Das erste Geld

Ende der Woche wird in Kalifornien Geld verteilt. Viel Geld. FĂĽr Projekte in der Stammzellforschung, die in den USA nicht mit staatlichen Forschungsgeldern finanziert werden dĂĽrfen.

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Von
  • Hanno Charisius

Zur Erinnerung: Im November 2004 stimmten 59 Prozent der Kalifornier per Volksentscheid für die Stammzell-Initiative (Technology Review berichtete unter dem Titel "Der neue Goldrausch" ausführlich darüber in Heft 7/05) und damit für Forschungsfreiheit im eigenen Bundesstaat in Opposition zu George W. Bushs hartem Kurs kontra Stammzellforschung. Jährlich rund 300 Millionen Dollar will das California Institute for Regenerative Medicine, kurz CIRM, zehn Jahre lang verteilen. Das Geld soll überwiegend aus privaten Quellen fließen. Bislang investiert die US-Regierung, in erster Linie über die National Institutes of Health (NIH), gerade einmal 25 Millionen Dollar im Jahr in Forschung mit embryonalen Stammzellen.

Anfang Oktober hatte das CIRM in seinem Strategie-Plan Ziele und Prioritäten der nächsten zehn Jahre skizziert und um Bewerbungen gebeten. 232 Anträge auf Förderung sind bis zum Jahresende eingegangen. Jeden hat ein unabhängiges Komitee evaluiert und 38 Projekte zur sofortigen Förderung empfohlen. Wenn dann noch Geld übrig ist, soll es auf 47 weitere Projekte verteilt werden. Wie viel von den 150 Millionen Dollar fließen werden, die das CIRM zurzeit zu verwalten hat, steht noch nicht fest, wenigstens aber wohl 25 Millionen.

Auf seinen Webseiten hat das CIRM sämtliche Anträge aufgelistet. Bei der Begutachtung wurde auch der "wissenschaftliche Wert" eines Vorhabens bestimmt, das Projekt, das mit 96 von 100 möglichen die meisten Punkte bekommen hat und zur Förderung empfohlen wurde, will sich mit der Entwicklung von Nervenzellen aus embryonalen Stammzellen befassen und benötigt dafür im ersten Jahr 300 000 Dollar.

Neben einer allgemeinverständlichen Zusammenfassung steht bei jeder Projektbeschreibung, welchen voraussichtlichen Nutzen diese Vorhaben dem Staat Kalifornien bringen wird. Dazu kommt eine Einschätzung der Gutachter und ein sehr aufschlussreicher Absatz zu den Schwächen des geplanten Projekts und ein paar erklärende Sätze zu dem Vorhaben, etwa ob gentechnische Methoden oder Klontechniken eingesetzt werden. Die Namen der Antragssteller bleiben unbekannt. Wenn ein Gremiumsmitglied aus irgendwelchen Gründen Interessenkonflikte mit dem beantragten Projekt hatte, wurde es aus der Abstimmung ausgeschlossen.

Und das Schönste: Zu jeder Projektskizze gibt es eine kleine Machbarkeitseinschätzung. Beim Projekt mit dem wissenschaftlich höchsten Wert verheißen die Antragsteller zum Beispiel Heilung von neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer. Die Gutachter schreiben dazu in ihrer Diskussion: "Kann sein, dass das Vorhaben nicht funktioniert, aber der Antragsteller ist der Richtige, um das auszuprobieren."

Soviel Transparenz wünscht man sich auch von deutscher Forschungsförderung. (wst)