Armageddon sanft verschieben

Die Nasa hat den Auftrag bekommen, Asteroiden, die der Erde gefährlich nahe kommen aufzuspüren. Über geeignete Abwehrmaßnahmen wird ebenfalls nachgedacht. Sprengen ist jedenfalls keine gute Idee.

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Von
  • Hanno Charisius

Im April 2029 wird die Erde jener Katastrophe dann doch entgehen, die vor zwei Jahren die Titelseiten der Boulevardzeitungen füllte: Am 19. Juni 2004 wurde der erdnahe Asteroid 99942 (Durchmesser: 300 Meter) entdeckt und auf den Namen Apophis getauft. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 2,7 Prozent sollte der Himmelskörper von diesem Zeitpunkt aus betrachtet am 13. April 2029 die Bahn der Erde kreuzen, sprich auf ihr einschlagen und weite Landstriche verwüsten. Genauere Berechungen reduzierten dieses Risiko kurz darauf auf Null, die Angst vor Kollisionen mit anderen Himmelskörpern, wie sie in dem Kinospektakel "Armageddon" verarbeitet wurde, ist jedoch geblieben.

An Asteroidenwarnungen werden wir uns gewöhnen müssen, erklärten Wissenschaftler am Wochenende auf der Jahresversammlung der Amerikanischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften AAAS in San Francisco. Die Nasa will in den nächsten 20 Jahren alle der geschätzten 20 000 Flugkörper von mindestens 140 Kilometer Größe ausfindig machen, die der Erde gefährlich nahe kommen können. Dann werden Asteroidenwarnungen so häufig sein, wie die Ankündigungen von Unwettern. Nur wird man gegen die Asteroiden etwas unternehmen können, einen Wirbelsturm aber könne man hingegen nicht umleiten, erklärt der ehemalige Astronaut Russel Schweikart von der Association of Space Explorers ASE.

Verbesserte Früherkennung durch eine systematische Suche mit besseren Instrumenten ist nur ein notwendiger Schritt für die wirkungsvolle Katastrophenvermeidung. Als nächstes muss der bedrohliche Klotz aus der Flugbahn der Erde entfernt werden. Das ginge gemäß filmischem Weltuntergangsvorbild Armageddon mit Sprengsätzen die ein Held vom Schlage eines Bruce Willis auf dem Himmelskörper installiert, oder Projektilen, die auf ihn abgefeuert werden. Zeitgemäßer erscheint den Experten für Weltraumkollisionen allerdings die sanfte Tour: Ein unbemanntes Raumschiff soll herumtreibende Felsbrocken in Schlepptau nehmen und aus der Flugbahn ziehen. Der interstellare Schleppkahn von Größe einer Marssonde wird dazu Richtung Bedrohung gesendet und dem anrauschenden Himmelskörper für ein paar Jahre an die Seite gestellt. Nicht über ein verbindendes Seil, sondern allein über die Gravitation wirkt der künstliche Begleiter sanft auf das gefährliche Flugobjekt. Das neue Früherkennungssystem soll Vorwarnzeiten von gut zehn Jahren bringen, daher wäre jede Menge Zeit für solch eine wegen der kleinen Kräfte nur sehr langfristig wirksame Mission.

Vorteil der sanften Methode: Es entstehen keine Trümmer, die unberechenbar in der Gegend herumfliegen. Die könnten die Situation sogar noch verschlimmern statt entschärfen, sagt Nasa-Astronaut Edward Lu. Und wenn das Abschleppen per Gravitation nicht klappt, dann gebe es mit der harten Tour ja immer noch einen Plan B.

Mit heutiger Technik wäre das kein Problem haben die US-Raumfahrtbehörde Nasa und das europäische Gegenstück, die Esa, bereits unabhängig voneinander festgestellt. Nur muss sich jemand dafür verantwortlich fühlen und die entsprechenden Entscheidungen treffen. Diese Verantwortung sieht Russel Schweikart in der Hand der vereinten Nationen, seine Association of Space Explorers steht bereits seit einem Jahr deshalb mit der UN in Verbindung. (wst)