HP: Seltsame Reaktion der ehemaligen Gold-Partner auf Liebesentzug

Wenn man nicht seine jahrelange Geliebte, sondern eine reiche Anlageberaterin heiratet, und die Geliebte gibt einem daraufhin den Laufpass, kann man da überrascht sein? Einige HP-Partner schon.

vorlesen Druckansicht 3 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Damian Sicking

Viele gute Jahre mit HP gehabt: Reinhold Schulz

(Bild: Schulz Bürozentrum / Canon)

Lieber Reinhold Schulz, Chef des Bürozentrums Schulz (jetzt Canon),

es waren einmal vier Systemhäuser, die machten viel Geschäft mit HP. Das fanden die Leute von HP gut und verliehen den Systemhäusern als Dank für ihr besonderes Engagement die goldene Ehrennadel. Sie nannten sie nur nicht so, sondern "Preferred Partner Gold". Damit waren bestimmte Rechte und eine Vorzugsbehandlung verbunden. Eines Tages ließen sich diese vier Systemhäuser von Canon oder Ricoh kaufen, zwei Konkurrenten von HP. Das fanden die Leute bei HP nicht so gut und reagierten mit Liebesentzug. Dies äußerte sich vor allem darin, dass sie den Systemhäusern den privilegierten Status eines Gold-Partners entzogen. Für diese Maßnahme hatten nun wieder die Systemhäuser kein Verständnis und reagierten entsetzt, bestürzt und verärgert. So weit der Stand der Dinge.

Lieber Herr Schulz, ich war sehr überrascht, als ich diese Woche lesen durfte, dass Sie und Ihre Kollegen von Hauser, Saxocom und Ikon überrascht waren, dass HP Ihnen den Vorzugsstatus als "Gold-Partner" aberkannte und entsprechende Verträge kündigte. Was hatten Sie sich denn gedacht? Dass Sie sich von Canon (Schulz Bürozentrum; Hauser, Saxocom) oder Ricoh (Ikon) kaufen lassen und anschließend alles so bleibt wie bisher? So naiv konnten Sie doch nicht sein!

Sehr amüsant fand ich das Statement von Ikon-Geschäftsführer Hans Andersen. Gegenüber den Kollegen von der CRN beschwerte er sich, dass HP ihm vor der Kündigung "keinerlei Signale in diese Richtung gegeben" habe und monierte zudem, dass HP "den Schritt uns gegenüber auch kaum begründet" habe. Hallo, geht’s noch!? Mal angenommen, Sie oder Herr Andersen hätten jahrelang eine Geliebte, mit der es richtig gut läuft und mit der man gemeinsam viel Spaß hat. Doch dann heiraten Sie eines Tages mir nichts, dir nichts eine reiche Anlageberaterin. Wären Sie jetzt auch erstaunt und entsetzt, wenn Ihre Geliebte von nun an nicht mehr Tisch und Bett mit Ihnen teilen möchte und Ihnen den Laufpass gibt? Sollten Sie in unserem fiktiven Beispiel dieser Ansicht gewesen sein, dann müssen Sie sich ja für einen richtig tollen Hecht gehalten haben. Klammer auf: Der Sie aber in den Augen Ihrer (Ex-)Geliebten anscheinend aber nicht waren. Klammer zu.

Mit Ihrer Reaktion auf die Vertragskündigung durch HP haben Sie und Ihre Kollegen aus den anderen Systemhäusern sich keinen Gefallen getan. Denn diese Reaktion wirft ein seltsames Licht auf Ihre Eignung als Unternehmensführer: Wenn Sie und Ihre Kollegen alle wichtigen Entscheidung so treffen, dass Sie anschließend von den Konsequenzen überrascht werden, dann spricht das nicht gerade für Ihre strategische Kompetenz. Vor allem, wenn diese Konsequenzen für alle anderen so offensichtlich und alles andere als überraschend sind wie in diesem Fall. Allerdings kann – oder will? – ich mir nicht vorstellen, dass Sie mit dieser Reaktion von HP nicht gerechnet haben. Dann frage ich mich allerdings: Was soll das Theater? Welche Botschaft wollen Sie wem damit senden? Ich muss gestehen, dass ich aus Ihren Äußerungen nicht wirklich schlau werde. Die einzige Botschaft, die ich bisher aus Ihrer Reaktion und der Ihrer Kollegen herauslesen kann, lautet: Wir sind Deppen – aber Dank Canon beziehungsweise Ricoh wenigstens reiche Deppen.

Beste Grüße

Damian Sicking

Weitere Beiträge von Damian Sicking finden Sie im Speakers Corner auf heise resale. ()