Fußball und Wirtschaft: "Nichts ist scheißer als Platz zwei."

Der Managementberater Reinhard K. Sprenger hat ein Buch über Fußball und Wirtschaft geschrieben und Heise-resale-Kolumnist Damian Sicking hat es gelesen. Sie sollten es ebenfalls tun.

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Lesezeit: 5 Min.
Von
  • Damian Sicking

(Bild: campus Verlag)

Lieber Managementberater Dr. Reinhard Sprenger,

im Urlaub und sozusagen zur Vorbereitung auf die Fußballeuropameisterschaften habe ich Ihr neues Buch "Gut aufgestellt. Fußballstrategien für Manager" gelesen. Prima Urlaubslektüre, unterhaltsam und gleichzeitig inspirierend. Klasse die vielen Parallelen zwischen dem Fußball- und dem Wirtschaftsleben, die Sie aufzeigen. Ist ja auch naheliegend: Fußball und Wirtschaft - in beiden Fällen geht es ums Geld. Toll auch die vielen Fußballweisheiten und Zitate in Ihrem Buch. Besonders gut hat mir das von Seite 22 gefallen, wo Sie einen namentlich nicht näher genannten, aber "legendären Bezirksligatrainer aus dem Ruhrgebiet" zitieren: "Männer, denkt an die drei großen A´s: Abwehr, Angriff, Angagement!" Ja, die drei großen A´s, damit tut sich auch mancher Mitarbeiter in den Unternehmen schwer, vor allem mit dem letzten A.

Treffend auch das Zitat des Philosophen Jean-Paul Sartre: "Die Anwesenheit des Gegners kompliziert alles." Wie wahr! Das ist in der IT-Branche genauso, wobei man das Wort "Gegner" wahlweise durch "Konkurrenten" oder "Kunden" ersetzen kann.

Großartig finde ich auch das Kapitel "Führung braucht freiwillige Gefolgschaft." Hier stellen Sie folgende Frage: Wieviele Mitarbeiter draußen in den Betrieben würden sich auch dann Ihrem derzeitigen Chef anschließen und unter seinem Kommando rackern, wenn sie sich ihren Chef aussuchen könnten? Jeder Vorgesetzte sollte sich diese Frage einmal selbst stellen: Würden meine Mitarbeiter mir auch dann folgen, wenn sie die Wahl hätten? Ich fürchte, in vielen Fällen könnte ich die Antwort voraussagen. Klasse in dem Zusammenhang die Antwort von Daimler-Chef Dieter Zetsche auf die Frage, was man als Führungskraft braucht, um die Herzen seiner Mitarbeiter zu erreichen. Zetsche: "Manchmal reicht es schon, wenn man kein Arschloch ist." Ja, das spricht mir aus dem Herzen. Ich bin immer noch überzeugt, dass es möglich sein muss, Karriere zu machen und an der Spitze eines Unternehmens zu stehen, und trotzdem ein guter Typ zu sein.

Eines der besten Kapitel trägt die Überschrift "Erfolgsrezepte gibt es nicht". Schon allein diese sechs Seiten rechtfertigen die Anschaffung des Buches. Es geht um die wichtige Frage: "Was muss ich oder meine Firma tun, um erfolgreich zu sein?" Weil viele Manager das nicht wissen, holen sie sich einen Unternehmensberater ins Haus oder lesen das Buch "Wachsen wie Würth". Bei vielen Wirtschaftskapitänen besteht der Glaube, sie müssten nur das gleiche machen wie andere, erfolgreiche Unternehmen, dann wären sie ebenso erfolgreich. Eben das ist der Irrtum, sagen Sie. Denn wenn der eine Unternehmer das Gleiche macht wie sein Nachbar, heißt das noch lange nicht, dass auch dasselbe dabei herauskommt. Und wenn zwei Unternehmen ganz unterschiedlich vorgehen, können sie trotzdem gleichermaßen erfolgreich sein. Ich zitiere mal kurz aus Ihrem Buch: "Da gibt es das Handelsunternehmen, das von seinem Geschäftsführer mit großer Menschenliebe seit Jahrzehnten von Erfolg zu Erfolg geführt wird. Und da gibt es das Unternehmen derselben Branche, das von der Inhaberfamilie mit beeindruckender Menschenverachtung seit Jahrzehnten von Erfolg zu Erfolg geführt wird. Zwei Unternehmen, die internen Unterschiede kaum größer vorstellbar, auf demselben Markt, mit fast demselben Sortiment, im Kampf um denselben Kunden, und beide sind dauerhaft erfolgreich."

Im Fußball ist es genauso. Bei den Europameisterschaften 1992 ging die deutsche Mannschaft bestens vorbereitet aufs Spielfeld und verlor gegen die Dänen. Die dänische Mannschaft war alles andere als gut vorbereitet, spielte lieber Minigolf als zu trainieren und war insgesamt nicht besonders motiviert. Nach dem Erfolgsgeheimnis gefragt, antwortete sie: "Pommes essen und am Pool liegen." Zwei Jahre später, bei der WM, unterlagen die Deutschen den Bulgaren, die sich nach jedem Spiel bis zur Besinnungslosigkeit besoffen. Was ist nun die bessere Vorbereitung, um zu gewinnen und Erfolg zu haben? Noch einmal ein Zitat aus Ihrem Buch: "Die gewissenhafte Vorbereitung eines Turniers, das ganze System aus Trainingslagern, Spezialistenteams und generalstabsmäßiger Planung mag den Erfolg ermöglichen, erzwingen kann es ihn nicht. Es ist nicht einmal sicher, ob es überhaupt zum Erfolg beiträgt." Eine provokante These, wenn Sie mich fragen. Kann sein, dass Sie Recht haben. Ich würde als Bundestrainer die Spieler trotzdem lieber auf den Fußballplatz als ins Bordell schicken.

Nun gut, am vergangenen Sonntag hat die deutsche Mannschaft das Endspiel verloren und ist Vize-Europameister geworden. Auch hierfür findet sich ein passender Satz in Ihrem Buch. Es stammt von einem ehemaligen Leverkusener Spieler, dem Niederländer Erik Meijer: "Nichts ist scheißer als Platz zwei."

Beste Grüße

Damian Sicking ()