Kolumne: QSC - 10 Jahre Verluste
Wenn man den offiziellen Verlautbarungen glauben will, kann man den DSL-Anbieter QSC fĂĽr eine Perle unter den deutschen Unternehmen halten. Dabei hat QSC seit der GrĂĽndung 1997 noch nie einen JahresĂĽberschuss ausgewiesen.
Lieber QSC-Chef Dr. Bernd Schlobohm
Sie haben gerade die Geschäftszahlen für das zweite Quartal veröffentlicht. Darin feiern Sie einen Umsatzanstieg auf rund 100 und einen Gewinnanstieg auf 14,2 Millionen Euro. Auf Ebitda-Basis allerdings, also vor Steuern, Zinsaufwendungen und Abschreibungen. Aber egal: Die Medien berichteten freundlich.
Ein guter Anlass, um Ihnen zu Ihrer beachtenswerten Propagandaarbeit zu gratulieren. Wer zum Beispiel die aktuelle Pressemitteilung liest, gewinnt den Eindruck, QSC sei eine Perle unter den deutschen Unternehmen. Schon gleich der erste Satz hat es in sich: "Die QSC AG setzte im zweiten Quartal 2008 ihr starkes und profitables Wachstum fort." "Starkes und profitables Wachstum", das ist es doch, was alle Firmen wollen. Also Vorbild QSC? Nicht wirklich, würde ich sagen. Denn das mit dem profitablem Wachstum, das ist ja schon eine sehr schön geschminkte Wahrheit. Oder ist es etwa nicht so, dass QSC seit der Gründung des Unternehmens 1997 auf Jahrebasis noch nie einen Gewinn (Überschuss) gesehen hat? Ich habe mir Ihre Geschäftsberichte unter diesem Aspekt noch einmal zu Gemüte geführt. Das Ergebnis: Seit dem Börsengang im Jahr 2000 haben sich die QSC-Verluste auf über 412 Millionen Euro aufgetürmt. Da kann selbst einem Kölner Jecken schon mal das Lachen vergehen, sogar einem Kölner mit norddeutschem "Migrationshintergrund" wie Ihnen, lieber Herr Dr. Schlobohm, oder?
Ganz ehrlich, seit dem ich Ihren Slogan (neudeutsch: Claim) kenne, wundert mich die unbefriedigende Rentabilität Ihres Unternehmens überhaupt nicht. Dieser Slogan heißt nämlich: "Allein unsere Kunden sind unser Maßstab." Dieser Satz klingt nur beim ersten Hören gut. Danach denkt man: Und was ist mit dem Geld? Vielleicht sollten Sie, lieber Herr Dr. Schobohm, nicht nur und "allein" an die Kunden, sondern auch ein klitzekleines bisschen auf den Gewinn achten. Doch damit haben Sie´s offenbar nicht so. Dieser Eindruck verstärkt sich bei der Lektüre Ihres Redemanuskripts von der diesjährigen Hauptversammlung. Sie sprechen viel über Umsatz, Markt und Strategie, aber nur in einem einzigen Nebensatz mal über den Gewinn. Scheint einfach nicht so wichtig zu sein.
Und dann auch noch der Titel Ihres Geschäftsberichts 2007: "10 Jahre Höchstgeschwindigkeit". Ist doch logisch, wer zehn Jahre ohne Unterbrechung das Gaspedal durchdrückt, der verbrennt enorm viel Sprit. In Ihrem Fall Geld.
Lieber Herr Dr. Schlobohm, auch das ist eine Leistung: Mehr als zehn Jahre am Markt, noch nie einen Jahresüberschuss ausgewiesen und trotzdem Zuversicht und gute Laune verbreiten. Respekt! Immerhin stimmt die Richtung: Die Verluste werden geringer. Vielleicht steht in der Gewinn- und Verlust-Rechnung im QSC-Geschäftsbericht ja schon in ein bis zwei Jahren ganz unten eine schwarze Zahl. Ich bin heute schon gespannt, welches Feuerwerk Ihre Propagandaabteilung dann abfackeln wird.
Mit den besten GrĂĽĂźen
Weitere Beiträge von Damian Sicking finden Sie im Speakers Corner auf heise resale. ()