Wie gut schläft FSC-Chef Bernd Bischoff?

70 Prozent der nächsten installierten PC-Milliarde wird in den Schwellenländern verkauft. Heise-resale-Kolumnist Damian Sicking befürchtet, dass das Geschäft weitgehend an Fujitsu Siemens vorbei gehen wird. Es sei denn...

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Von
  • Damian Sicking

Lieber Fujitsu-Siemens-Chef Bernd Bischoff,

das Marktforschungsunternehmen Gartner hat kürzlich ein paar sehr aufschlussreiche Zahlen und Fakten zum weltweiten PC-Markt veröffentlicht. Danach sind heute weltweit rund eine Milliarde PCs installiert, die meisten in den Industrieländern, nämlich etwa 58 Prozent (obwohl hier nur 15 Prozent der Weltbevölkerung lebt). Das große Wachstum wird in den kommenden Jahren aus den so genannten Schwellenländern kommen. Nach der Prognose der Gartner-Marktforscher wird sich die Zahl der weltweit installierten PCs bereits bis zum Jahr 2014 auf dann zwei Milliarde Einheiten verdoppelt haben. An dieser nächsten PC-Milliarde werden Gartner zufolge die Schwellenländer einen Anteil von 70 Prozent haben. Mit anderen Worten: Hier, vor allem in Asien, aber auch in Südamerika, spielt für die Computerindustrie in den kommenden Jahren die Musik. Und jetzt die Frage an Sie, lieber Herr Bischoff: In welchem Maße gedenkt Fujitsu Siemens Computers (FSC) an diesem gigantischen Absatzmarkt zu partizipieren?

Meine Befürchtung: Von den 700 Millionen PCs, die in den kommenden Jahren in den aufstrebenden Märkten weit weg von Deutschland und Europa verkauft werden (genau genommen sind es noch viel mehr, weil Gartner ja von "installierten" PCs spricht, verkauft werden deutlich mehr), werden verdammt wenige den FSC-Aufkleber haben. Zumindest dann, wenn Sie, lieber Herr Bischoff, nicht sehr schnell sehr aktiv werden. Denn FSC ist in diesen Wachstumsmärkten einfach nicht präsent. Rund 60 Prozent Ihrer Umsätze erzielen Sie in den vier großen europäischen Ländern Deutschland, Frankreich, Spanien und Vereinigtes Königreich, 40 Prozent des Gesamtumsatzes alleine in Deutschland (Quelle: FSC-Geschäftsbericht 2006/07, S. 74).

Kann es sich ein Unternehmen Fujitsu Siemens leisten, an diesen phantastischen Wachstumsmärkten lediglich als Zuschauer teilzunehmen? Ich denke nicht. Klar, wenn hier in Deutschland und Europa das Geschäft liefe wie geschmiert und man die hohe Nachfrage gar nicht schnell genug befriedigen könnte, könnte man das, was in weit entfernten Teilen der Welt passiert, locker sehen. Aber so ist es ja leider nicht. Im Gegenteil! Gerade erst haben Sie, lieber Herr Bischoff, gegenüber der Zeitschrift Euro am Sonntag erklärt, dass es "sehr schwierig" werde, die geplanten Umsatzziele in diesem Geschäftsjahr zu erreichen. Noch im April hatten Sie für die kommenden drei Jahre ein "starkes Wachstum" angekündigt. Auch schlecht: Bereits im vergangenen Geschäftsjahr 2007/08 war der Umsatz rückläufig (- 4,9 Prozent).

Lieber Herr Bischoff, können Sie angesichts dieser Entwicklung noch gut schlafen? Besteht hier nicht dringender Handlungsbedarf? Müssen Sie und die Siemens-Führung sich nicht ganz schnell mit dem 50-Prozent-Partner Fujitsu an einen Tisch setzen, um eine Lösung für dieses Problem zu finden? Eines jedenfall scheint mir völlig klar zu sein: Einfach so weitermachen wie bisher ist keine Option.

Mit den besten GrĂĽĂźen

Damian Sicking ()