Innovation made by OPEC
Wie innovativ ist die Energiepolitik des Westens? DarĂĽber entscheidet vor allem der Ă–lpreis.
- Matthias Urbach
Die OPEC ist traumatisiert. In den Achtzigern investierte sie zu viel in die Erschließung neuer Vorkommen. Doch weil die Ölländer die Nachfrage überschätzten, ernteten sie einen schmerzhaften Preiseinbruch. Es gelang ihnen nicht, die Produktion entsprechend zu drosseln. Die OPEC-Mitglieder hatten viel Geld investiert und nichts als Verluste geerntet.
Ende der Neunziger zeigte sich erneut, dass die OPEC als Kartell nicht all zu gut funktioniert: Am Vorabend der Asienkrise erhöhte sie die Förderung – doch als die Nachfrage mit der Krise in Fernost einbrach, gelang es ihr erneut nicht, gemeinsam die Förderung zu drosseln.
Als Folge dieses Traumas investieren die OPEC-Staaten kaum noch in ihre Ölfelder. Warum auch? Schon eine solche Ankündigung würde den Ölpreis sinken lassen und ihre Gewinne stärker einbrechen, als der Mehrverkauf je einbringen könnte.
Wie zum Beweis kündigte die OPEC vergangene Woche an, die Fördermenge zu senken, obwohl der Ölpreis noch immer bei 60 Dollar pro Fass liegt. Vor fünf Jahren hätte die OPEC schon bei der Hälfte die Hähne aufgedreht. Mangels Investitionen können einige Ölstaaten ohnehin ihre OPEC-Quoten kaum noch einhalten - allen voran Nigeria, Venezuela und der Iran.
Hohe Preise haben freilich einen Nachteil fĂĽr die OPEC: Sie stimulieren die Suche nach Alternativen. Kein staatliches Programm kann so starke Innovationsreize setzten wie ein 60 Dollar teures Fass Ă–l. Und die Borniertheit, mit der sich die OPEC derzeit Investitionen verweigert, beruhigt weltweit die Investoren. Denn sie sind auf anhaltend hohe Preise angewiesen.
Und so tut sich derzeit einiges: Sei es die Erforschung von Biomassesprit, der Wasserstoffvision, der Energieeffizienz oder schlicht der Verflüssigung von Gas und Kohle. Sei es die Investition in teure Methoden, die Ölausbeute in den Lagern außerhalb der OPEC zu verbessern: Etwa durch den schmutzigen Abbau von Ölsanden und Schweröl oder durch verbesserte Fördertechnik, um aus ausgelaugten Ölfeldern noch ein wenig mehr herauszupressen.
Derzeit kalkulieren die Ölkonzerne bei Investitionen in Alternativen mit einem langfristigen Ölpreis von bloß 30 bis 40 Dollar pro Fass. Optimistischer traut man sich nicht zu rechnen, schließlich kostet es die arabischen Staaten nur ein paar Dollar, das Öl aus der Wüste zu pumpen. Und wer weiß, wie lange die Investitionsverweigerung anhält? Nichts wäre törichter, als zu glauben, Öl würde nun automatisch immer teurer, weil es bereits knapp wäre. So weit ist es noch lange nicht.
Deshalb ist die Politik gefordert: Sie muss durch Energiesteuern und Emissionshandel die (möglichst autarken und klimaschonenden) Alternativen zum Öl fördern und sicher stellen, dass sie nicht gleich verdorren, falls die Ölpreise plötzlich wieder fallen sollten. Sei es durch Wirtschaftseinbrüche oder weil die OPEC doch noch einmal ins billige Öl investiert. Nur so können wir uns langfristig vom Ölkartell und seinem klimaschädlichen Rohstoff unabhängig machen. Die OPEC wird nicht für alle Zeit unser Innovationsmotor bleiben. (wst)