Wo ist der Mac?

So beeindruckend Apples Händchen für Design und Funktionalität ist, vergisst man als Mac-Nutzer an der Grenze zur Kultgläubigkeit doch immer wieder, dass Apple ein Konzern wie jeder andere ist.

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Von
  • Niels Boeing

So beeindruckend Apples Händchen für Design und Funktionalität ist, vergisst man als Mac-Nutzer an der Grenze zur Kultgläubigkeit doch immer wieder, dass Apple ein Konzern wie jeder andere ist. Also zuallererst an den Profit denkt. So sind etwa die Arbeitsbedingungen in Apples chinesischen Fabriken ebenso umstritten wie bei anderen Konzernen, die in Asien produzieren lassen. Bei den ständigen Neuversionen von Soft- und Hardware passt auch nicht immer alles mit den alten zusammen, aber Hauptsache, die Leute kaufen die neuen Ausgaben.

Vor einigen Tagen erzählte mir ein Bekannter nebenbei, er warte nun schon seit geschlagenen vier Wochen auf sein MacBook, und man habe ihm gerade bei der Apple-Hotline versichert, es werde „schon“ in China in seiner persönlichen Konfiguration zusammengebaut und Anfang Januar ausgeliefert. Dieses Telefonat fand einen Tag vor dem ursprünglich genannten Lieferdatum statt.

Das allein wäre nun noch nicht verwunderlich, denn es ist bekannt, dass Apple seine Auslieferung nicht immer zügig auf die Reihe kriegt. Stutzig wurde ich jedoch, als ich hörte, mein Bekannter habe das MacBook mit „education discount“, also mit dem Bildungsrabatt für Schüler, Studenten und Lehrer, gekauft.

Offenbar ist er nicht der einzige Discount-Kunde, der länger wartet: In User-Foren wurde wiederholt vermutet, das rabattierte Macs ans Ende der Lieferkette rutschen, selbst wenn es sich um die Standardkonfiguration handelt.

Mein Bekannter und ich riefen also unabhängig voneinander bei der Apple-Bestellhotline an, um zu checken, wie lange wir auf ein MacBook in seiner Konfiguration (mit 160-Gigabyte-Festplatte) warten müssten. In beiden Fällen lautete die Antwort: „Das würde in drei Tagen rausgehen“. Dann rief mein Bekannter wieder bei der zuständigen Discount-Hotline an. In warmen Worten erklärte ein Callcenter-Mitarbeiter, es handele sich um eine Spezialkonfiguration, die eben erst einmal in China „extra für ihn“ zusammengeschraubt werden müsse.

Darauf platzte meinem Bekannten der Kragen, und er verlangte, mit einer höheren Ebene zu sprechen. Nach einiger Zeit in der Warteschleife – immerhin! – versicherte ihm der Mitarbeiter, das Gerät werde in drei Tagen ausgeliefert. Ja, ist es nun noch in China oder nicht?

Nimmt Apple seinen Slogan „Think different“ vielleicht etwas zu ernst? Hat es sich für verbilligte Rechner eine eigene Lieferkette ausgedacht?

Ein Unternehmen, das stolz darauf ist, fĂĽr den Bildungsbereich Produkte zu Sonderkonditionen anzubieten, sollte das ohne Wenn und Aber tun. (wst)