Deutsche Telekom: kein Spitzen-, sondern Spitzel-Unternehmen
Vor zwei Jahren beendete die Telekom wegen des drohenden Image-Schadens (Doping) das Radsport-Sponsoring. Doch gegenüber dem aktuell immer größer werdenden Telekom-Misthaufen ist das Thema Doping nur Kinderschokolade.
Dunkler Himmel ĂĽber der Telekom-Zentrale
(Bild:Â Deutsche Telekom)
Lieber Telekom-Chef René Obermann,
mei, die Telekom. Was für ein Laden. Erst das Abhören und Ausspionieren von Journalisten und Mitgliedern des eigenen Aufsichtsrats (teilweise sogar deren Kinder), dann das Ausforschen von Bankkonten von Telekom-Angestellten und nun auch noch das Herumschnüffeln im Privatleben von Managern aus dem eigenen Haus sowie von Wettbewerbern, das auch vor den Schlafzimmertüren nicht halt macht. Das Handelsblatt hatte Mitte dieser Woche sehr intime Details aus einem Telekom-Bericht zitiert, in dem unter anderem die sexuellen Vorlieben und Praktiken einer Managerin eines kroatischen Telekomunternehmens beschrieben werden. Die Frau sollte eine führende Rolle bei der kroatischen Telekom-Tochter einnehmen. Natürlich haben sämtliche Medien in Deutschland diese Nachricht weiterverbreitet, von BILD bis Tagesschau.
Die Telekom, was für ein Laden! Was für eine Sauerei! Und natürlich was für ein Image-Gau! Vor zwei Jahren zog sich die Telekom aus dem Radsport-Sponsoring (Jan Ullrich!) zurück, weil sie aufgrund der Dopingproblematik einen negativen Einfluss auf ihr Ansehen befürchtete. Im Vergleich zu dem Misthaufen, der jetzt über die Telekom-internen Machenschaften ans Tageslicht befördert wird, handelt es sich bei der Doping-Problematik um Kinderschokolade.
Nein, das Dax-Unternehmen Telekom macht nicht den Eindruck eines Spitzenunternehmens, sondern eher den eines Spitzel-Unternehmen. Wer will damit etwas zu tun haben? Neben Kunden, Geschäftspartnern und Anlegern richtet die Telekom vor allem bei einer Gruppe von Menschen einen enormen Schaden an: bei den eigenen Mitarbeitern und – vielleicht noch wichtiger – bei den sogenannten High Potentials und externen Top-Managern, ohne die kein Weltunternehmen auskommt. Wer ist denn bereit, zu einer Firma zu gehen, in der die Privat- und Intimsphäre der Mitarbeiter und anderer Menschen mit Füßen getreten werden? Selbst wenn die Missstände inzwischen abgestellt sein sollten – der Imageschaden bleibt. Kein Wunder daher, dass die Telekom beim studentischen Nachwuchs als potenzieller Arbeitgeber durchs Rost fällt, wie eine aktuelle Umfrage unter 19.000 deutschen Studenten ergab, deren Ergebnisse gerade in der Wirtschaftswoche veröffentlicht worden sind. Eine große Gefahr für Ihr Unternehmen, lieber Herr Obermann, wenn die besten Nachwuchskräfte zu anderen Firmen gehen. Denn der Faktor Mensch macht gerade bei Dienstleistungsunternehmen wie der Telekom den Unterschied im Wettbewerb.
Besonders grotesk wird die ganze Geschichte, wenn man vor diesem Hintergrund das Interview mit Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger liest, das Anfang Mai in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht worden ist. Auf die Frage "Worauf schauen Sie, wenn Sie Manager für Spitzenpositionen auswählen?" antwortete Ihr Vorstandskollege Sattelberger: "Mich interessiert beispielsweise, ob er oder sie sich mit sich selbst auseinandersetzt. Mich interessiert, ob jemand in der Sache groß und als Person bescheiden ist. Für mich hat Führung viel mit Demut zu tun. Je höher man kommt, umso mehr läuft man Gefahr, sich zu überschätzen. Ist jemand demütig, in dem Sinne: Letztlich bin ich ein Menschenwicht, vergänglich wie jeder? Eine wichtige Frage ist auch: Weiß ich, dass Macht korrumpiert, und wie gehe ich damit um? Also die Integritätsfrage." Ich fürchte, lieber Herr Obermann, Manager mit diesen Charaktereigenschaften machen derzeit einen großen Bogen um die Deutsche Telekom. Oder Sie müssen Ihnen sehr viel Geld zahlen, damit die trotzdem kommen.
Beste GrĂĽĂźe
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