennender Vielnutzer des öffentlichen Personennahverkehrs kann ich diese These voll und ganz bestätigen. Während der gemeine Über-30-Jährige dazu neigt, durch verbale Interaktion mit seinem Handtelefon seine Mitreisenden an allen möglichen Intimi- und Banalitäten teilhaben zu lassen, malträtieren die Jüngeren lieber diskret ihre Telefontastatur und kommunizieren unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Eigentlich ist das wesentlich rücksichtsvoller. Eigentlich. Denn dummerweise melden sich eingehende Textnachrichten wahlweise mit furzenden Küken, rülpsenden Fröschen oder ein paar Takten belanglosem Mainstream-Hiphop. Das nervt fast noch mehr als die Vierzigjährige, die ein paar Sitze weiter den Inhalt ihrer Einkaufstüten ins Telefon spricht.

Doch Rettung naht: Die New York Times berichtet über einen Klingelton, der sich einen völlig anderen Generation-Gap zu Nutze macht: der altersbedingten Veränderung der Hörschwelle im oberen Frequenzbereich.

Mit rund 17 Kilohertz schwingt besagtes Telefonpiepen vor sich hin. Kein Problem für durchschnittliche Teenager-Ohren, aber unhörbar für fast alle Erwachsenen. Die Entstehungsgeschichte des hochfrequenten Handy-Heulers liest sich fast wie ein gelungener April-Scherz: Ursprünglich hatte sich das britische Unternehmen Compound Security ein Gerät ausgedacht, das herumlungernde Jugendliche verscheucht, etwa aus Einkaufszentren, das Erwachsene jedoch in Ruhe lässt. Angeblich zählt die Firma bereits 800 Kunden auf der Insel. Einer der Verscheuchten hat dann offenbar – inspiriert durch ebendiese Pieps-Maschinen – den Teens-Only-Ton am PC nachmodelliert und an seine Freunde geschickt. Wie das mit lustigen Mails so ist, verbreitete sich das Tönchen flächenbrandartig und landete irgendwann eben auch in den USA.

Mittlerweile hat Compound Security reagiert und die einstigen Opfer der eigenen Nervtötungstechnologie kurzerhand zu Kunden erklärt: Für drei britische Pfund lässt sich nun das erwachsenenschonende Summen, "Mosquitotone" genannt, käuflich erwerben.

Wie wäre es, liebe Verkehrsbetriebe, wenn ihr das Ding künftig verschenken würdet? An alle Inhaber von Schülertickets? Das würde die Attraktivität eures Angebots ungemein steigern. (Und für die Frau mit dem Einkaufstüteninhaltgebet fällt uns irgendwann auch noch etwas ein.) (wst)