Warum Computacenter-Chef Tuszik so gute Laune hat

Deutschlands größtes Systems Computacenter schlägt sich in der Krise vergleichsweise gut, freut sich über einen Großauftrag und meldet stolz eine Rekordzahl bei Ausbildungsstellen.

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Von
  • Damian Sicking

Lieber Computacenter-Geschäftsführer Oliver Tuszik,

kann es sein, dass Sie derzeit mit sich und der Welt ziemlich zufrieden sind? Ich habe so eine leise Vermutung, dass dem so ist. Jedenfalls geschäftlich gesehen. Da ist zum einen dieser wunderschöne Auftrag von der Bundesagentur für Arbeit. Bis zu 170.000 PCs will die Nürnberger Anstalt neu kaufen, der Hersteller ist Fujitsu, und den Service übernimmt Computacenter. Die ersten Rechner sollen in diesem Herbst ausgeliefert werden. Allerdings: Gerade jetzt – vermutlich losgetreten von interessierten politischen Kreisen, schließlich steht die Bundestagswahl vor der Tür – sorgt genau diese Ausschreibung in einem Gesamtvolumen von bis zu 68 Millionen Euro für Ärger und Schlagzeilen. Die Vorwürfe zusammengefasst:

  1. Wozu braucht die BA 170.000 neue PCs, wenn dort nur 160.000 Angestellte arbeiten?
  2. Warum hat man den Gesamtauftrag nicht gestückelt, damit auch kleinere Anbieter eine Chance haben?
  3. Die Leistungen der Rechner sind für die Aufgaben der BA-Mitarbeiter viel zu hoch, mit leistungsschwächeren Rechnern hätte man mehrere Millionen Euro sparen können.

Sicher verfolgen Sie diese Entwicklung mit Aufmerksamkeit und vermutlich auch ein bisschen mit Sorge. Immer wieder steht ja die BA mit ihren Ausschreibungen und Projektvergaben im Kreuzfeuer, und es kommt schon mal vor, dass am Ende der Chef der Behörde jemand anders ist (Sie erinnern sich an Florian Gerster?). Aber wir wollen den Teufel nicht an die Wand malen, sondern davon ausgehen, dass wir es jetzt mit einem Sturm im Wasserglas zu tun haben und die Dinge ihren Gang gehen. Bleibt denn bei diesem Auftrag wenigstens ordentlich was in der Computacenter-Kasse hängen? Ich meine ja nur, weil es doch immer heißt, die Unterschriften unter solche Großverträge seien "mit Blut geschrieben", jenem Blut wohl, das den Lieferanten vom jeweiligen Kunden ausgesaugt worden ist.

Nur noch ein letztes Wort zu dem BA-Auftrag. In dem Artikel auf Spiegel-online wundert sich jemand über die hohen Anforderungen an die Prozessorleistung der Rechner, die nur von einem einzigen Unternehmen zu erfüllen seien, nämlich Intel. Ich seh das so: Die Jungs von Intel haben zusammen mit Fujitsu (und vielleicht mit den Computacenter-Leuten) offenbar einen guten Job gemacht. Ganz nach dem 1. Gebot der Ausschreibungsbibel: "Beteilige dich nie an einer Ausschreibung, die du nicht selbst mitgestaltet hast."

Aber gut, zu einem anderen Thema. Der zweite Grund für Ihre gute Laune, lieber Herr Tuszik, liegt nach meiner Vermutung darin, dass Computacenter doch endlich wieder auch für junge Leute ein attraktiver Arbeitgeber ist, bei dem man gerne in sein Berufsleben startet. Im vergangenen Jahr hatten Sie ja noch die mangelnde Attraktivität der IT-Branche für junge Leute beklagt und sogar eine Studie in Auftrag gegeben, um die Gründe dafür zu erfahren. Und jetzt, siehe da, melden Sie eine Rekordzahl bei den neuen Auszubildenden in Ihrem Unternehmen. 22 Azubis hatten Anfang dieser Woche bei Computacenter ihren ersten Arbeitstag und lassen sich zu Systemintegratoren und Anwendungsentwicklern, IT-Systemelektronikern, Informatikkaufleuten oder Lagerlogistikfachkräften ausbilden. In den beiden vergangenen Ausbildungsjahren fingen bei Computacenter lediglich zehn bzw. zwölf Azubis an. Insgesamt bilden Sie in Ihrem Betrieb gegenwärtig 42 junge Menschen aus. Und alle haben, wie Sie sagen, "sehr gute Chancen, in eine Festanstellung übernommen zu werden".

Der neue Azubi-Rekord bei Computacenter ist noch aus einem anderen Grund bemerkenswert. Insgesamt nämlich ist die Zahl der Ausbildungsstellen in den deutschen Unternehmen rückläufig. Das hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) jetzt gerade gemeldet. Das ist natürlich zum großen Teil eine Folge der Wirtschaftskrise. Interessant ist aber, dass der andere Grund für den Rückgang der Azubi-Stellen nach Angaben von DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann der ist, dass es schlicht und ergreifend "an interessierten Bewerbern fehlt". Vor allem Betriebe in den neuen Bundesländern hätten Schwierigkeiten, Kandidaten zu finden, meldet der DIHK.

Kurzum: Bei Computacenter scheint es vor dem Hintergrund der allgemein schwierigen Wirtschafts- und Konjunkturlage vergleichsweise ganz gut zu laufen, was ja auch Ihre Aussagen zum Geschäftsverlauf des ersten Halbjahres belegen. Das ist erfreulich, denn eins ist sicher: Wir alle hören derzeit nichts lieber als gute Nachrichten.

Beste Grüße

Damian Sicking

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