Kolumne: Drucker oder die Wahl zwischen verplemperter Zeit und Staublunge
In vielen Bürohäusern gibt es einen regen Pendelverkehr zwischen den Räumen der Mitarbeiter und den Abteilungs- bzw. Etagendruckern. Viel Zeit wird auf diesen Wegen unproduktiv verplempert. Aber ist die Alternative besser?
Lieber Brother-Geschäftsführer Lothar Harbich,
zigtausende deutsche Büroarbeiter gehen jeden Abend müde nach Hause und fragen sich, was sie heute eigentlich getan haben. Die Wahrheit ist: Viele von ihnen sind gegangen, nämlich von ihrem Arbeitsplatz zum Drucker, der irgendwo in den Bürokorridoren steht. Das Markt- und Meinungsforschungsunternehmen TNS Infratest aus Bielefeld hat jetzt im Auftrag der Firma Brother genau nachgemessen und festgestellt, dass der typische deutsche Bürohengst im Durchschnitt 44,5 Sekunden für den Weg von seinem Schreibtisch zum Drucker benötigt (wobei nicht ganz klar wird, ob es sich nur um den Hin-, oder um Hin- und Rückweg handelt). Im Schnitt legt er diese Strecke 13 Mal pro Tag zurück. Macht summam summarum fast zehn Minuten. Und dabei handelt es sich um Durchschnittswerte. Elf Prozent der insgesamt mehr als tausend befragten Büroarbeiter brauchen zwei und mehr Minuten bis zum Drucker, und 13,4 Prozent der Umfrageteilnehmer pendeln sogar mehr als 20 Mal pro Tag zwischen Drucker und ihrem Schreibtisch.
Was für eine gigantische Zeitverschwendung! Ein weiterer Beleg dafür, wie viel wertvolle Zeit noch immer in unseren Unternehmen einfach so verdampft. Ich meine, wir reden hier immerhin von zehn Minuten im Schnitt, die wir tagtäglich mit dem unproduktiven Hin- und Her-Rennen zwischen Arbeitsplatz und (Abteilungs-) Drucker verplempern. Und in dieser Zeit tun wir ja nichts anderes als gehen, allenfalls noch Kaugummi kauen oder an Sex denken. Was man in dieser Zeit alles Sinnvolles machen könnte! Meetings abhalten zum Beispiel. Oder sich mit der Frage "Wie läßt sich die Produktivität in unserem Unternehmen erhöhen?" beschäftigen. Gerade jetzt kommt es auf jede Minute an. KÖNNEN WIR UNS DIESEN GROSSZÜGIGEN UMGANG MIT DER ZEIT HEUTE WIRKLICH NOCH LEISTEN???
Mein klare Antwort lautet völlig überraschend "Nein", und ich freue mich, dass Sie, lieber Herr Harbig, offensichtlich derselben Meinung sind. Doch während viele einfach nur darüber jammern, wie schlimm das alles ist, haben Sie eine konkrete Lösung zur Bekämpfung der Zeitverschwendung in unseren Büroetagen parat. Das Geheimnis lautet: Arbeitsplatzdrucker! Ihre Lösung ist, wie alle genialen Lösungen, total simpel: Wenn wir jedem Mitarbeiter einen Drucker auf den Schreibtisch stellen, entfallen die vielen unproduktiven Wanderungen zum Drucker und zurück, und der Mitarbeiter kann sich auf die wirklich wichtigen Dinge konzentrieren, für die er ja auch bezahlt wird. Wie es der Zufall nun so will, hat die Firma Brother im Bereich Arbeitsplatzdrucker eine besondere Kompetenz (während man im Bereich "Heavy Duty Printer" auf Abteilungsebene eher an andere Anbieter denkt). Und Brother hat, wie wir glauben wollen, noch ein paar astreine Tischdrucker auf Lager und ist auch grundsätzlich bereit, diese abzugeben.
So weit, so gut. Aber. Jetzt kommt das große Aber. Wie sieht es mit der Feinstaubbelastung aus? Viele Drucker, ich rede von Laserdruckern, etwas anderes kommt fürs Büro ja gar nicht in Frage, sind noch immer die reinsten Dreckschleudern. Gerade hat die Computerbild wieder ganz schreckliche Testergebnisse veröffentlicht ("Farb-Laserdrucker: Feinstaubbelastung wie im Berufsverkehr"). Schon vom Lesen bekommt man unsägliche Kopfschmerzen und man kann seiner Lebensenergie beim Verdunsten förmlich zusehen. Ein weiterer negative Aspekt kommt hinzu. Wenn der Gang zum Abteilungsdrucker entfällt, bekommen die Mitarbeiter ja gar keine Bewegung mehr. Bewegungsmangel ist, wie Sie wissen, ohnehin schon eine wesentliche Ursache für viele gesundheitliche Probleme von Büroarbeitern (Übergewicht, hoher Blutdruck, Rückenschmerzen, Körpergeruch). Wochenlange, krankheitsbedingte Ausfallzeiten sind die Folge. Von der Belastung unseres bundesdeutschen Gesundheitssystems wollen wir hier mal gar nicht reden. Zudem droht den anonymen Druckern in unseren Büro soziale Isolierung und Vereinsamung.
Also, lieber Herr Harbich, was tun? Wieder so ein Fall mit Vor- und Nachteilen auf beiden Seiten. Mir hat diese Frage einfach keine Ruhe gelassen und ich habe lange darüber nachgedacht. Zum Schluss bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass nur eine radikale Lösung wirklich hilft: Der totale Verzicht auf das Drucken überhaupt! Ja, ganz im Ernst. Seien wir doch mal ehrlich: Drucken ist doch eine Tätigkeit aus dem vergangenen Jahrhundert, völlig unmodern und überholt. Wer druckt, ist von gestern. Menschen, die drucken, sind Menschen, die unseren modernen Informations- und Kommunikationstechnologien nicht gewachsen sind. Auslaufmodelle. Die einzige Konequenz kann nur lauten: Schmeißt die Drucker aus den Bürogebäuden! Initiative "Printer free Offices". Das ist wahrhaft "Green IT". Dann klappt´s vielleicht auch mit dem papierlosen Büro.
Oder halten Sie das jetzt fĂĽr ĂĽbertrieben?
Beste GrĂĽĂźe
Und hier die Antwort von Brother-Chef Lothar Harbich.
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