Selbst gemachter Strom

Nichts ist uncooler als dröge Energieeffizienz im Keller. Es sei denn, man besorgt sich so ein schnittiges KWK-Stromaggregat.

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  • Matthias Urbach

Zu den fortgesetzten Demütigungen, denen man als Wohnungsmieter ausgesetzt ist, gehören diese alten Gasetagenheizungen, die enorme Mengen teuren Erdgases verschlingen. Zu alt, um effizient mit dem teueren russischen Brennstoff umzugehen, zu neu, um von Amts wegen stillgelegt zu werden. Auch dieses Jahr erklärte mir der Schornsteinfeger, dass „die Anlage für ihr Alter noch ziemlich abgasarm läuft – gratuliere“. Vergifteter kann ein Lob kaum sein. In meiner Not fiel ich auf die Knie und bat ihn um barmherzige Verschrottung des 25 Jahre alten Vaillant-Kessels. Doch nicht einmal mein Appell an sein ökologisches Gewissen half. Der Schornsteinfeger wollte mich partout nicht von dem Energiefresser erlösen.

Ich würde mich ja sogar an den Investitionskosten über eine Umlage beteiligen. Das ist meinem Vermieter freilich schietegal. Ich bin Opfer dessen, was die Experten das „Investor-Nutzer-Dilemma“ nennen. Denn mein Vermieter hat außer Kosten nichts von einem sparsamen Kessel.

Oft träume ich von einem eigenen Haus. Ich würde mich um eine dieser brandneuen Mini-KWK-Anlagen bemühen: Kühlschrankgroße Heizkessel, die nicht nur Wärme, sondern auch Strom erzeugen. Was für ein gutes Gefühl das wäre: Seinen eigenen Strom ökologisch korrekt zu produzieren. Strompreiserhöhungen schmerzten dann nicht mehr – ich würde (über die Einspeisevergütung) selbst davon profitieren.

Noch sind diese kleinen Wundermaschinen recht teuer. Doch Gasversorger, wie die Gasag , die MVV oder die Badenova, haben die ersten paar Stromheizkessel für Feldtests unter die Leute gebracht. Noch werden die Dinger zumeist wie James Bonds Aston Martin handgefertigt. Aber schon bald wollen die ersten Hersteller in Serienproduktion gehen – dann könnten die Geräte nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch zum Schlager werden.

Sich während der Heizperiode den Strom selber zu machen, hat genau den Sexappeal, der Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz für gewöhnlich fehlt. Das gilt auch für die KWK, die sogenannte Kraft-Wärme-Kopplung, als ganzes. Traditionell meint man damit die Verwendung der Restwärme, die in Kraftwerken bei der Stromerzeugung unvermeidlich anfällt. Statt damit Flüsse oder die Umgebungsluft zu heizen, kann man sie auch als Prozesswärme in Chemiefabriken oder als Fernwärme für Haushalte nutzen. Dazu sollte man wissen, dass derzeit fast zwei Drittel der in Deutschlands Kraftwerkspark eingesetzten Energie als Abwärme verschwendet wird.

Auch mit der allerneuesten Kraftwerkstechnologie gehen immer noch gut 40 Prozent der eingesetzten Energie als Wärme verloren. Koppelt man die Produktion von Kraft und Wärme lässt sich der Verlust auf fast zehn Prozent senken. Wie in diesen neuen Kelleraggregaten.

Schon das Wort „Kraft-Wärme-Kopplung“ klingt kompliziert, die Technik ist unanschaulich. Obwohl das rotgrüne Gesetz von 2002 zur Förderung der KWK grandios scheiterte, nahm die Öffentlichkeit daran kaum Anteil. Das vergleichsweise belanglose Dosenpfand war halt anschaulicher.

Nun steht eine erneute Novelle in Berlin an, diesmal mit zusätzlichem Druck aus Brüssel. Doch nicht wenige Anhänger der KWK, die sich derzeit in Berlin zur Jahreskonferenz des Bundesverbandes KWK (B.KWK) versammeln, fürchten eine Wiederholung der Pleite. Dabei hat kaum eine Maßnahme zur Schonung des Klimas ein so großes Potenzial und ist dabei so preiswert, wie die Investition in die etwas dröge Kraft-Wärme-Kopplung.

Doch solange die KWK in den Köpfen keine Bilder erzeugt, bleibt es schwierig. Energie aus Wind und Sonne sind längst Renner, weil funkelnde Siliziumzellen und mächtigen Kohlefaserrotoren den Glanz von Hightech versprühen. Vielleicht kann das sanfte Surren kompakter Kraftpakete in den Kellern klimabewusster Hausbesitzer die Augen der Öffentlichkeit auf sich ziehen. Selber Strom machen etwa mit so einem schnittigen „lion – Powerblock“: Das ist schon cool. (wst)