Mars macht (still) mobil
Die überraschende Erkenntnis, dass es auf dem Mars möglich wäre, sozusagen natürlich schallgedämpfte Autobahnen zu bauen, eröffnet verblüffende Perspektiven.
- Peter Glaser
Von einer Konferenz der Acoustical Society of America erreicht uns (in normaler Lautstärke) die Nachricht, dass auf dem Mars Geräusche bis zu hundertmal leiser sind als auf der Erde. Der Lärm einer Autobahn etwa wäre auf dem Mars nicht kilometerweit, sondern höchstens über einige hundert Meter zu hören.
Der Luft- und Raumfahrtwissenschaftler Dr. Lyle N. Long und seine Doktorandin Amanda Hanford von der Pennsylvania State University hatten mit Hilfe einer Simulation errechnet, wie sich Schallwellen in der Mars-Atmosphäre ausbreiten. Um die Zusammenstöße möglichst vieler Moleküle der Mars-Atmosphäre zu simulieren – sie besteht zu mehr als 95 Prozent aus Kohlendioxid –, vernetzten die Forscher 32 Rechner. Das Modell ersetzt Messungen, die vor Ort nicht mehr durchgeführt werden konnten. Die dafür eigentlich vorgesehene Nasa-Sonde Mars Polar Lander war 1999 bei der Landung zerschellt.
Dr. Long ist ein Mann, der auch in irdischen Gefilden an stillen Mobilen interessiert ist, er forscht an Dingen wie superleisen Helikoptern. Die überraschende Erkenntnis, dass es auf dem Mars möglich wäre, sozusagen natürlich schallgedämpfte Autobahnen zu bauen, eröffnet noch weitere Perspektiven. Wäre dies nicht als ein Wink an die kapitalstarke Autoindustrie zu verstehen, sich stärker als bisher in der Raumfahrt zu engagieren? Wenn die Verschiebung der Potenziale durch die Globalisierung in ein oder zwei Jahrzehnten ununterbietbar in China angekommen sein wird, hätten die leitender Herren des Kraftfahrzeugwesen ein neues As im Ärmel: Die Produktion wird auf den Mars verlegt. Nicht zu unterschätzen ist der moralische Anschub eines so monströsen Projekts, das neben Technologien in der Art von Kugelschreibern, mit denen man an der Decke schreiben kann, auch ein unübertreffliches planetares Wir-Gefühl hervorbringen wird. Wir fahren Mars.
Noch aufregender ist die Frage, ob man neben der Geräuschmessung nicht auch allerlei anderes einfach auf der Erde anwenden könnte – etwa die Autobahnen mit solarzellengedeckten Tunnels zu überbauen, in denen atmosphärische Verhältnisse wie auf dem Mars herrschen? Die Vorteile liegen auf der Hand: kein Lärm mehr, stattdessen befahrbare Kraftwerke. Vor allem: Jeder Autofahrer wird zum trainierenden Astronauten. Die Rekrutierung einer ersten Welle von Mars-Kolonisten sollte so keine Frage mehr sein.
Das gesparte Geld könnte die Nasa dann in die Wiederbelebung ihres Umweltprogramms investieren. Gerade wurde zwei Satelliten-Forschungsprogrammen der Geldhahn zugedreht, darunter das bereits fertig gebaute 100 Millionen Dollar teure Deep Space Climate Observatory, mit dem Wissenschaftler den Klimawandel besser verstehen wollten. Die Wiederinbetriebnahme des Space-Shuttle-Programms läuft hingegen nach Plan. (wst)