Kolumne: Ein Lead, zwo, drei, vier ...

Die Politik erwägt ein generelles Verbot des Handels mit Kunden- und Verbraucheradressen. Die Wirtschaft und die Lobbyisten schreien entsetzt auf. Auch der IT-Handel wäre von einem Verbot betroffen.

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Lesezeit: 4 Min.
Von
  • Damian Sicking

Lieber C&P-Geschäftsführer Arnd von Wedemeyer,

Sie sind Chef des E-Tailers Notebooksbilliger.de, der uns seit ein paar Jahren mit eindrucksvollen Wachstumsraten beeindruckt. Ihre Kunden bestehen im Wesentlichen aus qualifizierten Adressen: Name, Anschrift, E-Mail, Telefon, Bankverbindung. Daher meine Frage: Was halten Sie eigentlich von der aktuellen Diskussion um den Handel von Kundendaten?

Inzwischen hat sich so ziemlich jeder zu diesem Thema geäußert, der eine eigene Adresse hat. Dass das Thema auch für die IT-Branche relevant ist, wurde mir spätestens klar, als sich auch unser Branchenverband Bitkom dazu äußerte und zusätzlich auch noch dessen Präsident August-Wilhelm Scheer dem Handelsblatt ein Interview dazu gewährte ("Ein Verbot schießt über das Ziel hinaus").

Aber klar: Das Thema geht ja auch uns alle an. Ich kenne niemanden, der es lustig findet, wenn ihm mal eben 50 Euro vom Bankkonto abgebucht werden. Ich kenne höchstens ein paar Leute, denen das nicht auffallen würde. Aber auch schon kleine Dinge nerven. Stellen Sie sich vor, Sie haben sich einen Tag frei genommen, um am Vormittag einen 3-Stunden-Lauf zur Vorbereitung auf den Berlin-Marathon zu machen. Zur Regeneration legen Sie sich mittags ein wenig aufs Sofa. Sie sind gerade dabei einzunicken, da reißt Sie das Klingeln des Telefons aus dem Schlaf. Es ist irgendein Francesco aus Italien, der Ihre Frau sprechen möchte, um sie auf den leckeren Wein aus Südtirol aufmerksam zu machen. Ihre Frau ist nicht da, und Sie sagen Francesco, dass Ihre Frau auch keinen Wein von ihm möchte (was Francesco sich weigert zu glauben, solange er nicht mit ihr persönlich gesprochen hat). Sie beenden das Gespräch mehr oder weniger höflich und versuchen wieder einzuschlafen, aber vergebens, weil Sie sich über die Störung geärgert haben und sich fragen, woher Francesco ihre Telefonnummer hat. Darf der das eigentlich überhaupt? Hinterher fallen Ihnen dann auch ein paar Nettigkeiten ein, die Sie während des Telefonats hätten sagen können, aber wieder einmal zu spät.

Ja, solche Anrufe nerven. Sie sind einfach nicht willkommen. Keiner will sie. Oder haben Sie schon einmal erlebt, dass jemand freudig ausgerufen hat: "Schön, dass Sie endlich anrufen, ich habe schon darauf gewartet. Ich möchte unbedingt ganz viele von Ihren wundervollen Produkten bestellen." Diese Anrufe sind die Pest, die E-Mails und die Werbebriefe lassen sich ertragen.

Nun gut. Die Politik diskutiert nun über schärfere Gesetze bis hin zum Totalverbot des Adresshandels. In vielen Unternehmen läuten die Alarmglocken, vor allem natürlich in Call-Centern und bei Direktmarketing-Dienstleistern. Wir brauchen keine schärferen Gesetze, so der Tenor, sondern nur eine bessere Kontrolle und ein härteres Durchgreifen bei Verstößen. Die Lobbyisten müssen wieder ganz viele Termine mit politischen Würdenträgern (oft freigestellte Lehrer) machen.

Auch für den IT-Handel ist das Thema relevant. Denn die Leads, die er so gerne von seinen Herstellern fordert, sind ja nichts anderes als Kontaktdaten von potentiellen Kunden. In einer Studie (PDF) sagten im vergangenen Jahr immerhin 62 Prozent der Teilnehmer aus dem IT-Handel, dass es für sie wichtig bzw. sogar sehr wichtig sei, Kundenleads vom Hersteller zu bekommen. Bei einer Verschärfung der Gesetzeslage wäre es nicht mehr so einfach möglich, dass der Hersteller die Adressen, die er zum Beispiel auf der CeBIT eingesammelt hat, an seine Vertriebspartner weitergibt. Sollte dies so kommen, wird das Jammern groß sein. Gut, gejammert wird heute schon. Die Händler jammern über die schlechte Qualität der Adressen, die sie von den Herstellern bekommen, und die Hersteller jammern darüber, dass die Händler aus den Adressen kein Geschäft generieren. Insofern würde sich bei einer Gesetzesänderung wahrscheinlich so viel auch wieder nicht ändern. Gejammert wird immer.

Beste Grüße

Damian Sicking

Und hier die Antwort von Arnd von Wedemeyer

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