Spuren im Genom

Forscher suchen nach Genen, die das Aussehen bestimmen. Damit könnte das Phantombild eines Verbrechers allein anhand von DNA-Proben erstellt werden.

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Susanne Donner

Mit dem Anruf der Polizei hatte Manfred Kayser schon gerechnet. Der Molekularbiologie vom Erasmus Medical Center in Rotterdam hatte schließlich gerade ein Verfahren entwickelt, das Licht in einen bis dahin ungelösten Mordfall bringen könnte: Am 1. Mai 1999 war die 16-jährige Marianne Vaatstra in der Nähe eines Asylantenheimes vergewaltigt und brutal ermordet worden. Aus dem Sperma hatten die Ermittler die DNA des Täters isoliert.

In den Datenbanken fand sich jedoch kein passender Treffer, auch die übrigen Spuren verliefen im Sand. Über Monate sorgte der Fall für Schlagzeilen, bis er 2003 ungelöst zu den Akten gelegt wurde. Doch vor Kurzem holten die Ermittler die Unterlagen wieder aus dem Archiv. Von Kayser, einem der bekanntesten Spezialisten für forensische Molekularbiologie in den Niederlanden, erhoffen sie sich neue Erkenntnisse, vielleicht sogar den entscheidenden Hinweis auf den Täter. Denn zusammen mit anderen Forschern hat Kayser entdeckt, dass einzelne Basenpaare im Gen HERC2 darüber Auskunft geben, ob die Iris des Proben-Gebers blau oder braun ist. Diese Erkenntnis hatte der Wissenschaftler im Januar 2008 in der Fachzeitschrift „American Journal of Human Genetics“ vorgestellt.

Nicht nur die Niederländer interessieren sich dafür – Forschungsteams weltweit arbeiten an Verfahren, mit denen sich aus DNA-Spuren äußere Merkmale ermitteln lassen. Das ist keineswegs so simpel, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag, denn viele dieser Merkmale werden nicht nur im Laufe des Lebens von Umwelteinflüssen verändert, sondern hängen von mehreren Genen ab. So auch die Augenfarbe, für die nach heutigem Kenntnisstand zwei Gene zuständig sind: HERC2 und OCA2. Wie genau sie zur Augenfarbe beitragen, ist noch nicht im Detail verstanden. Kayser und Kollegen konnten jedoch mithilfe statistischer Untersuchungen zeigen, dass bestimmte charakteristische Muster in diesen Genen Aussagen über die Augenfarbe erlauben.

Solche charakteristischen Muster – Variationen in einzelnen Basenpaaren des Erbguts – bezeichnen die Forscher als Single Nukleotid Polymorphismen, kurz SNPs. Man kann sie sich so vorstellen, dass.... (kd)