Wissenschaft im Biergarten

Nun ist sie zu Ende, die zweite europäische Wissenschaftskonferenz, das Euro Science Open Forum (ESOF) in München. Leider ersetzt ein gemütliches Ambiente keine Nachrichten.

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Von
  • Edda Grabar

Nun ist sie zu Ende, die zweite europäische Wissenschaftskonferenz, das Euro Science Open Forum (ESOF) in München. Und schön war es. Alle waren da: Etwa 2000 Wissenschaftler Wissensmanager sowie Redakteure von der Zeit, der Financial Times, von der Süddeutschen Zeitung, vom Deutschlandfunk genauso wie britische, polnische, niederländische, schwedische, norwegische, italienische sogar japanische und amerikanische Kollegen. Sie trafen sich um, ein wenig mehr über die europäische Wissenschaft und ihre Strukturen zu erfahren – und nach außen zu vermitteln.

Mit großem Engagement hatte Wolfgang Heckl die Konferenz nach Deutschland geholt. Den umtriebigen Nanowissenschaftler und Leiter des Deutschen Museums in München treibt schon seit Jahren die Erkenntnis – und die Energie –, dass Wissenschaft woanders stattfinden muss, als im Elfenbeinturm. Dass Wissen und Forschung zu den Menschen gebracht werden müssen. Dass Wissenschaft von jungen Menschen mit frischen Ideen nach vorn getragen muss.

All diese Ideen hat er bei der Planung berücksichtigt: Er senkte die Eintrittspreise erreichte damit, dass neben der alten Herren der Wissenschaft viele junge Teilnehmer, Studenten und Schüler, zum Wissenschaftsaustausch zusammen kamen. Der „Science-Biergarden“ wirkte auf Wissenschaftler wie Journalisten gleichermaßen einladend – unter dem Motto „Pretzel with the Prof“ ließ es sich doch gleich viel entspannter plaudern. Videospiele im Lastwagen, Seminare im Flugzeug gaben der ESOF eine charmante Atmosphäre.

So gesehen, könnten die Organisatoren die ESOF eigentlich zufrieden sein. Schließlich wurde die Konferenz erst vor zwei Jahren in Stockholm der Taufe gehoben. Mit dem engagierten Ziel, der europäischen Forschung gegenüber den Forschungsmaschinen aus USA und Asien ein eigenes Gesicht zu geben. Und letztlich um eine Konkurrenz zu erschaffen zur legendären Jahresversammlung der American Association for the Advancement of Science (AAAS oder im Jargon der Pilger: Triple-AS ), der amerikanischen Gesellschaft für Wissenschaft,

Dieses hochgesteckte Ziel jedoch hat die ESOF nicht erreichen können. Denn trotz plauschigem Rahmenprogramm suchte man inhaltliche Höhepunkte vergebens im Programm. Während die Medienvertreter sich voller Erwartungen in Richtung München machten, scheint unter Wissenschaftler der Sinn einer solchen Public meets Science-Veranstaltung noch nicht recht durch gedrungen zu sein. Neue – vielleicht aufsehenerregende Erkenntnisse – sparen sich die Akademiker scheinbar für Fachkongresse auf. Politisch relevanter Konfliktstoff, wie etwa embryonale Stammzellforschung oder erneuerbare versus fossile Energien oder Klimaentwicklung standen nicht auf der Agenda – obwohl gerade diese Fragen Europa seit Jahren bewegen.

So bleibt an Erkenntnis, dass Euroscience noch lernen muss, Akzente zu setzen, um einen eigenen Charakter zu entwickeln. Da sind die Amerikaner den Europäern noch weit voraus. Auch wenn Jim Cornell, Präsident des Weltverbands der Wissenschaftsjournalisten zugeben musste, dass auch die AAAS an Bedeutung vorloren habe. Nichts desto trotz scheuen sich die Amerikaner nicht gerade eben kontroverse Themen auf ihrer Tagung zu diskutieren. Etwa wenn es um die zunehmenden Einfluss der Bush-Regierung auf die Wissenschaft geht. Und so muss man für die ESOF festhalten, dass Europas Wissenschaftler noch ein wenig mehr Zeit benötigen, um sich zu finden. Und dass ein gemütliches Ambiente keine Nachrichten ersetzen kann (wst)