Gentechnik trifft soziales Netzwerk

Firmen wie 23andMe arbeiten an Möglichkeiten, den eigenen genetischen Code mit dem von Freunden abgleichen zu können. Albtraum oder harmloser Freizeitspaß?

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Lesezeit: 8 Min.
Von
  • Emily Singer
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Wenn Sie schon immer wissen wollten, wie viel ihrer DNA Sie mit Ihrem unfassbar riesigen Bruder oder dem Ihnen enorm ähnlich sehenden Freund teilen – die entsprechende Technik steht bald bereit: 23andMe, ein kalifornisches Start-up im Wachstumssegment der persönlichen Genomik, arbeitet derzeit an einem sozialen Netzwerk, in dem die Kundschaft ihr Erbgut mit anderen Nutzern vergleichen kann. Die Firma hofft, dass das neue Angebot Interessierte dazu verleitet, sich selbst einem DNA-Test zu unterziehen. Gleichzeitig will man so auch kommerziell forschen.

"Ich denke, dass die Idee der sozialen Vernetzung hier durchaus auf ein noch nicht genutztes Potenzial trifft", meint Genomik-Pionier George Church von der Harvard Medical School optimistisch, der im Wissenschaftsbeirat von 23andMe sitzt. Völlig neu ist diese Idee allerdings nicht. Es gibt einen Vorläufer namens PatientsLikeMe, bei dem die Nutzer andere Patienten mit dem gleichen Krankheitsbild auffinden können. Doch auf den genetischen Code hat das Prinzip noch niemand übertragen.

23andMe ist nur eine von mehreren Firmen, die im vergangenen Jahr damit begonnen haben, genomweite DNA-Untersuchungen direkt an Endkunden zu verkaufen. Für 999 Dollar erhält man ein Testkit, mit dem man eine Speichelprobe nimmt und an 23andMe sendet. Die daran anschließende Analyse erkennt fast 600.000 genetische Varianten, die Krankheitspotenziale, aber auch erbliche Faktoren wie Herkunft, Körpergrößenpotenzial oder Augenfarbe beschreiben.

Die Öffentlichkeit reagierte unterschiedlich auf diese Kommerzialisierung der Gentechnik – so gab es in den Medien genauso viel Zustimmung wie Kritik. Kontrovers wurden vor allem die medizinischen Auswirkungen diskutiert, die die Technik haben könnte. Die Kunden erfahren ihre genetische Anfälligkeit für zahlreiche Krankheiten im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung – egal ob es sich nun um Alzheimer, Diabetes, Makuladegeneration oder bestimmte Krebsarten handelt. Die Frage sei allerdings, ob der durchschnittliche Nutzer dieser Dienstleistung diese Informationen wirklich verstehen und verarbeiten könne, kritisierten Forscher und Ärzte.