Software made in Germany verkauft sich immer besser

Einer aktuellen Studie zufolge ist Software aus deutschen Landen gefragt wie nie – zumindest in Deutschland. Viele kleinere Anbieter freuen sich über eine gute Geschäftsentwicklung.

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Von
  • Damian Sicking

Lieber Wilken-Chef Dr. Andreas Lied,

laut einer aktuellen Studie vertrauen immer mehr Unternehmen in Deutschland auf Software von einheimischen Anbietern. Sage und schreibe 91 Prozent der Betriebe setzen Software aus deutschen Landen ein, eine deutliche Steigerung gegenüber den 80 Prozent aus dem Vorjahr. US-Anbieter verlieren dagegen Marktanteile. Die Vorteile der deutschen Anbieter sind nach Ansicht der Kunden die regionale Nähe und die einfache Erreichbarkeit, das Verständnis für die spezifischen Kundenbedürfnisse und das Branchen-Know-how sowie die große Zuverlässigkeit. In fast allen Kriterien werden die deutschen Software-Firmen besser benotet als die ausländische Konkurrenz; lediglich bei der weltweiten Präsenz und der Unternehmensgröße liegen die amerikanischen Firmen vorn.

Aus patriotischer Sicht eine sehr erfreuliche Entwicklung. Dementsprechend melden viele deutsche Softwareanbieter gute oder sogar hervorragende Geschäftszahlen. Gerade konnte zum Beispiel die USU Software AG mehr als ordentliche Zahlen für das Geschäftsjahr 2008 melden; im vierten Quartal ging der Konzernumsatz sogar um 35 Prozent nach oben. Auch im Jahr 2009 erwartet der USU-Vorstand ein Wachstum über dem Marktdurchschnitt. Inzwischen wagen sich auch wieder deutsche Softwarehersteller in die USA. So hat die im Medizinsektor tätige Compugroup AG vor wenigen Tagen die Mehrheit des amerikanischen Anbieters Noteworthy Medical Systems Inc. übernommen.

Auch Ihrem Unternehmen, lieber Herr Dr. Lied, scheint es gut zu gehen. In diesem Jahr wollen Sie beim Umsatz sogar um 40 Prozent zulegen – zwar mit Hilfe einer Übernahme, aber immerhin. Inzwischen beschäftigt die auf ERP-Software spezialisierte Wilken-Gruppen bereits rund 340 Mitarbeiter. Trotzdem pflegen Sie das Image des sympathischen Davids, der gegen den übermächtigen Goliath kämpft. "Unsere Kunden sehen in uns den mittelständischen Kümmerer anstelle des großen Konzerns", sagen Sie. Und dieser "große Konzern", das ist natürlich niemand anderes als die SAP.

Jetzt, pünktlich zur CeBIT, werfen Sie noch eine zusätzliche Schüppe Kohlen ins Feuer gegen Ihren mächtigen Konkurrenten aus Walldorf. Ihr Stand in Halle 5, C38, steht auch optisch ganz im Zeichen von "David gegen Goliath". Parallel dazu haben Sie ein unterhaltsames Spiel entwickeln lassen und auf Ihre Homepage gestellt, in dem ein hässlicher, schwerfälliger und schlecht gelaunter Koloss sowie ein freundlicher, sympathischer und aufgeweckter Knabe auf Schmetterlingsjagd sind. Nett.

Feindbilder können enorm motivieren. Deshalb ist dagegen nichts zu sagen. Unter einer Bedingung: Die Feindbilder müssen innerhalb der Mauern des eigenen Unternehmens bleiben. Sehr riskant wird es, wenn ein Unternehmen seine Feindbilder mit zum Kunden nimmt und sie ihm ausführlich unter die Nase hält – sprich: schlecht über seine Konkurrenten spricht. Das kann ganz schnell ins Auge gehen. Ich denke aber nicht, dass Sie sich über einen negativen Effekt große Sorgen machen müssen, denn Ihre "David-gegen-Goliath-"Kampagne arbeitet mit einem Element, das meistens gut ankommt: mit Humor.

Dennoch möchte ich hinter Ihre Aussage ein Fragezeichen setzen, zumindest wenn man sie allgemein fasst: Was haben Sie, lieber Herr Dr. Lied, gegen große Unternehmen? Das verstehe ich nicht. Ich selbst habe nichts gegen große Unternehmen. Warum sollte ich? Nur weil sie groß sind? Sind nicht die großen Firmen aus dem Grunde groß geworden, weil sie Produkte oder Dienstleistungen herstellen und anbieten, die für viele Kunden nützlich sind und deshalb gekauft werden? Und wie ist es mit Ihrem Unternehmen, lieber Herr Dr. Lied? Die Wilken-Gruppe will doch auch wachsen und immer größer werden. Ab wann hat das Unternehmen denn eine Größe erreicht, wo wir es nicht mehr gut finden sollen?

Beste GrĂĽĂźe

Damian Sicking

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