Kolumne: Good News, Teil 1: Erster Arbeitstag für neuen Actebis-Vertriebschef
In seinem ersten Teil seiner "Good-News"-Serie heißt Damian Sicking den neuen Gesamtvertriebsleiter von Actebis, Kai Früchtenicht, in der IT-Branche willkommen. Dass dieser branchenfremde Manager bei dem Distributor anfängt, zeugt von Mut auf zwei Seiten.
Lieber neuer Actebis-Gesamtvertriebschef Kai Früchtenicht,
am vergangenen Freitag habe ich an dieser Stelle versprochen, meinen kleinen Teil zur guten Stimmung in Deutschland beizutragen und bis zum Ende der Krise oder bis Ende dieser Woche – je nachdem, was früher eintritt – nur gute Nachrichten zu bringen. Die erste gute Nachricht diese Woche betrifft Sie. Sie haben heute Ihren ersten offiziellen Arbeitstag als Gesamtvertriebsleiter beim Distributor Actebis Peacock in Soest.
Was an dieser Nachricht gut ist? Naja, ganz einfach: Da gibt es zum einen diesen 43-jährigen Kai Früchtenicht, der mutig genug ist, eine verantwortliche Position in einer Branche zu übernehmen, die für ihn in wesentlichen Teilen Neuland ist. Denn Sie, lieber Herr Früchtenicht, sind ja beruflich nicht in der IT-Distribution groß geworden, sondern in der Unterhaltungs- und Musikbranche. Zuletzt standen Sie bei der EMI Music Germany GmbH & Co KG in Köln auf der Gehaltsliste. Immerhin waren Sie dort ebenfalls als Vertriebschef tätig. Also wie Vertrieb funktioniert, wissen Sie sicherlich. Den Rest kann man auch noch lernen. Obwohl: Der Geschäftsführer eines anderen Distributors sagte mir kürzlich, dass die IT-Distribution so anders tickt als andere Geschäfte, dass man schon fast in sie hineingeboren werden muss, um hier glücklich zu werden. So habe er – mein Gesprächspartner also – ebenfalls mal vor einiger Zeit einen Manager ohne Distributionserfahrung eingestellt. "Der musste erst einmal lernen, dass es ein Leben nach dem Komma gibt", erzählte er. Der neue Mann hatte die Probezeit nicht überstanden.
Aber das kann eine Einzelstimme sein, von der Sie sich nicht beirren lassen sollten. Das beste Gegenbeispiel zu dieser Erfahrung ist Ihre Chefin Bärbel Schmidt. Als sie die Geschäftsführung von Actebis übernahm, war sie auch eine Distributionsnovizin. Sie brachte zwar mehr als 20 Jahre HP-Erfahrung mit und hatte in diesen Jahren immer mit der Distribution zu tun, aber einen Distributor zu führen, das war dann doch etwas Neues. Und heute geben selbst Konkurrenten zu, dass Frau Schmidt ihren Job richtig gut und erfolgreich gemacht hat.
Und damit bin ich beim zweiten Grund, warum wir es hier mit einer guten Nachricht zu tun haben. Denn nicht nur Sie, lieber Herr Früchtenicht, sondern auch Actebis-Chefin Schmidt beweist mit Ihrer Einstellung Mut. Sie hat sich nicht für den vermeintlichen sichereren und einfacheren Weg entschieden, sondern für den riskanteren und mühevolleren. Hätte Frau Schmidt einen "alten Hasen" aus der Distributionsszene eingestellt, hätte sie die Gewissheit gehabt, dass es auf jeden Fall nicht total schief gehen würde. Doch indem sie einen Branchenfremden mit dieser wichtigen Aufgabe betraute, hat sie sehr viele Unwägbarkeiten in Kauf genommen. Das Risiko ist da, ohne Zweifel, aber eben auch die Chance. Nämlich die Chance, dass der neue Mann frischen Wind und unkonventionelle Ideen mitbringt und entwickelt, die das Unternehmen im harten Wettbewerb nach vorne bringen. Wer in der Distribution aufgewachsen ist, kennt eben auch nur Distribution und denkt in der Gedankenwelt der Distribution. Schmoren im eigenen Saft, nennt man so etwas, und das gilt zu Recht als unkreativ.
Dass Sie, lieber Herr Früchtenicht, heute bei Actebis anfangen, ist in einer weiteren Hinsicht eine gute Nachricht. Offensichtlich ist die IT-Branche doch noch attraktiv für Manager aus anderen Wirtschaftszweigen. Wir waren schon ganz deprimiert, nachdem vor kurzem das Systemhaus Computacenter eine Studie präsentierte, derzufolge Jugendliche und Berufseinsteiger einen weiten Bogen um die IT-Branche machen, wenn es um Jobs und Karriere geht. Völlig unattraktiv, so die Meinung vieler Jugendlicher. Daher: Herzlich willkommen in der IT-Branche, lieber Herr Früchtenicht, hoffentlich gefällt´s Ihnen. Und natürlich viel Glück und Erfolg!
Übrigens ist heute auch der erste Arbeitstag von Uli Kemp als COO bei LG in Willich. Wir hatten an dieser Stelle bereits am 4. November exklusiv die Meldung gebracht, dass der Ex-HP-, FSC- und T-Systems-Manager einen Arbeitsvertrag bei LG unterschrieben hat. Das ist auch eine gute Nachricht. Und dass Uli Kemp gar nicht mehr das Schwergewicht der Branche ist, sondern seit seinem Ausscheiden bei T-Systems Anfang dieses Jahres mehr als 60 kg Körpergewicht verloren hat - und sogar Sport treibt! -, ist eine weitere gute Nachricht. Wir wünschen auch Uli Kemp für seine neue Aufgabe viel Glück und Erfolg.
Beste Grüße
Und hier die Antwort von Actebis-Gesamtvertriebsleiter Kai Früchtenicht
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