Kolumne: Wer hebt den Milliardenmarkt Heimvernetzung?

Für Bitkom-Vizepräsident und Microsoft-Geschäftsführer Achim Berg hat das Thema Heimvernetzung "das Zeug zum Milliardenmarkt". Durch die Blume läßt er wissen, dass Handel und Handwerk diese Chance verpennen. Der Vorwurf ist ungerechtfertigt.

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Von
  • Damian Sicking

Lieber Fachhandelsunternehmer Michael Eudenbach,

mein Lieblingsbranchenverband wartete vergangene Woche mit einer guten Nachricht auf: "Heimvernetzung wird zum technischen Megatrend", verkündete der Bitkom. Endlich wieder ein Megatrend, freuen wir uns. Kann die Branche gut gebrauchen, gerade jetzt. Aber halt: wieso die Einschränkung "technisch"? Und dann sagt der Bitkom ja auch nur, dass Heimvernetzung zum Megatrend "wird" (Futur), dies also heute noch gar nicht ist. Das klingt nicht gut, und wir fragen uns natürlich völlig berechtigt: WANN wird Heimvernetzung der Megatrend, morgen, übermorgen, und um welche Uhrzeit genau? Mann, wenn man diese Headline nur ein bisschen auseinandernimmt, bleibt nicht mehr viel übrig.

Natürlich gibt es einen guten Grund, warum die Leute vom Bitkom von einem "technischen Megatrend" und nicht von einem kaufmännischen oder Konsum-Megatrend sprechen. Denn ein großes Geschäft ist Heimvernetzung in Deutschland derzeit noch immer nicht. Das soll sich aber ändern. Bitkom-Vizepräsident und Microsoft-Geschäftsführer Achim Berg sagt, dass Heimvernetzung in Deutschland "das Zeug zum Milliardenmarkt" hat und verweist auf die USA, wo mit diesem Thema in diesem Jahr bereits rund acht Milliarden Dollar umgesetzt werden sollen. Nun kann man sicher fragen, ob acht Milliarden Dollar in dem großen Land Amerika viel oder wenig sind. Aber ich denke, die Tendenz ist steigend.

Damit das Thema hier in Deutschland Fahrt aufnimmt, sind, so der Bitkom, "eine spezielle Weiterbildung und verbrauchergerechte Beratung insbesondere im Handel und Handwerk dringend notwendig". Okay, "notwendig" kauf ich dem Bitkom ab, aber wieso "dringend"? Läuft da eine Frist ab, von der ich nichts weiß? Ist denn die Industrie schon so weit, dass sie wirklich fertige Produkte und Pakete anbietet? Ist die Nachfrage von Kundenseite bereits so groß, dass sich für den Handel der Einstieg in dieses Segment und die damit verbundenen Investitionen lohnen? Mein Eindruck ist, dass wir hier immer noch ganz am Anfang stehen. Dennoch bin auch ich der Meinung, dass sich ein interessanter und womöglich auch lukrativer Markt auftut.

Vor exakt vier Jahren hatte ich bereits den damaligen Vorstandschef des Nürnberger Systemhauses Schuster & Walther, Dirk von Vopelius, in einem Offenen Brief gefragt, warum er sich nicht für die Verkabelung und Vernetzung – also für das Infrastrukturgeschäft – in Privathäusern interessiert. Schließlich sei das auch nichts großartig anderes als das Geschäft mit seinen Geschäftskunden. Doch Schuster & Walther wollten damals lieber bei ihren Leisten bleiben. Nun hat sich in den vier Jahren seit meinem Brief von 2004 bis heute allerdings einiges getan. Vor allem ist die Zeit dafür genutzt worden, konkrete Visionen oder sagen wir lieber Vorstellungen davon zu entwickeln, welche Einsatz- oder Nutzungsmöglichkeiten sich unter dem Schlagwort "vernetztes" oder "intelligentes Heim" verbergen. Wer sich zu diesem Thema schlau machen möchte, der findet auf der Bitkom-Homepage recht gutes Material dazu, vor allem der Studienband "Konsumentennutzen und persönlicher Komfort" ist zu empfehlen.

Auf der Handelsseite hat man – anders als der Bitkom insinuiert – ebenfalls nicht gepennt. Vielversprechend ist zum Beispiel der Ansatz der Fachhandelskooperation "Teleprofi" dazu. Unter dem Schlagwort "Team50" haben sich 50 Teleprofi-Partner zusammengeschlossen, die gemeinsam das Thema "intelligentes Wohnen" und "vernetztes Business" vorantreiben. Sie arbeiten im Schulterschluss mit Architekten und Elektrotechnikern bereits bei der Planung neuer Gebäude oder bei Renovierungsprojekten. Das Unternehmen ibs intelligent business services GmbH in Dortmund, welches Sie, lieber Herr Eudenbach, bereits 1991 gegründet haben, ist eines der Mitglieder im Team50 und bietet das gesamte Spektrum an, was heute unter dem Begriff Heimvernetzung möglich ist. Auf Ihrer Homepage bezeichnen Sie Ihr Unternehmen als "Dienstleistungsanbieter mit dem Schwerpunkt der gewerkeübergreifenden Vernetzung aller Gebäudesystemkomponenten aus Elektro, Heizung, Klima, Lüftung, Kommunikation und Multimedia". Sieht für mich nach "alles aus einer Hand" aus.

Damals, vor vier Jahren, ist im Zusammenhang der Konvergenz-Diskussion viel darüber debattiert worden, wer das Business machen wird: der IT-Händler oder der CE-Händler oder doch vielleicht eher der Elektrofachbetrieb? Meine Antwort von damals ist dieselbe wie heute: Derjenige wird das Geschäft machen, der es sich nimmt. Offenbar sind Sie einer von denen, die schon früh gesagt haben: Ich nehme mir das Geschäft. Würde mich interessieren, wieviel von dem "Milliardenmarkt Heimvernetzung" bereits auf Ihrem Konto eingegangen ist.

Beste GrĂĽĂźe

Damian Sicking

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