Essbare Klone

Guten Appetit: Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA erklärt die genetische Kopie vom Vieh für essbar.

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Von
  • Hanno Charisius

Kurz vorm Jahreswechsel kam die amerikanische Zulassungsbehörde FDA (Federal Food and Drug Administration) zu dem Schluss, dass der Verzehr von Milch und Fleisch von geklonten Tieren ungefährlich sei für den Menschen. Die Behörde hat ein Problem gelöst, das es im Grunde gar nicht gibt: Die wenigen Klonrinder, -schafe und -ziegen, die auf den Weiden stehen, sind viel zu kostbar, um sie zur Schlachtbank zu führen.

Die FDA hat nach eigenen Angaben Hunderte von wissenschaftlichen Aufsätzen über die Gesundheit von Klontieren ausgewertet und in dem knapp siebenhundertseitigen "vorläufigen" Bericht "A Risk-Based Approach to Evaluate Animal Clones and Their Progeny - Draft" zusammengefasst (Pressemitteilung hier). Das Klonen berge, verglichen mit anderen in der US-Landwirtschaft gängigen Fortpflanzungstechnologien, keine besondere Gefahr, sagt ein Behördensprecher anlässlich der Veröffentlichung. Ihre Studien hätten keine keinen Unterschied zwischen einem gesunden Klon und konventionell gezüchteten Tieren gezeigt. Nahrung von Klontieren sei mithin so sicher, wie die aus konventioneller Zucht gewonnene.

Warum sollte Klonfleisch auch problematisch sein? Klone sind genetische Kopien vom Original, sie gleichen sich wie Zwillinge, die ebenfalls dieselben Gene tragen. Beim Klonen wird das Erbgut aus der Zelle eines ausgewachsenen Tieres auf eine Eizelle von einem weiblichen Tier der selben Art übertragen, der die Kloneure zuvor das eigen Erbgut herausoperiert haben. Das Zellkonstrukt wird dann in die Gebärmutter eines Leihmuttertieres gespült und von diesem ausgetragen. Das Klonschaf Dolly war das erste Säugetier, das durch diese Technik 1996 auf die Welt gekommen war.

Was die FDA bei ihrer Beurteilung außer Acht gelassen hat: Klonen ist eine äußerst fragile Technik, die auch von Profis alles andere als beherrscht wird. Für einen lebensfähigen Klon müssen Dutzende Embryonen hergestellt werden, viele kommen mit Fehlbildungen aus dem Bauch ihrer Leihmutter. Klonen ist auch über zehn Jahre nach der Geburt Dolly noch keine Routinetechnik – Dienstleister nehmen um die 15.000 Dollar für die Erschaffung eines Klonrindes. Immerhin: Die Züchter freuen sich, sie mussten bislang die Milch ihre besten und deshalb per Klonkopie verjüngten Kühe bislang selber trinken. Sie erhoffen sich einen Imagegewinn von dem FDA-Bericht. Erst im Oktober hatte das Klon-Unternehmen Genetic Savings & Clone seine Tätigkeit wegen mangelnder Nachfrage eingestellt.

Jetzt hat die amerikanische Bevölkerung drei Monate lang Zeit, sich zu dem FDA-Bericht zu äußern. Umfragen haben gezeigt, dass mehr als die Hälfte von Ihnen das Klonen ablehnen. Bis zum Ende des Jahres, könnte die Behörde entscheiden, ob Klonfleisch und -milch in den Handel kommen darf und ob diese Ware besonders gekennzeichnet werden muss. Nach europäischem Recht ist unklar, ob Klone zu den gentechnisch veränderten Organismen gezählt werden und Produkte aus ihnen in Europa deshalb gesondert für den Verzehr zugelassen und gekennzeichnet müssen. (wst)