Kolumne: Schleuderarbeitsplatz HP?
Zirka 15.000 Stellen hat HP-Chef Marc Hurd seit seinem Amtsantritt 2005 bereits gestrichen. Jetzt hat er wiederum eine lange Streichliste erstellt: Rund 25.000 Menschen sind betroffen. Ob er sich ĂĽber die Folgen wirklich im Klaren ist?
Lieber HP-Chef Marc Hurd,
gestern berichteten die deutschen Medien über Ihre Pläne, nach der "erfolgreichen Übernahme" von EDS weltweit 24.600 Stellen streichen zu wollen. Auch Entlassungen sind geplant. Dazu ein paar Anmerkungen von mir.
Erstens: Eine FirmenĂĽbernahme, in deren Folge fast 25.000 Menschen ihren Job verlieren bzw. deren Arbeitsstellen wegfallen, "erfolgreich" zu nennen, ist zynisch. In meinen Augen handelt es sich auch nicht um eine Heldentat, auf die Sie stolz sein dĂĽrfen, lieber Herr Hurd. Sie haben bereits mit dem Abbau von rund 15.000 Stellen nach Ihrer AmtsĂĽbernahme am 1. April 2005 gezeigt, dass Sie wenig Skrupel haben, wenn es um die HP-Mitarbeiter geht. In einem Zeitungsbericht hatten Sie Anfang Mai damit geprahlt, schon in den vergangenen Jahren "ineffiziente Kostentreiber ausgemerzt" zu haben. Diese "ineffizienten Kostentreiber", das waren dann wohl die vielen tausend ehemaligen HP-Mitarbeiter, deren Stellen Sie gestrichen hatten. Ich hoffe wenigstens, Ihr Verspechen an die HP- bzw. EDS-Leute, die gehen mĂĽssen, Ihnen mit Abfindungszahlungen und Job-Vermittlungen helfen zu wollen, ist ernst gemeint.
Zweitens: In den Agenturmeldungen über die erste Reaktion der Börse auf den geplanten Stellenabbau hieß es: "HP-Aktien reagierten im nachbörslichen Handel mit leichten Kursverlusten auf die Nachricht." Nun, ich kann Ihnen sagen, lieber Herr Hurd: Bei mir ganz persönlich hat diese Nachricht nicht nur leichte, sondern starke Kursverluste ausgelöst – nämlich was das HP-Image betrifft.
Drittens: Immer wieder beklagen sich Manager über die mangelnde Loyalität und Identifizierung ihrer Mitarbeiter mit dem Unternehmen. Aber ist dies wirklich verwunderlich? Denn man muss sich auch einmal andersherum fragen: Wie steht es denn um die Loyalität der Unternehmen zu ihren Mitarbeitern? Ich fürchte, hier sieht es vielfach ganz düster aus. Viele Menschen in den Betrieben fühlen sich als Manövriermasse – und oft genug entspricht dieses Gefühl auch den Tatsachen. Wer einmal die Erfahrung gemacht hat, sich im Job den Hintern aufzureißen, um dann, wenn der Wind dem Unternehmen ein kleines bisschen ins Gesicht bläst – oder es von einem anderen (HP) übernommen wird –, seine Kündigung zu bekommen, der wird dies kein zweites Mal tun. Und die Kollegen, die im Unternehmen bleiben und dies beobachten, werden daraus ihre Lehren ziehen. Ist es wirklich verwunderlich, wenn diese Mitarbeiter in erster Linie an sich selber denken?
Viertens: In der amerikanischen Pressemitteilung über die bevorstehende Reorganisation kündigen Sie an, dass Sie nicht nur Stellen abbauen und Leute entlassen, sondern auch neue Mitarbeiter einstellen wollen. Nämlich solche, welche die erforderlichen Skills haben, um das Geschäft voranzutreiben. Ich bin sicher, dass sich viele dieser potenziellen Kandidaten es sich sehr gut überlegen werden, einen Arbeitsvertrag bei HP zu unterschreiben. Das Risiko, bei nächster Gelegenheit wieder vor die Tür gesetzt zu werden, scheint recht hoch zu sein. Noch etwas kommt hinzu: HP steht zunehmend in dem Ruf, seine Mitarbeiter auszupressen wie Zitronen. Nur so lassen sich die guten Quartalsergebnisse erzielen, mit der Sie, lieber Herr Hurd, vor den Analysten glänzen können. Kein Wunder, dass sich inzwischen immer mehr hervorragend ausgebildete Spezialisten und Hochschulabsolventen fragen: Soll ich mir HP wirklich antun?
Beste GrĂĽĂźe
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