Drucker: Entweder sie vergiften oder sie verraten uns

Drucker? Nein danke! Der Gebrauch eines Laserdruckers ist wegen der Ozon- und Feinstaubbelastung Selbstmord auf Raten. Der Unterhalt für einen Tintenstrahldrucker ist teurer als mancher Scheidungsfall. Und über Nadeldrucker freuen sich vor allem Spione.

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Von
  • Damian Sicking

Lieber Epson-Geschäftsführer Henning Ohlsson,

an Druckern habe ich schon lange keinen Spaß mehr. Denn entweder vergiften sie uns (Laserdrucker), oder sie ruinieren uns (Tintenpatronen der Tintendrucker), oder sie verraten uns (Nadel- oder Matrixdrucker). Und dazu kommt noch die Lärmbelästigung durch die Druckergeräusche am Arbeitsplatz. Toll ist das alles nicht. Aber von vorn: Einen Laserdrucker zu benutzen, ist ja so was wie Selbstmord auf Raten. Wegen der Ozonbelastung, die zwar angeblich gar nicht mehr so schlimm sein soll (behauptet zum Beispiel Ihr Nachbar Kyocera Mita), aber die Masche kennt man ja: Rauchen ist nach Angaben der Tabakindustrie ja auch nicht gefährlich. Außerdem bleibt dann immer noch die Sache mit dem Feinstaub (von dem staubtrockenen Inhalt dessen, was da so permanent ausgedruckt wird, ganz zu schweigen). Den Unterhalt von Tintenstrahldruckern können sich aufgrund der hohen Preise der Patronen nur Lottogewinner leisten, zumindest wenn man Wert auf die Originalpatronen legt. Was bleibt also noch? Der gute, alte Nadeldrucker. Ja, denkste! Eine neue Veröffentlichung von Experten zeigt, dass die Matrixdrucker gar nicht so unschuldig sind, wie sie immer tun, sondern im Gegenteil brandgefährlich. Ich sage nur ein Wort: Spionage!

Vorsicht, ein Nadeldrucker!

(Bild: Epson)

Was Prof. Michael Backes, Spezialist für Informationssicherheit und Kryptographie an der Universität des Saarlandes, herausgefunden hat, ist wirklich eine kleine Sensation: Ihm ist es gelungen, anhand der Geräusche eines Nadeldruckers festzustellen, was der Drucker gerade gedruckt hat. Also zum Beispiel welche Medikamente ein Arzt einem Patienten verschrieben hat. Was sich zuerst anhört wie eine Wette bei "Wetten dass...?" mit Thomas Gottschalk (Wörter und Sätze am Druckergeräusch erkennen), ist bei näherer Betrachtung gar nicht so lustig.

Der Kollege Tim Schröder von der FAZ hat in einem Beispielfall anschaulich die praktischen Folgen dieser Lauschangriffe auf Nadeldrucker beschrieben: Ein Arbeitgeber schaltet einen Detektiv ein, der bringt ein Funkmikrophon unter dem Nadeldrucker eines Arztes an und hört über Funk, welche Medikamente der Arzt dem Arbeitnehmer verschrieben hat, sodass er auf die Art der Krankheit des Arbeitnehmers schließen kann. Also ein Fall, wie er tagtäglich in unseren Praxen vorkommt – zumindest wenn es sich um Mitarbeiter der Deutschen Bahn und der Deutschen Telekom handelt.

Die Medienresonanz auf die Untersuchungsergebniss von Prof. Backes waren enorm: zum Teil ausführliche Berichte in Süddeutscher Zeitung, im Stern, im Spiegel, natürlich bei Heise-online und, wie gesagt, in der FAZ.

Nun mag mancher sagen "Nadeldrucker, die gibt’s doch nur noch im Museum". Von wegen! Genauso robust wie die Drucker selbst ist das Marktsegment. Einfach nicht totzukriegen. Es gibt sogar noch ein paar Unternehmen wie zum Beispiel die PSI GmbH in Siegen, die sich komplett auf Herstellung und Vertrieb von Matrixdruckern spezialisiert haben. Das Unternehmen, für das Sie, lieber Herr Ohlsson, Verantwortung tragen, hat ja auch noch ein paar Nadeldrucker auf Lager. Und wie ich im Rahmen meiner Recherchen zu diesem Thema erfahren habe, setzen fast 60 Prozent aller Arztpraxen und rund 30 Prozent aller Banken (ups!) auch heute noch Nadeldrucker ein. Was uns nachdenklich stimmen sollte, ist eine Feststellung von Prof. Backes: "Mit Nadeldruckern werden nicht nur Rezepte, sondern auch Kontoauszüge gedruckt – und bisher schert sich niemand um die akustische Abstrahlung." "Akustische Abstrahlung" – das hört sich schon so an wie ein Fachausdruck aus dem Kalten Krieg oder einem Spionageroman von John Le Carré.

Tja, aber was soll man tun? Ich bin ratlos und denke jetzt darüber nach, meinen Drucker mit einer Betonummantelung zu umgeben, ähnlich wie damals in Tschernobyl. Aber wie löse ich dann das Problem der Papierentnahme und der Zuladung? Oder ich mache einfach einen klaren Schnitt verzichte komplett aufs Drucken, wie manche Radikalinskis bereits im vergangenen Jahr gefordert haben. Was meinen Sie?

Beste Grüße

Damian Sicking

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