Ă–kologische Kriegsgewinnler

Der ZVEI verlangt Subventionen für energiesparende Kühlschränke. Besser wäre ein unabhängiger Energiesparfonds, der da fördert, wo Energieeffizienz am billigsten ist.

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Von
  • Matthias Urbach

Wer wie ich jahrlang als Umweltredakteur gearbeitet hat, kommt derzeit aus dem Staunen nicht mehr heraus. Es ist verrĂĽckt zu beobachten, wie Ă–kothemen derzeit reĂĽssieren. Immer wenn ich denke, der Ă–ko-Hype hat seinen Zenit ĂĽberschritten, gibt es eine neue Ăśberraschung. Vergangene Woche war es eindeutig der "Stern": Erstmals in seiner Geschichte erschien er mit grĂĽnem "Stern"-Logo und voller Ă–kothemen. "So retten wir das Klima ... und haben trotzdem SpaĂź dabei", stand auf dem Titel. Chapeau, lieber Stern!

Dass Gutmenschentum Spaß machen kann, beweist nun auch der ZVEI, der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie. Der Staat möge doch besonders sparsame Kühlschränke mit 150 Euro pro Stück subventionieren. Die Geräte der Effizienzklasse A++ (der Erfinder solch kryptischer Kennzeichnungen möge sich schämen) seien nämlich 250 Euro teurer als Geräte der Stufe A. Das Problem: Diese Mehrkosten kommen durch die Stromeinsparung gegenüber einem Klasse A-Gerät auch in zehn Jahren nicht wieder rein. Folglich wählt derzeit nur jeder 25. Kühlschrankkäufer so ein Gerät.

Rund 75 Millionen Euro würde so eine Subvention im Jahr kosten, hat der ZVEI überschlagen. Durch ein Umrüsten aller deutschen Kühlschränke könnten vier Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Das sei pro Tonne Kohlendioxid "viel geringer" als andere Sparmaßnahmen. Nun ja. Auch wenn es vordergründig um die gute Sache geht, sollte man vielleicht doch etwas genauer hinsehen.

Im Rahmen einer großen Energiesparstudie wurde so ein Programm schon mal durchgerechnet – und lediglich 100 Euro Förderung angesetzt, nach zwei Jahren gar nur 50 Euro und nach fünf Jahren gar nichts mehr. Man muss schon genau kalkulieren, soll die Effizienzsteigerung wirklich so kostengünstig sein, wie der ZVEI behauptet.

Das Bundesumweltministerium hat dem ZVEI schon einen Korb gegeben. Doch das ist ein Fehler. Denn trotz des durchschaubaren Versuchs der Elektroindustrie, sich die effizienten Kühlschränke vergolden zu lassen, macht ja eine Förderung durchaus Sinn. Allerdings sollte der Staat nicht auf Zuruf Subventionen gewähren, wie es dem ZVEI vorschwebt. Es braucht eine Institution, die das ökologisch wie ökonomisch nüchtern durchkalkuliert und überwacht. Um unabhängig zu bleiben, sollte diese Institution sich nicht aus Steuermitteln finanzieren. Viel besser wäre eine Quelle, die direkt mit dem Verbrauch zusammenhängt: der Strompreis. Das macht dann auch ökologisch Sinn.

Der Trick: Würde man aus einem kleinen Aufschlag auf die Stromkosten solche Stromsparmaßnahmen finanzieren, würde zwar der Kilowattpreis ganz leicht steigen – die Stromrechnung aber erheblich sinken. Dieses Modell, Energiesparfonds genannt, wird schon seit Jahren von Energieforschern gefordert. Bereits ein paar Zehntel Cent mehr pro Kilowattstunde würden genügen, die Umwelt und unsere Geldbeutel zu schonen. Es wird Zeit, ihn endlich einzurichten. Da könnte auch Umweltminister Sigmar Gabriel seinen Teil beitragen. Oder Kanzlerin Angela Merkel. Denn bislang hat sich aus ihrem Energiegipfeln wenig Zählbares ergeben. Ende Juni beim dritten Treffen gehört auch so ein unabhängiger Energiesparfonds aufs Abschlussdokument. (wst)