Die Freibadsaison ist eröffnet - 10 kg zu früh

Viele meinen ja, wir müssten wegen der Krise den Gürtel enger schnallen. Das Gegenteil ist richtig. Denn wir sind dick geworden, krisenbedingt natürlich. Gott sei Dank gibt es BILD und die Büro-Diät.

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Von
  • Damian Sicking

Ingram-Micro-Chef Gerhard Schulz

(Bild: Ingram Micro)

Lieber Ingram-Geschäftsführer Gerhard Schulz,

übermorgen wird in meinem Lieblingsfreibad die Saison eröffnet, und bis dahin muss ich unbedingt noch 10 kg abnehmen. Das wird schwierig, denn am Wochenende gibt’s bei Sickings Kuchen. Aber mit der neuen "Büro-Diät" von BILD (s. u.) könnte es noch klappen.

Auf der IM.Top gestern, der Fachhandelsmesse von Ingram Micro, konnte ich feststellen, dass ich nicht der einzige bin, der gewichtsmäßig eher schlecht über den Winter gekommen ist. Viele waren zu dick, und bei den anderen konnte man am Hosengürtel erkennen, dass sie schon mal schlanker waren und um die Hüften rum Speck angesetzt haben. Was natürlich beim Mann neben der unschönen Optik die problematische Folge hat, dass sich Bauchspeck sehr negativ auf die Produktion des Hormons Testosteron auswirkt. Leider kann ich aus Platzgründen an dieser Stelle nicht ausführlich darauf eingehen, wie wichtig, ja geradezu kriegsentscheidend eine ausreichende Testosteronproduktion für ein gelingendes Leben des Mannes ist, und zwar auch in beruflicher oder geschäftlicher Hinsicht. Daher hier nur der Hinweis auf meine Kolumne vom 10. Oktober letzten Jahres, die in den sieben Monaten seit ihrem Erscheinen fast noch wichtiger geworden ist.

Dass wir in diesem Winter um den Bauch herum besonders kräftig geworden sind und sich unser Sixpack aus dem Vorjahr zum Onepack entwickelt hat, liegt natürlich an der Krise. Genauer an der Schokolade, die wir aus Frust und Angst vor dem, was noch kommt, gleich in 300-Gramm-Portionen verzehren mussten. Oder kennen Sie jemanden, der in der Lage ist, zum Beispiel eine Konjunkturprognose von Deutsche-Bank-Volkswirt Norbert Walter ohne süßen Seelentröster zu überleben? Ich nicht. Die bittere Konsequenz ist natürlich, dass sich viele von uns kaum noch auf die Straße trauen, weil die teuren Anzüge aus dem Vorjahr nicht mehr passen, wir aber – krisenbedingt – die Investition in neues Tuch scheuen. Wenn sich der Gang an die Öffentlichkeit dann doch nicht vermeiden läßt und wir uns in einen der ehemals perfekt sitzenden Anzüge zwängen, sind sparsame Bewegungen sehr wichtig, damit die Nähte nicht platzen. Konnte man gestern auf der IM.Top auch sehr gut studieren. Die neue Sparsamkeit an der Bewegung. Zahlreiche Besucher fielen durch ihre extrem kleinen Schritte auf, lehnten es ab, sich hinzusetzen ("Nein danke, ich saß jetzt die ganze Zeit im Auto") und wenn sie jemandem die Hand gaben, dann immer nur knapp aus dem Handgelenk heraus. Ist Ihnen sicherlich auch aufgefallen.

Aber wie gesagt, Rettung ist nahe, und zwar in Form der neuen Büro-Diät von BILD, mit der uns Deutschlands größte Tageszeitung in dieser Woche beglückte. Interessanterweise heißt das Motto dieser Diät "Schlank im Schlaf für Berufstätige". Haha, dachte ich, als ich das las – Büro und "schlank im Schlaf", das passt! Ist das nicht super lustig? Und schon damit ist der erste Schritt zum Traumbody getan, denn Lachen ist kalorienverbrauchsmäßig gesehen ja ungefähr so wirksam wie ein Ironman auf Hawaii oder in Frankfurt.

Aber zurück zur Büro-Diät. Was mir an dieser Diät besonders gut gefällt, ist, dass man nicht hungert. Denn was ich noch nicht wusste: Man kann auch durch Essen abnehmen. Klingt paradox, behauptet aber BILD. Das fängt schon damit an, dass wir zum Frühstück drei bis fünf Brötchen essen sollen. Drei bis fünf Brötchen, ist das nicht herrlich?! Die ess ich sonst fast nie. Oder nehmen Sie das Mittagessen. Weil Sie´s mir sonst bestimmt nicht glauben, zitiere ich mal wörtlich aus der BILD: "Machen Sie Ihren Teller in der Kantine richtig voll mit Kohlenhydraten (z. B. Nudeln, Spätzle, Kartoffeln). Dazu essen Sie Rind- oder Schweinefleisch, Hähnchen oder Fisch – tierisches Eiweiß. Auch süße Getränke (Kohlenhydrate aus Zucker) sind erlaubt: Cola oder Limo." Na, klingt das gut? Also das nenne ich mal eine Diät, die auch Männern Spaß macht. Ansonsten sagt man ja immer "Das erste, was man bei einer Diät verliert, ist die gute Laune" (Gerd Fröbe). Hier nicht! Danke, BILD!

Allerdings gibt es einen kleinen Wermutstropfen: Zwischen den Hauptmahlzeiten heißt es Finger weg von den kleinen Naschereien. Das ist jener Teil der BILD-Diät, der mir nicht so gut gefällt. Aber ich denke, das ist auch mehr als Vorschlag gemeint.

In diesem Sinne, lieber Herr Schulz: Die Freibadsaison ist eröffnet, Brust raus, Bauch rein!

Beste Grüße

Damian Sicking

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