Der Wii-Konkurrent

Ein neuartiger bewegungsempfindlicher Spielecontroller soll PC- und Konsolen-Fans ein realistischeres Bildschirmerlebnis bieten.

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Von
  • Erica Naone

Spielefans lieben Nintendos aktuelle Konsole - und besonders ihren bewegungsempfindlichen Controller. Eine Million Einheiten der Wii-Hardware wurden allein im vergangenen Dezember verkauft, wenn man den Angaben des Marktforschungsunternehmens NPD Group glauben darf. Die Motus Corporation, eine Firma aus dem amerikanischen Boston, will von der Wii-Popularität nun mit einem eigenen Produkt profitieren: Es nennt sich "Darwin" und ergänzt konkurrierende Spielsysteme und vor allem den PC um die neue Steuermöglichkeit.

Motus ist nicht die erste Firma, die Nintendo ans Leder will: Der "Sixaxis"-Controller der Playstation 3 beinhaltet beispielsweise ebenfalls eine Bewegungssteuerung, die allerdings seltener eingesetzt wird als bei Nintendo. Motus-Manager Satayan Mahajan betont, dass das Darwin-Addon, das zu einem Preis von unter 100 Dollar verkauft werden soll, sowohl den Geräten von Nintendo als auch denen von Sony überlegen ist.

Der Controller erinnert in seiner Gestaltung an ein Samurai-Schwert. Die Wurzeln des Gerätes liegen in einer Spezialhardware für Golf-Fans namens iClub, die ebenfalls von Motus hergestellt wurde. Dieser Controller sei entwickelt worden, um fortgeschrittenen Spielern und Profis bei der Verbesserung ihres Abschlags zu helfen und kleinste Details der Bewegung zu analysieren, sagt Mahajan. Diese Genauigkeit will man nun auch auf den Darwin-Controller übertragen. Während Wii-Spieler ihre "Remote" vor allem mit einer Hand einsetzen, soll das Motus-Produkt der Realität deutlich näher kommen. So kann man Darwin auch mit zwei Händen nutzen und wie einen echten Golfschläger schwingen. "Die Wii ist ein tolles Gerät. Doch dort geht man von einer eher einfachen Technologie aus, mit der man dann versucht, immer komplexer werdende Bewegungen aufzuzeichnen", meint Mahajan. Bei der Motus-Technologie soll es genau umgekehrt sein: Sie ist von sich aus sehr genau und wird nun auf ein Normalmaß heruntergebrochen, das für Spiele ausreicht.

Zum realistischen Spielerlebnis gehört auch, dass Darwin die Position des Controllers genauer berechnet als die Wii-Remote. Nintendo setzt auf Beschleunigungsmesser und einen Infrarotsensor, dessen Quelle am Fernseher befestigt wird. Motus misst hingegen die absolute Position im Verhältnis zur Erde - ebenfalls mit Beschleunigungsmessern, aber auch mit Kreiselinstrumenten. So richtet sich der Controller jeweils am Nordpol aus und schließt daraus dann die Position.

Die Methode wurde laut Mahajan bislang nicht verwendet, weil sowohl Kreiselinstrumente als auch Beschleunigungsmesser zu Fehlern neigten. Durch die Arbeit am iClub sei es Motus aber inzwischen gelungen, mit einer Kombination aus Hardware, Software und spezieller Firmware eine entsprechende Fehlerkorrektur zu erreichen. Außerdem könne das System seine Position an PC oder Konsole innerhalb von 30 Millisekunden übertragen - eine Verzögerung sei für den Spieler so nicht mehr festzustellen.

David Riley, bei der NPD Group zuständiger Sprecher für den Bereich Unterhaltung, Software und Spiele, glaubt, dass Motus’ Darwin nur dann erfolgreich sein kann, wenn das Gerät richtig vermarktet wird - etwa an eine Gruppe, die für den gebotenen Realismus gerne mehr bezahlt. Dazu gehörten Golf-Fans. "Es gibt beim Wii-Spiel Tiger Woods einige Beschwerden unter Bloggern, dass es ihre Golffähigkeiten eher beeinträchtigt als ihnen hilft." Gewöhnt sich ein Wii-Fan im Winter an das Spiel, kann er im Sommer dann plötzlich nicht mehr so gut abschlagen. Motus' Chance: Das Gerät könnte als realistischer Controller vermarktet werden, der dem Golfer hilft, sein Spiel auch in der Realität zu verbessern. Dann wäre wohl eine Nische gefunden. Allerdings sei der geplante Preis des Gerätes durchaus "an der Grenze", meint Riley.

Zwar verkauften sich Peripherie-Artikel wie Controller im letzten Jahr sehr gut, doch die aktuelle Eintrübung der US-Wirtschaft könnte dazu führen, dass weniger Kunden bereit sind, für solche High-Tech-Komponenten viel Geld auszugeben. Zudem hängt laut Riley viel von den kompatiblen Spielen ab - und der konkreten Integration.

Die Spieleliste ist bislang allerdings noch nicht fertig. Das Unternehmen spricht laut Mahajan aber mit zahlreichen Konsolenherstellern und Spieleproduzenten und arbeitet an einer Integration in bestehende Games und solche, die demnächst auf den Markt kommen. Im Laden soll Darwin in den USA dann zum Weihnachtsgeschäft stehen. (bsc)