Suchen im Team

Microsoft arbeitet an einem neuen Web-Werkzeug, das es Nutzern ermöglicht, gemeinsam nach gewünschten Internet-Inhalten zu fahnden.

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Von
  • Erica Naone

So genannte soziale Software verbreitet sich derzeit verstärkt im Netz – vom Freundesnetzwerk bis zum kollaborativen Kommunikationsdienst. Doch die am häufigsten verwendeten Werkzeuge im Web bleiben nicht selten isoliert. Das beste Beispiel dafür sei die Nutzung von Suchmaschinen, meint Meredith Morris, Wissenschaftlerin in der "Adaptive Systems and Interaction"-Gruppe bei Microsoft Research. "Das sind Tools, die für eine einzelne Person gedacht sind, die für sich alleine agiert – aber so arbeiten wir eben nicht immer."

Nutzer, die etwa mit ihren Ehepartner eine Reise planten oder Schüler, die an einer Hausaufgabe zusammen mit Klassenkameraden arbeiteten, wiederholten oft die Sucharbeit ihrer Mitstreiter oder fänden nicht die Angebote, die die anderen entdeckt hätten, sagt Morris. Die Forscherin hat deshalb ein Werkzeug entwickelt, das dieses Problem beheben soll. SearchTogether genannt, hilft es Gruppen, gemeinsam zu suchen, auch wenn deren Mitglieder an verschiedenen Rechnern arbeiten oder dies zu unterschiedlichen Zeiten tun.

Derzeit in Form eines Plug-ins für Microsofts Internet Explorer 7 konzipiert, benötigt der Nutzer für SearchTogether zunächst einen "Windows Live ID"-Zugang. Ist die Software installiert, kann er dann für jede seiner Web-Suchen andere Nutzer einladen, zu aktiven Teilnehmern werden.

Vor der Gestaltung ihres Werkzeuges führte Morris Nutzerumfragen durch, um herauszufinden, welche Probleme am häufigsten bei der Websuche vorkommen, wenn sie von mehreren Nutzern parallel ausgeführt wird. Das Ergebnis: Oft doppelt sich die Arbeit und es kommt zu einer ineffizienten Kommunikation zwischen den Suchpartnern.

SearchTogether verhindert dies, in dem die Suchanfragen aller Gruppenmitglieder gespeichert werden – plus eventueller Kommentare, die sie zu aufgefundenen Seiten eingeben, erläutert Morris. Die genauere Recherche lässt sich vom Initiator außerdem nach Belieben verteilen – so kann etwa die erste Hälfte der Top 25-Ergebnisse an einen Nutzer gehen, die zweite an einen anderen. So lassen sich Websites untersuchen, ohne dass es zu Doppelungen kommt. Sollte die Suchanfrage später für eine andere Person interessant sein – etwa ein Familienmitglied, das den gleichen Ausflug plant, der bereits im Internet vorbereitet wurde -, lassen sich auch neue Nutzer zu dem Suchprojekt einladen und können die gespeicherten Anfragen und Kommentare lesen.

Suchen die Nutzer gleichzeitig, können sie eine spezielle Funktion namens "Peek and Follow" verwenden, um die Seiten zu sehen, die sich die anderen Gruppenmitglieder gerade auf den Schirm holen. Eine direkte Kommunikation erfolgt via Instant Messenger.

Morris will künftig auch verbesserte Sortiermöglichkeiten anbieten. Beispielsweise könnten, falls ein Arzt zusammen mit einem Patienten etwas sucht, alle besonders fachspezifischen Ergebnisse an den Experten gehen, damit er diese dem Laien erläutern kann.

Madhu Reddy, Juniorprofessor für Informationstechnologie an der Pennsylvania State University, hält die von Morris geschilderten Suchprobleme für sehr praxisnah. Gruppen hätten oft Schwierigkeiten, derartige Web-Aufgaben effizient zu verteilen. Niemand wisse, was der andere suche und auch das Zusammenbringen der Ergebnislisten ginge oft daneben.

Eine besondere Herausforderung dabei ist, dass viele Gruppeninteraktionen im echten Leben auf Gesten basieren. Ein gutes kollaboratives Suchwerkzeug kann versuchen, ihr Fehlen zu kompensieren – beispielsweise wenn ein Gruppenmitglied auf einen einzelnen Eintrag auf einer Seite zeigt. Reddy sieht außerdem einen starken Bedarf an Werkzeugen, die es den Web-Nutzern erlauben, ihre Erfahrungen und Kenntnisse besser miteinander zu teilen.

Allerdings dürfe man dabei ein zentrales Problem nicht vergessen: "Wir wissen eigentlich noch gar nicht, wie die Leute online zusammenarbeiten, wir entwickeln noch an einem empirischen Modell." Neuartige Web-Werkzeuge müssten aber auf jeden Fall verschiedene Sucharten beherrschen – von der kleinen bis zur großen Gruppe. "Man könnte sich auch anonyme Nutzer vorstellen, die über Kontinente hinweg zusammenarbeiten. Das ist ganz anders als wenn einzelne Teams in einer Firma miteinander suchen." Morris' Werkzeug sei für solche Arbeiten über lange Distanzen gut geeignet. Reddy arbeitet unterdessen auch an einer eigenen Multibenutzer-Suchmaschine.

Morris' Interesse an dem Bereich geht jedoch noch weiter als nur SearchTogether. Sie arbeitet auch an einem Tool, das mehreren Nutzern des gleichen Rechners helfen soll, im Team zu suchen. Eine frĂĽhe erste Version von SearchTogether soll noch im FrĂĽhling vorliegen. (bsc)