Küssen und Knutschen für die deutsche Wirtschaft
Weder in der Wirtschaftsliteratur noch in der Ausbildung unserer Nachwuchsmanager wird einem Thema die Beachtung geschenkt, die ihm gebührt: Küssen für Manager in Theorie und Praxis. Das muss anders werden.
Liebe Berufspendler und Wochenendheimfahrer,
ich weiß nicht, ob Sie es mitbekommen haben, aber vor Kurzem wurde in München der erste deutsche Kussverein gegründet – gefördert von Friendscout24, der nach eigenem Bekunden "Partnerbörse Nr. 1 in Deutschland". Der Verein nennt sich "Kussfreunde e.V.". Nein, sagen Sie, haben Sie nicht mitgekriegt, und Sie fragen sich auch, warum Sie das wissen müssen? Ganz einfach, weil das Thema "Küssen" gerade für Sie als Berufspendler und Wochenendheimfahrer von immenser Bedeutung ist: Sie laufen Gefahr, zu wenig zu küssen und zu wenig geküsst zu werden. Das ist nicht nur gefährlich für Sie, das ist auch riskant für das Unternehmen, für das Sie Höchstleistungen erbringen sollen, und letztlich ist das auch ganz schlecht für die deutsche Volkswirtschaft.
Es hat mich schon immer erstaunt, dass in keinem Managementbuch und keinem Mitarbeiterhandbuch etwas zum Thema "Küssen" gesagt wird. Viele meinen heute noch, Küssen sei etwas sehr Privates und Intimes. Aber das ist Quatsch. Wer glaubt, es sei ganz allein seine Angelegenheit, ob und wie oft er küsse, der irrt ganz gewaltig. Küssen ist etwas zutiefst Gesellschaftliches. Küssen ist ein Wirtschaftfaktor, wer küsst, fördert die wirtschaftliche Entwicklung der deutschen Unternehmen. Ja, man muss es so sagen: Küssen ist ein Wirtschaftsförderungsprogramm. Lassen Sie mich diese These kurz erläutern.
Nur ganz allmählich entsteht ein Bewusstsein dafür, dass Küssen mehr ist als der Ausdruck von Zuneigung zwischen zwei Menschen. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen zweifelsfrei: Küssen ist gesund! Beim Kuss werden Adrenalin und Glückshormone ausgeschüttet, wichtige Energielieferanten. Dazu Neuropeptide, gut zur Stärkung der Immunabwehr (weniger Krankheitsausfälle). US-Forscher haben sogar herausgefunden, dass Männer und Frauen, die sich morgens mit einem leidenschaftlichen Kuss von ihrem Partner verabschieden, weniger Verkehrsunfälle haben als diejenigen, die ungeküsst ins Auto steigen. Der Grund: Sie sind stressresistenter und weniger aggressiv.
Mit anderen Worten: Eine Volkswirtschaft, in der viel geküsst wird, ist nicht nur gesünder und besser gelaunt als ein Land von Kussmuffeln, sondern sie ist auch leistungsfähiger. Diese Erkenntnis hat weit reichende Konsequenzen. Zunächst einmal müssen dringend einige pädagogische Prinzipien überprüft werden. Zum Beispiel sollten nicht der Schüler und die Schülerin gemaßregelt werden, die auf dem Pausenhof beim Knutschen erwischt werden, sondern der Lehrer, der das unterbinden will. Schließlich mobilisieren die küssenden Schüler lediglich ihre Leistungsreserven für die Mathearbeit in der fünften Stunde und sollten dafür gelobt werden.
Auch für die Leistungsfähigkeit unserer Unternehmen ist das Küssen von mitentscheidender Bedeutung. Vor allem jetzt in der Krise. Besondere Beachtung verdienen in dieser Angelegenheit die Männer im Top-Management (gilt noch mehr für Frauen). Viele Manager führen Wochenendehen oder Wochenendbeziehungen und bleiben daher in der Woche ungeküsst. Wirtschaftlich gesehen eine Katastrophe! Die negativen Konsequenzen für ihre Gesundheit und Leistungskraft sind enorm. Das Potenzial dieser Menschen bleibt zum großen Teil ungenutzt. Auch hier ist ein Versäumnis der Wissenschaften festzustellen. Oder kennen Sie eine Studie, welche bei der Behandlung der Faktoren, die sich auf die Performance eines Unternehmens auswirken, auch der Frage nachgeht, wie oft der jeweilige CEO und andere Top-Manager geküsst werden? Und warum eigentlich nur die Top-Manager? Jeder einzelne Mitarbeiter müsste dazu beforscht werden. Dann hätten wir wirklich einmal aussagekräftige Ergebnisse.
Blicken wir den Tatsachen ins Auge: Ein Riesen-Problem der deutschen Unternehmen in unserer globalen Krisenwelt ist die kusspraktische Unterversorgung vieler Top-Manager. Nun frage ich Sie: Können wir uns das leisten? Ich sage entschieden: Nein!
Glücklicherweise lässt sich gegen diesen Missstand etwas tun. Zunächst einmal gilt es, an das Verantwortungsgefühl eines jeden Managers zu appellieren: Jeder Einzelne muss seine eigene ausreichende Kussversorgung sicherstellen. Auch und vor allem an Wochentagen. Bei Wochenendbeziehungen bedeutet dies, dass der Manager an seinem Einsatzort eine Geliebte bzw. einen Geliebten hat – analog zur doppelten Haushaltsführung. Kleinliche Eifersuchtsempfindungen seines Lebenspartners daheim müssen in einen größeren Zusammenhang gestellt werden und verlieren so von selbst an Bedeutung. Wichtig ist natürlich auch der finanzielle Aspekt. Kussrelevante berufsbezogene Aufwendungen sind steuermindernd geltend zu machen. Das ist ganz entscheidend. Man weiß, wie diese Dinge ins Geld gehen (Theaterbesuche, Schmuck, teure Restaurants etc.). Selbstverständlich darf es bei der steuerlichen Abzugsfähigkeit küssensrelevanter Kosten keine zeitliche Begrenzung geben. Hier ist also auch die Politik gefragt. Ich kann mir vorstellen, dass wir mit diesem Anliegen bei unserem neuem Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg offene Schlafzimmertüren einrennen.
Aber klar ist auch, wir können auf die Politik nicht warten. So viel Zeit haben wir nicht, dann ist die Krise womöglich schon vorbei. Dabei appelliere ich an jeden von Ihnen, liebe Beruflspendler und Wochenendheimfahrer: Stellen Sie sich Ihrer Verantwortung und küssen Sie, bis die Lippen qualmen. Tun Sie es für sich, für Ihr Unternehmen und für Deutschland.
Beste Grüße
PS: Und in der nächsten Wochen lesen Sie: "Sex – eine gesundheitsfördernde Angelegenheit". Nicht verpassen!
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