Rallyefahren ist wie Unternehmensführung - nur im Zeitraffer
Mit dem Rallyesport sind Attribute verbunden, die auch für unser Geschäft, unsere Produkte und Dienstleistungen in der IT-Branche gelten.
Matthias Kahle und Thomas M. Schünemann feiern ihren 15. Platz bei der Rallye Dakar 2009
(Bild: HS-Rallye-Team)
Lieber Herr Sicking,
auf Ihre grundsätzliche Frage, ob ein intensives Hobby für den Seelenhaushalt eines Unternehmers wichtig und für das Unternehmen erfolgsfördernd ist oder ob die mögliche Ablenkung eher ein Risiko darstellt, gibt es womöglich keine allgemein gültige Antwort. In den beiden Lagern der erfolgreichen und erfolglosen Unternehmer gibt es vermutlich ähnlich viele, die eine solche Passion haben – oder zumindest hatten. Wobei das Ganze natürlich nicht auf Unternehmer begrenzt ist. Es soll ja auch erfolgreiche Chefredakteure geben, die nicht nur an ihre Zeitung denken, sondern vielleicht doch schon einmal nachts hochgeschreckt sind, weil ihnen siedend heiß einfiel, dass der Anmeldeschluss zum nächsten Triathlon kurz bevorsteht.
Ich erachte das Rallyefahren für mich persönlich als wichtig und richtig und für den Erfolg meines Unternehmens als förderlich. So ich mich selbst einmal zu den eher erfolgreichen Unternehmern zähle, ließe sich meine Geschichte Ihrem Beispiel des Herrn Bernd Bellmann gegenüberstellen: Ich fahre bereits seit etwa 30 Jahren Rallye als Co-Pilot. Zunächst "normale" Rallyes, dann kam die DRM und schließlich packte mich 2006 das Raid-Rallye-Fieber (Off-Road Langstrecken-Rennen wie die Rallye Dakar). Das von mir mitgegründete Unternehmen HS – Hamburger Software ist gut aufgestellt und wird übrigens in diesem Jahr auch 30 Jahre alt – was im Bereich der IT-Unternehmen eher die Ausnahme ist.
Mit dem Rallyesport – ganz besonders mit dem Raid-Rallyefahren – sind Attribute verbunden, die auch für unser Geschäft, unsere Produkte und Dienstleistungen gelten: Leistungsstärke, Orientierung, Zielstrebigkeit, Teamgeist, Wichtigkeit des Service et cetera. Zudem liefert der Sport attraktive hoch emotionale Bilder. Somit können wir das HS-Rallye-Engagement auch hervorragend in der Firmenkommunikation einsetzen: nach innen zur Schaffung eines weiteren Identifikationspunktes und nach außen zum emotionalen Aufladen der Marke HS.
Und schließlich macht es einen unglaublichen Spaß! Ich tauche für einige Zeit in eine völlig andere Welt ab – und gehe dabei an meine Grenzen. Bei den Raid-Rallyes erlebe ich Landschaften aus einer inneren und räumlichen Perspektive, die ich ohne den Sport nie einnehmen könnte. Ich finde mich in völlig außergewöhnlichen Situationen wieder, in denen ich weiß, dass sich mein Pilot Matthias Kahle blind auf mich verlässt. Wenn ich nicht performe, ist es aus. Gemeinsam mit dem gesamten Team bewältigen wir immer wieder neue technische und logistische Herausforderungen. Passt die Lösung nicht, ist die Rallye vorbei. Bei genauerer Betrachtung ist Rallyefahren eigentlich wie Unternehmensführung – nur im Zeitraffer.
Was solche außergewöhnlichen Erfahrungen für den eigenen Kopf, das Denken und Empfinden bedeuten, wissen Sie als Triathlet sicher gut, lieber Herr Sicking. Gern würde ich den Austausch mit Ihnen über dieses Thema fortsetzen. Vielleicht ergibt sich ja auf oder am Rande der CeBIT 2009 (Halle 5, Stand B28) eine Gelegenheit. Alternativ lade ich Sie herzlich ein, uns in Hamburg zu besuchen.
Mit besten Grüßen
Ihr Dr. Thomas M. Schünemann
Geschäftsführer HS – Hamburger Software GmbH & Co. KG ()