Actebis-Mutter Arques will wieder artig sein
Der Chef der Beteiligungsfirma Arques hält den Kauf von Actebis für einen Fehler und will das Unternehmen so schnell wie möglich wieder abstoßen. Damian Sicking warnt vor dem Versuch, einen Fehler durch einen anderen wiedergutzumachen.
Dr. Michael Schumann, Vorstand, Arques
(Bild:Â Arques)
Lieber Arques-Vorstand und Actebis-Eigner Dr. Michael Schumann,
passend zur heutigen Hauptversammlung in München haben Sie dem Handelsblatt ein Interview zur Lage des Unternehmens gegeben. Ziel der Übung: Aktionäre beruhigen, Kurspflege betreiben. Beides ist dringend erforderlich. Denn nicht nur, aber auch wegen der Actebis-Übernahme ist der Arques-Aktienkurs von 40 Euro (Sommer 2007) im freien Fall auf aktuell sechs Euro nach unten gerauscht. Ihre Botschaft daher an den Kapitalmarkt: "Der Actebis-Kauf war ein Fehler. Wir werden das wiedergutmachen und so etwas nie wieder tun. Stattdessen wollen wir uns wieder auf unsere alten Tugenden konzentrieren: Sanierungsfälle kaufen, sie wieder aufpäppeln und mit Gewinn weiterverscherbeln."
Die Actebis-Konzernzentrale im alten ...
(Bild:Â Actebis)
Dass Sie kein Problem damit haben, Fehler einzugestehen, ehrt Sie ja, lieber Herr Dr. Schumann. ("Wer wirklich Autorität hat, wird sich nicht scheuen, Fehler zuzugeben", sagte der Philosoph und Nobelpreisträger Bertrand Russel.) Aber jetzt seien Sie mal nicht so streng mit sich: Die Actebis-Übernahme war doch kein Fehler, ist doch ein tolles Unternehmen, profitabel und mit einer guten Entwicklung. Statt von einem Fehler sollten Sie ohnehin lieber von einer Erfahrung sprechen. Und Erfahrungen kann man ja eigentlich nie genug machen. Dass der Aktienkurs von Arques den Möllemann gemacht hat, liegt doch wohl eher an dem katastrophalen Eindruck, den das Management über Monate hinweg hinterließ (erst ging Arques-Gründer Peter Löw, dann Ihr Vorgänger Martin Vorderwülbecke von Bord).
Interessant finde ich übrigens, dass Sie den Actebis-Kauf nur in Bezug auf die Auswirkungen auf den Aktienkurs als Fehler bezeichnen. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sei der Kauf richtig gewesen, betonen Sie. Das hört sich für mich so an wie der Bräutigam, der sagt, von der Braut her sei die Vermählung richtig gewesen, aber weil die Verwandten die Braut nicht leiden können, war sie ein Fehler.
... und seit FrĂĽhjahr 2008 neuen grĂĽnen Corporate Design.
(Bild:Â Actebis)
Na gut, egal wie: Jetzt heißt es aufpassen! Denn: "Die schlimmsten Fehler werden gemacht in der Absicht, einen begangenen Fehler wiedergutzumachen", sagt der Schriftsteller Jean Paul (nein, nicht Belmondo). Ich ziele damit auf Ihre Ankündigung, Actebis in diesem Jahr auf jeden Fall wieder abzustoßen: entweder durch einen Börsengang oder durch einen Verkauf. Ist es wirklich schlau, sich derart unter Zugzwang zu setzen? Den Actebis-Firmenwert geben Sie im Bericht über das ersten Quartal 2008 mit 253 Millionen Euro an. Da müssen Sie erst einmal jemanden finden, der bereit ist, diese Summe auf den Tisch zu legen. Sie wissen doch, wie lange der frühere Actebis-Eigner Otto nach so jemandem gesucht hatte. Und woher Sie Ihre Zuversicht nehmen, dass sich nach der Sommerpause ein "Zeitfenster" für ein IPO öffne, ist mir schleicherhaft.
Für die Mitarbeiter der Actebis-Gruppe ist das alles natürlich extrem nervig. Sie müssen sich nicht nur im Tagesgeschäft mit einem beinharten Wettbewerb auseinandersetzen, zusätzlich kommt auch noch diese Unruhe und Ablenkung dazu. Wie soll man sich da auf seinen Job konzentrieren? Also bitte, Herr Dr. Schumann: Vermasseln Sie es nicht!
Beste GrĂĽĂźe