Umsichtig
Der klassische Rückspiegel hat sich bis heute gehalten, könnte mit neuen Gesetzen jedoch in der breiten Masse Konkurrenz von Kamera-Rücksichtsystemen bekommen, die ein paar Dinge besser lösen
Hannover, 10. Juli 2015 – Der Zulieferer Continental testet derzeit spiegellose Rücksichtsysteme, die wahrscheinlich ab 2016 gesetzlich möglich werden und somit ab 2018 in Serienfahrzeugen verfügbar sein könnten. Dabei verwendet Conti existierende Kamerasysteme in kleinen seitlichen Trägern und kleine Monitore, wie es etwa an Volkswagens XL-1 ausgeführt wurde.
Die Vorteile gegenüber dem herkömmlichen Rückspiegel sind bessere Aerodynamik mit entsprechenden Verbrauchseinsparungen und geringeren Windgeräuschen, kein toter Winkel mehr, weniger Blendung, geringere reale Fahrzeugbreite, beliebige Positionierbarkeit der Monitore und die mögliche Nachbearbeitung beziehungsweise Kameraintegration. So arbeitet Conti zum Beispiel mit einer HDR-Funktion (High Dynamic Range), die in der Nachbearbeitung dunkle Bereiche aufhellt und helle Bereiche abdunkelt, vergleichbar dem, was das menschliche optische System tut. Durch intelligente Bildintegration kann der Fahrer außerdem lückenlos um sein Fahrzeug herumsehen oder Dinge wie das bekannte Birdview zum Einparken benutzen.
Umsichtig (3 Bilder)

(Bild: Continental)
Später auch mit Assistenzfunktionen
Continental möchte in einem zweiten Schritt die Rücksichtfunktionen besser mit bestehenden Assistenten integrieren. Zum Beispiel könnte auf der Autobahn ein von hinten ankommender Verkehrsteilnehmer mit hoher Differenzgeschwindigkeit besonders markiert werden, um die Aufmerksamkeit des Fahrers darauf zu lenken.
Als Monitortechnik verwendet Continental blendfrei beschichtete, lichtstarke OLED-Displays. Eine Beschichtung soll dafür sorgen, dass die Gehäusegläser der Kameras weitestgehend schmutzfrei bleiben, sodass sie seltener gereinigt werden müssen als herkömmliche Rückspiegel. Aus der Praxis im XL-1 interessiert uns vor allem die Latenz des Systems, also die vergehende Zeit zwischen "Licht trifft Sensor" und "OLED gibt Licht aus", sowie die Reaktionszeiten der Blenden und der Software auf schnelle, große Unterschiede in den Lichtverhältnissen, wie sie zum Beispiel bei Tunnels auftreten. (cgl)