Asien rüstet zur WiMAX-Schlacht
Der japanische Elektronikkonzern Fujitsu und das von der taiwanischen Regierung unterstützte Institute for Information Industry wollen gemeinsam einen WiMAX-Chip und Anwendungen herstellen. Das Ziel: Global den Standard setzen.
- Martin Kölling
Der japanischen Elektronikkonzern Fujitsu und die IT-Industrie Taiwans wollen dem US-Chip-Giganten bei der neuen mobilen Breitbandtechnologie WiMAX die Stirn bieten. Am Dienstag unterzeichneten Fujitsus Vorstandsvorsitzender Naoyuki Akikusa und der Präsident des regierungsnahen Institute for Information Industry (III), das die IT-Entwicklung des Landes plant und unterstützt, Chen Ming-Syan, eine Absichtserklärung, bis März 2008 ein Gemeinschaftsunternehmen für eine WiMAX-Anwendungsplattform zu gründen. Der Staatsminister der Republik China Lin Ferng-Ching unterstrich in einer Ansprache die industriepolitische Bedeutung des Bündnisses: „Ich glaube fest daran, dass Taiwans Industrie massiv von der Zusammenarbeit zwischen Fujitsu und dem III profitieren wird. Mit der Unterstützung unserer Regierung wird unsere IT-Industrie über eine neue Grenze schreiten.“
WiMAX gilt als eine der wichtigsten Wachstumsmärkte der Zukunft. Analysten von Market Intelligence rechnen damit, dass in den fünf Jahren von 2007 bis 2012 weltweit 75 Milliarden US-Dollar in WiMAX-Netzwerke investiert werden. Der Marktforscher Ovum sagt voraus, dass 2011 bereits 13 Prozent der voraussichtlich 665 Millionen weltweiten Breitband-Internetkunden WiMAX nutzen werden. WiMAX ist eine der Technologien für die superschnelle Datenübertragung in mobilen Netzen der so genannten vierten Generation, die UMTS folgen soll. Im Gegensatz zu WiFi soll WiMAX (kurz für Worldwide Interoperability for Microwave Access) hohe Datentransferraten von bis zu 75 Mpbs über mehrere Kilometer Entfernung sowie eine Übergabe zwischen den Zellen bei hohen Geschwindigkeiten schaffen. UMTS schafft derzeit 3,6 Mbps beim Herunterladen von Daten. Damit hoffen die Begründer des WiMAX-Forums (darunter Intel, Nokia und Fujitsu), auch entlegene Regionen an mobile Breitbandnetze anschließen zu können. Fujitsu rechnet daher damit, dass WiMAX in wenigen Jahren vor allem in mobilen Endgeräten zum Einsatz kommt.
Noch ist nicht sicher, ob WiMAX sich durchsetzen wird. Erst vorigen Monat haben in den USA die Telefongesellschaft Sprint Nextel und der Anbieter für schnurlose Internetdienste Clearwire ihr geplantes landesweites Netz abgesagt und die Partnerschaft aufgelöst. Doch Asiens Staaten setzen massiv auf die neue Technologie, um die Vorherrschaft von Intel im Chipsektor zu brechen und ihre marktbeherrschende Stellung bei Endgeräten auszubauen. In Südkorea wurde bereits 2006 unter massiven Engagement des Elektronikkonzerns Samsung ein erstes kommerzielles Netz in Betrieb genommen. In der Hauptstadt Seoul nutzen bereits 85.000 Kunden den Dienst. „Selbst in der U-Bahn kann ich ein Video auf den Server laden“, schwärmt ein Kunde. Japans Regierung vergibt gerade zwei Lizenzen für Netze der vierten Generation, und mehrere Konsortien mit WiMAX-Technologien haben sich beworben.
Ebenfalls große Pläne hegt Taiwan mit seiner M-Taiwan-Strategie, durch die Regierung die Insel zu einem großen Testlabor für die neue Technologie ausbauen zu wollen. Über die kommenden Jahre soll dafür zum einen für eine Milliarde US-Dollar ein Glasfaser-Backbone durchs Land gezogen und dann weitere 220 Millionen US-Dollar in die Entwicklung von WiMAX-Anwendungen gesteckt werden. Sechs Netzbetreiber haben bereits Lizenzen erhalten und werden nun mit dem Aufbau von Netzen beginnen.
Das Joint Venture des III mit Fujitsu soll dem größten WiMAX-Freilandlabor nun zum weltweiten Durchbruch verhelfen, sagt Ho Pang-Chung, Vize-Präsident des III. Taiwans Informations- und Kommunikationstechnikindustie habe bei Zubehör und Geräten für WiFi-Netze einen Weltmarktanteil von über 90 Prozent. „Wir hoffen, diesen Erfolg durch das Joint Venture mit Fujitsu bei WiMAX zu wiederholen“, so Ho.
Fujitsu soll in der Partnerschaft den Logikchip liefern, das III mit seinen fast 1800 Mitarbeitern will die Anwendungen entwickeln. Die Plattform soll den taiwanesischen Herstellern zur Verfügung gestellt werden. Fujitsu hofft zudem darauf, die Paketlösung auch anderen Herstellern weltweit verkaufen zu können. Noch ist der Deal allerdings nicht in trockenen Tüchern. „Die Feinheiten müssen noch ausgearbeitet werden“, sagt III-Chef Chen. Auch kann sich Fujitsu seiner bevorzugten Stellung nicht auf ewig sicher sein. „Bei WiMAX geht es um die Schaffung eines gesamten Öko-Systems, man muss flexibel sein“, sagt Chen, „wir können daher keine Partnerschaften mit anderen Herstellern ausschließen.“ (wst)