Blitz für unterwegs
Die neuste Handy-Version des Browsers Opera versucht, das mobile Internet mit Hilfe der Flash-Technologie aufzupeppen.
- Duncan Graham-Rowe
Egal wie viel Geld man auch für sein Mobiltelefon ausgibt – das Web sieht auf dem kleinen Bildschirm nie so gut aus wie auf dem PC. Dazu gehört auch, dass sich einige Internet-Funktionen auf Handys aus technischen Gründen schlicht nicht abbilden lassen. Die neueste Version von Opera Mobile, dem Handy-Browser des gleichnamigen Osloer Internet-Software-Spezialisten, könnte das zumindest zum Teil ändern. Das Update 9.5 soll fähig sein, Medieninhalte im populären Flash-Format darzustellen, so dass Animationen und Videos künftig auch unterwegs betrachtet werden können.
Bislang stand Mobilnutzern nur eine eingedampfte Version des Web zur Verfügung. Doch genau das kam eher schlecht an und sorgte dafür, dass die Technologie anfangs zum Flop wurde, wie Jon von Tetzchner, Chef von Opera Software, sagt. "Es gibt eben nur ein Web und genau das will der User."
Die Norweger sind allerdings nicht die einzigen Anbieter, die sich Gedanken über bessere Mobilbrowser machen und an entsprechenden Benutzeroberflächen schrauben. Doch selbst Apples iPhone, das derzeit mit seinem enthaltenen Browser Safari Mobile als einer der gelungensten neuen Ansätze gilt, beherrscht bislang kein Flash, was die Anzahl nutzbarer Inhalte dezimiert, zumal inzwischen enorm viele Webvideos in diesem Format angeboten werden. (Apple lässt sich deshalb Filme von YouTube derzeit in ein vom iPhone unterstütztes Format umwandeln, die dann mit einer speziellen Anwendung dargestellt werden.)
"Eine vollwertige Flash-Unterstützung im Browser macht es möglich, dass die Nutzer die regulären Versionen von Film-Websites wie YouTube oder DailyMotion betrachten können", kommentiert Ian Fogg, Forschungsdirektor bei der Londoner Filiale des IT-Marktforschungsunternehmen Jupiter Research. Einige wenige Handys enthielten zwar bereits eine "Lite"-Variante von Flash – doch die biete nur eine eingeschränkte Ton- und Video-Qualität.
Opera Software entstand 1995 aus einem Forschungsprojekt des norwegischen Telekommunikationsriesen Telenor und konzentriert sich neben seinem Desktop-Browser vor allem auf Internet-Anwendungen für Handys. Neben der Flash-Unterstützung soll die neue Opera Mobile-Version bis zu 2,5 Mal schneller arbeiten als Microsofts aktueller Mobilbrowser. "Geschwindigkeit steht bei uns im Zentrum", sagt von Tetzchner. Darauf sei die Firma besonders stolz – man habe den Code so optimiert, dass er auf langsameren Handy-Prozessoren effizient laufe.
Neu bei dem Update sind außerdem eine Unterstützung für die Darstellung mehrerer Web-Seiten in Form von Tabs und eine bessere Integration mit den Kommunikationsfunktionen des Mobiltelefons – so lassen sich etwa Links schnell per SMS versenden. "Es gibt jede Menge Verbesserungen", sagt von Tetzchner. Das vollwertige Web stellt Opera Mobile 9.5 dann aber doch nicht da – so werden Videos im Windows Media-Format nicht unterstützt. Aber selbst das soll später kein Problem mehr sein, glaubt der Opera-Chef.
Trotz der Vorteile, die der neue Mobilbrowser mit sich bringt, kämpft der norwegische Hersteller weiter mit viel Konkurrenz. Die Haupteinnahmen bei Opera stammten bislang von Handy-Herstellern wie Nokia und Sony Ericsson, die den Browser der Firma als vorinstallierte Software vertreiben. "Aber dieses Modell, die Hersteller direkt zu versorgen, kommt derzeit unter Druck", weiß Marktforscher Fogg.
Dazu gehört, dass Firmen wie Nokia sich verstärkt im Open-Source-Bereich umsehen. So steckt in den neuen Handys der N-Serie die freie Browser-Grundlagensoftware WebKit, die sich auch im iPhone befindet. Googles neue Mobilplattform "Android" soll ebenfalls einen Browser mitliefern, der eine "Desktop-artige Web-Erfahrung" bieten kann. Opera-Chef von Tetzchner bleibt trotz allem pragmatisch: "Es wird immer Wettbewerb geben", meint er.
Die für Opera Mobile 9.5 beworbene Flash-Funktion ist allerdings zunächst mit Vorsicht zu genießen. Zwar ermöglicht sie tatsächlich endlich Zugriff auf die wichtigsten Video-Websites. Doch das funktioniert auch diesmal nur dann, wenn der Hauptprozessor des eigenen Handys und dessen restliche Hardware schnell genug sind. "Häufig sind sie das aber nicht", warnt Fogg. Er glaube, dass das einer der Gründe sei, warum Apple die Technologie nicht nutze – dabei ist das iPhone im Vergleich zu vielen anderen Mobiltelefonen ein High-End-Gerät. Ob Opera Mobile 9.5 eine Flash-Unterstützung enthält, entscheidet jeweils der Handy-Hersteller. (bsc)