Betrifft: Fujitsu Siemens Computers

Manche Leute meinen, die FSC-Manager hätten keine Vision von der Zukunft ihrer Firma. Das stimmt nicht. Die Vision ist sogar sehr konkret und besteht aus drei Buchstaben: IBM!

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Von
  • Damian Sicking

Lieber Branchenanalyst und FSC-Kenner Andreas Zilch,

jetzt ist also das eingetreten, was wir erwartet haben: Siemens-Chef Peter Löscher will die Halbtochter Fujitsu Siemens Computers (FSC) nicht mehr länger haben und bietet seinen Anteil dem Partner Fujitsu zum Kauf an. Fujitsu-Chef Kuniaki Ozoe hat aber bereits signalisiert, dass er wenig Interesse hat. Auch das ist keine Überraschung. Tja, und nun? Nun werden wir uns gedulden und sehen, was passiert.

Vor Kurzem plauderte ich auf einem Fest mit einem hochrangigen FSC-Manager über dieses Thema, klar, über was auch sonst? An irgendeiner Stelle unseres Gesprächs stellte er mir folgende Frage: "Herr Sicking, wenn ich Ihnen 100.000 Euro gebe unter der Bedingung, dass Sie das Geld entweder in einen Hardwareanbieter oder einen Serviceanbieter investieren, aber entweder-oder, Sie dürfen das Geld nicht aufteilen, was würden Sie tun?" Ich war zunächst einmal verdutzt wegen dieser Frage und stammelte dann etwas wie "Kommt ganz drauf an." Der FSC-Manager dagegen war mit seiner Meinungsbildung schon viel weiter als ich und sagte: "Wenn ich Sie wäre, würde ich das Geld ganz klar in den Serviceanbieter investieren." Interessant, nicht wahr? Man könnte diese Aussage als einen Hinweis nehmen für den Stellenwert, den die Hardware derzeit bei FSC insgesamt genießt. Vor allem das Volumengeschäft (PCs, Notebooks) würde das Management nach meiner Überzeugung lieber heute als morgen abgeben. Nur wie? Und an wen?

Sie, lieber Herr Zilch, haben vor Kurzem eine kluge und kenntnisreiche Analyse der Lage und der Zukunftsaussichten von FSC veröffentlicht. Darin kritisieren Sie auch massiv das Management. Sie werfen ihm vor, es habe in der Vergangenheit zu viele Fehler gemacht, und es fehle vor allem auch eine Vision. Gut, das mag grundsätzlich richtig sein, gilt aber sicher nicht für den FSC-Manager, mit dem ich mich kürzlich auf der Party unterhielt; der hatte durchaus eine Vision. Und diese Vision, die er für das Unternehmen FSC sieht, besteht aus drei Buchstaben: IBM!

Wieso IBM? Ganz klar: FSC soll die gleiche Transformation wie IBM vom Hardwarehersteller (IBM = "International Business MACHINES") zum integrierten Serviceanbieter erleben. Wie bei der IBM gehört dazu neben dem Aufbau der entsprechenden Skills auch die Aufgabe des Volumengeschäftes. Sie erinnern sich: IBM stieß zuerst die Printer-Division ab (Lexmark) und verkaufte dann die große Unternehmenseinheit PCs an die chinesische Firma Lenovo. Heute ist "die neue IBM", wie sich das Unternehmen nach seiner Neuaufstellung selbst nannte, eines der größten Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen der Welt, im IT-Bereich sowieso. IBM stellt zwar noch immer Hardware her, aber ausschließlich komplexe Produkte, mit dem Volumen- und Consumergeschäft hat Big Blue heute nichts mehr am Hut. Sollen sich andere dort die Köpfe einschlagen.

Kann das auch die Zukunft von FSC sein? Ja klar kann sie es. Aber ganz sicher wird sie es nicht von allein. Und die Konsequenzen dieser Transformation wären enorm. Wozu zum Beispiel bräuchte man dann noch eine eigene PC-Fertigung? Und was würde diese Wandlung für die vielen tausend Vertriebspartner bedeuten?

Aber die Frage ist spannend und richtig: Wie mĂĽsste eine FSC aufgestellt sein, was mĂĽsste anders sein als heute, damit ich 100.000 Euro eigenes Geld in die Firma investieren wĂĽrde? Hm. Die Sache mit IBM geht mir nicht aus dem Kopf.

Beste GrĂĽĂźe

Damian Sicking

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