Erfolglos

Asus bestätigt erneut seinen schlechten Ruf bei Service & Support: Kunden berichten von ahnungsloser Hotline, zurückgenommenen Versprechungen, nicht erfolgten Reparaturen sowie beschädigt zurückgeschickten Notebooks. Offenbar sind das keine Einzelfälle.

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Lesezeit: 10 Min.
Von
  • Dr. JĂĽrgen Rink
Inhaltsverzeichnis

Die Wahl für das neue Notebook fiel auf das Asus V2S. Die hohe Rechenleistung mit Core 2 Duo T7500 und 3D-Grafikchip Nvidia GeForce 8600M GS in einem relativ kompakten Gehäuse mit 14,1-Zoll-Display sagte Christian L. ebenso zu wie die Möglichkeit, eine Dockingstation anzuschließen. Schließlich ist er oft bei Kunden unterwegs und will im Büro schnell ins Firmennetzwerk andocken.

Das war ihm 1529 Euro wert, die er Ende November 2007 bei seinem Händler hinblätterte, die Dockingstation kostete weitere 192 Euro. Da L. beruflich auf sein Notebook angewiesen war, investierte er noch in eine Garantieverlängerung auf drei Jahre, die ihn 74 Euro kostete.

Das Notebook wirkte zunächst solide und lief brauchbar, auch über die UMTS-Karte freute sich der Kunde. Doch Christian L. war nicht lange zufrieden. Schon nach wenigen Wochen blätterte am Gehäuse die Farbe ab, trotz pfleglicher Behandlung, wie er betont. Ein Qualitätsgerät hatte er sich anders vorgestellt. Da L. dringend auf sein Notebook angewiesen war, verzichtete er darauf, zu reklamieren.

Doch als der LAN-Port in der Dockingstation immer mal wieder nach dem Andocken im laufenden Betrieb nicht funktionierte und der HDMI-Anschluss einen Wackelkontakt zeigte, kam L. nicht umhin, am 11. Juni 2008 den Asus-Service per Mail über die Mängel zu informieren und eine Abholung des Geräts zu veranlassen. Am 12. Juni ging das Notebook zu Asus, Herr L. vertraute voll auf den abgeschlossenen Garantievertrag. Er traute seinen Augen nicht, als Asus Holland ihm am 19. Juni einen Kostenvoranschlag präsentierte. Der Notebook-Hersteller behauptete darin, Deckel und Boden seien vom Kunden beschädigt worden, Farbe fehle an diversen Stellen und der HDMI-Stecker sei lose. Für Mainbord-Wechsel, Akku, Gelenk und Boden sowie Deckel seien 365,33 Euro fällig, so Asus.

Gänzlich verschaukelt fühlte sich L., weil Asus im Anschreiben nur einen Defekt erwähnte, der nicht von der Garantie abgedeckt wird, aber trotzdem alle in Rechnung stellte. Kaum zu glauben der Schlusssatz der Mail: "Nach Eingang der Zahlung auf unserem Konto werden wir Ihr Gerät repariert bzw. unrepariert an Sie zurückschicken."

Christian L. beschwerte sich sofort bei Asus Deutschland, lief aber dort gleich gegen mehrere Wände. Man konnte ihm nicht einmal mitteilen, wo sein Notebook denn sei, versprochene Rückrufe erfolgten nicht. Nur Mails auf Englisch an eine Asus-Adresse in den Niederlanden führten zu einer Reaktion. Was machen nur Kunden, die kein Englisch können?

Zwei Wochen und viele Mails später ließ sich der Notebook-Hersteller dann doch davon überzeugen, den Kostenvoranschlag zu überarbeiten: Übrig blieben der Austausch eines Gelenks sowie des Bodens und Deckels, macht insgesamt 54,74 Euro. Damit der Streit ein Ende hat, schließlich hatte L. Besseres zu tun, als sich mit einem unfähigen Service rumzuärgern, biss er in den sauren Apfel und zahlte Anfang Juli, auch wenn er sich keiner Schuld bewusst war.

Damit hatte das Martyrium noch lange kein Ende, denn auch Wochen später wartete Christian L. noch auf sein Notebook. Ein weiteres Mal musste er einen Mail-Marathon starten. Doch Asus kanzelte den Kunden ab. Auf die Nachfrage, wo denn das Notebook bleibe, hieß es lapidar, dass Ersatzteile fehlten. Außerdem: Da es sich um eine "Mischreparatur" und nicht um eine reine Garantiereparatur handele, könne man keine Reparaturzeit angeben.

Das Chaos ging weiter: Am 11. August überraschte Asus mit der Nachricht, dass das Notebook überhaupt nicht repariert werden könne. Dieses befinde sich auf dem Weg ins Repaircenter nach Holland und von dort komme dann ein Angebot für ein Austauschgerät oder für eine Gutschrift. Weit gefehlt: Einen Tag später drückte ein DHL-Mitarbeiter dem verblüfften Christian L. das Notebook in die Hand, statt im Originalkarton allerdings in einer anderen Verpackung.

Schon nach wenigen Wochen platzte die Farbe an vielen Stellen des Notebooks ab. Das stellte Asus Herrn L. in Rechnung.

Nun gut, Hauptsache, das Notebook war nach zwei Monaten endlich wieder da. Verpackung lösen, Karton auspacken – aber was ist das? Am angeblich reparierten Gerät blätterte schon wieder die Farbe ab. Die rechte Handablage hatte zudem eine Delle nach außen, wie von einem spitzen Gegenstand, der innen dagegendrückt. Da waren wohl Stümper am Werk.

