Berliner Softwarefirma Beta Systems: Nur Verlierer

Wenn ein Unternehmenschef trotz erfolgreicher Arbeit knall auf Fall seinen Schreibtisch räumen muss, dann bestimmt nicht wegen einer Lappalie. Wie beim Softwareherstller Beta Systems. Sicher ist lediglich eins: Es gibt keine Gewinner.

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Lesezeit: 4 Min.
Von
  • Damian Sicking

Liebe Leser,

der Berliner Softwarehersteller Beta Systems ist für die meisten IT-Händler vermutlich eine unbekannte Größe, denn es gibt wenig Schnittstellen zu ihrem Geschäft. Was sich in den letzten Tagen bei Beta Systems abgespielt hat, ist aber trotzdem berichtenswert. Denn wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, mit welche harten und vielleicht auch unfairen Bandagen in der hohen Luft der Vorstandsetagen gekämpft wird, dann liefert Beta Systems den Beweis – sofern es stimmt, was über die Vorgänge zwischenzeitlich ans Tageslicht befördert worden ist.

Kaltgestellter Beta-Systems-Chef Niroumand

(Bild: Beta Systems)

Was ist passiert? Anfang der Woche teilte der börsennotierte Softwarehersteller per Adhoc-Mitteilung mit, dass der Aufsichtsrat in seiner Sitzung am 18. Juli entschieden hat, den Vorstandsvorsitzenden Kamyar Niroumand mit sofortiger Wirkung abzuberufen. Ein Grund für diese Maßnahme wurde in der sehr kurzen Mitteilung nicht genannt. Auch auf Anfragen gab Beta Systems keine weiteren Auskünfte über die Hintergründe des unerwarteten Rausschmisses. Der Berliner Tagesspiegel fühlte sich von dieser Informationsverweigerung des Softwareunternehmens offensichtlich herausgefordert und warf die Recherchemaschine an. Die Ergebnisse waren am 21. Juli unter der Schlagzeile "Machtkampf bei Berliner Beta Systems" zu lesen.

In dem Artikel heißt es, dass der geschasste Vorstandschef Niroumand von seiner Abberufung "völlig überrascht" war. Niroumand habe den Tagesspiegel-Redakteuren erzählt, dass der Aufsichtsrat ihm am Freitag vergangener Woche einen Aufhebungsvertrag vorgelegt habe mit der Aufforderung, diesen zu unterschreiben. Gründe seien nicht genannt worden. Auch auf Anfrage durch den Tagesspiegel wollte Beta Systems keine Gründe nennen. Daraufhin zitiert das Blatt Spekulationen, dass der Grund für den plötzlichen Rausschmiss des Beta-Systems-Chef womöglich darin liege, dass das Unternehmen kurz vor einem Verkauf stehe, und Niroumand bei einem Verkauf laut Vertrag eine Prämie von 5 Millionen Euro zustehe. Diesen Betrag wollten aber weder die Alt- noch die möglichen Neu-Großaktionäre zahlen. Selbst der von Niroumand angebotene Verzicht auf die Hälfte der Prämie konnte ihn nicht retten. Niroumand musste weg.

Inzwischen ist auch der Berliner Morgenpost in dieser Sache aktiv geworden und hat die Ergebnisse seiner Ermittlungen unter der Schlagzeile "Führungschaos bei Beta Systems" veröffentlicht. Zu den Gründen für die Abberufung Niroumands heißt es hier, er habe angeblich Verträge "zum Nachteil der Firma abgeschlossen". Das habe die Morgenpost "von Unternehmensseite" erfahren. Ob es sich bei diesen Verträgen um die oben erwähnte 5 Millionen-Euro-Prämie handelt, verrät der Artikel aber nicht. Das Blatt bringt auch die Beteiligungsgesellschaft Deutsche Balaton ins Spiel, die zusammen mit einer Tochterfirma rund 38 Prozent der Anteile an Beta Systems hält. Zwischen den Zeilen deutet die Berliner Morgenpost an, dass die Deutsche Balaton für die Unruhe bei Beta Systems verantwortlich ist. Die Investmentfirma hält weitere Beteiligungen in der IT-Branche, unter anderem bei Synaxon (Anteil: 14,7 Prozent), TDS (6,3 Prozent) und P&I (5,5 Prozent) und weist für das Jahr 2008 einen Konzernjahresfehlbetrag von 20,4 Millionen Euro aus.

Nach den Berichten der beiden Berliner Zeitungen ist ganz klar, wer in diesem Szenario die Bösen und wer der Gute ist. Möglicherweise aber sind die Dinge doch ein wenig komplexer und differenzierter zu betrachten. Es würde die Bewertung erleichtern, wenn der Aufsichtsrat von Beta Systems ein wenig mehr zur Sache sagen würde. Ein Branchenkenner, mit dem ich mich zwischenzeitlich über diesen Fall unterhalten habe, hält eine Prämie ("Change-of-Control-Abfindung") von 5 Millionen für den Vorstandsvorsitzenden angesichts der Größe und des Börsenwerts von Beta Systems (aktuell rund 46 Millionen Euro) für völlig unverhältnismäßig. Wenn sich Niroumand kurz vor dem Beteiligung der Deutschen Balaton vor zwei Jahren noch schnell diese Prämie von den Altgesellschaftern hat zusichern lassen, dann sei das auch nicht in Ordnung gewesen, so mein Gesprächspartner.

Wie auch immer: Die gesamte Situation ist ungut. Denn Niroumand, der vor drei Jahren von T-Systems gekommen ist, hat aus einer notleidenden Beta Systems wieder ein florierendes und profitables Unternehmen gemacht. Jetzt hat der erfolgreiche Turnaround-Manager keinen Job und Beta Systems hat keinen Vorstandsvorsitzenden. Es sieht so aus, als gäbe es in diesem unschönen Spiel nur Verlierer.

Beste GrĂĽĂźe

Damian Sicking

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