Mittlerweile hatte L. mehr als genug. Ein Asus-Notebook kommt ihm nicht mehr ins Haus. Er beschwerte sich umgehend über die fehlerhafte Reparatur und wies auch darauf hin, dass die erneuten Farbabplatzungen ja wohl Beleg genug dafür sind, dass es sein Verschulden nicht gewesen sei. Er erwartete die Erstattung des bereits gezahlten Betrags und forderte die Rücknahme des Geräts und die Erstattung des Kaufpreises.

Kaputtrepariert: Das Asus V2S kam mit einer nach außen gewölbten Delle vom Service zurück.

Asus verweigerte dies kaltschnäuzig mit dem Hinweis, dass nur der Händler das Gerät zurücknehmen könne. Telefonisch wurde L. immerhin die Erstattung der gezahlten 54,74 Euro zugesichert. Aber nicht mal darauf konnte sich L. verlassen: Derselbe Mitarbeiter schrieb kurz darauf in einer Mail, dass eine Erstattung nicht infrage komme. Stattdessen schlug er eine "Speed-Reparatur" vor und stellte ein Upgrade der Festplatte oder der CPU und gegebenenfalls einen zweiten Akku in Aussicht – was die Mängel des Notebooks ja nun gar nicht behebt. Entnervt bat Christian L. daraufhin c't um Hilfe. Asus versprach, wegen der langen Reparaturzeit das Notebook über den Händler gutzuschreiben.

Auch andere Kunden haben sich bei uns über den Service und Support beschwert. Die Odyssee eines im Februar 2007 gekauften A8JP mit 14-Zoll-Display, 3D-Grafikchip und Doppelkernprozessor von Herrn H. ist da ein besonders krasses Beispiel. Im Juli 2007 musste H. zum ersten Mal ein defektes Display-Scharnier reklamieren, die Reparatur erfolgte innerhalb einer Woche. Die nächste war im März 2008 fällig. Außer dem schwergängigen Scharnier, das bereits die Display-Einfassung beschädigt hat, zeigte das Notebook noch Stabilitätsprobleme.

Einen Monat dauerte es, bis das Gerät wieder zu Hause war. Unter anderem war das Mainboard getauscht, leider ohne die Lautsprecher wieder anzuschließen. Außerdem fehlten der Speicherkarten-Plastikeinsatz sowie der für den ExpressCard-Slot. Das Notebook wurde ein weiteres Mal eingeschickt, doch ohne Erfolg, die Lautsprecher funktionierten immer noch nicht, auch nicht nach dem nächsten Reparaturversuch.

Herr H. hatte schon längst genug und forderte eine Rücknahme des Geräts. Der Support riet daraufhin, einen Brief mit dieser Forderung beizulegen. Ein weiterer Mitarbeiter teilte später mit, dass Briefe, die dem Notebook beiliegen, weggeschmissen werden.

H. schickte notgedrungen sein Notebook ein weiteres Mal auf Reisen, auf Anweisung eines Support-Mitarbeiters legte er Informationen über alle bisherigen Vorgänge und derzeitigen Fehler bei. Asus versprach, danach würde sich die für die Wandlung zuständige Abteilung mit einem Angebot über die Auszahlung des Zeitwertes oder einem Vorschlag für ein neues Notebook melden. Doch auch dieses Mal reagierte Asus nicht auf den Wunsch nach Rücknahme. Seit 22. August liegt das Notebook bei Asus, und H. wartet immer noch auf das versprochene Angebot. Nachdem sich c't eingeschaltet hat, bekam H. mitgeteilt, dass das Notebook nicht zeitnah repariert werden könne und er eine Gutschrift über seinen Notebook-Händler bekommen werde.

Wir fragten bei Asus nach, warum diese Kunden nicht zu ihrem Recht kommen. Uwe von der Weyden, Technical Support Director EU, entschuldigt sich für die negativen Erfahrungen, die Christian L. machen musste. Asus sei stetig bemüht, den Kunden die bestmögliche Unterstützung zu bieten.

Asus sieht bei Christian L. in erster Linie zwei Defekte, erstens den Wackelkontakt beim LAN-Port in der Dockingstation und beim HDMI-Anschluss. Beides sei fachgemäß repariert, außerdem Deckel und Boden sowie ein Gelenk ausgetauscht worden. Zweitens ging es darum, dass an vielen Stellen des Gehäuses die Farbe abblättert beziehungsweise das Plastik beschädigt ist. Asus bekräftigt, dass dieses Plastik bei einer normalen Handhabung nicht kaputtgeht, deshalb sei das Notebook nicht ganz so pfleglich behandelt worden wie vom Kunden beschrieben. Da in diesem Fall kein Fertigungsfehler, sondern ein vom Kunden verursachter Schaden vorliege, handele es sich bei der Reparatur um keinen Garantiefall, und Asus habe sich bezüglich der Garantieabdeckung deshalb korrekt verhalten. Wie es zu den Beschädigungen während der Reparatur kam, erklärte uns Asus nicht.

Dafür, dass Christian L. mit verzögerten Rückmeldungen und unterschiedlichen Aussagen konfrontiert wurde, möchte sich Asus ebenfalls entschuldigen. Mit einem dedizierten Qualitätsmanager im Call Center will der Hersteller zukünftig solche Mängel beheben. Eine Überarbeitung der Prozesskette sowie ein weiter verstärktes Training der Mitarbeiter kommen als weitere Maßnahmen hinzu.

Zur Reparatur-Odyssee von Herrn H. ergänzte Asus, dass in Zukunft mehr als zwei Abholaufträge ausgeschlossen seien. Nach der zweiten Reparatur kann ein weiterer Versuch nur mit expliziter Genehmigung durch den Vorgesetzten und Rücksprachen mit dem Kunden erfolgen. (jr)