Geschäfte im grünen Bereich
Kalifornische Risikokapitalisten und skandinavische Cleantech-Unternehmer beschnupperten sich auf der "Nordic Green"-Konferenz in Menlo Park.
- Steffan Heuer
Europa mag den USA bei der sauberen Energietechnik um Jahre voraus sein, aber Wagniskapitalfirmen in Kalifornien bauen gerade erst ihre internationalen Anstrengungen aus, um Grundlagenforschung und Kommerzialisierung der grünen Technologie massiv voranzutreiben. Die vollen Kriegskassen in Silicon Valley üben auf europäische Länder eine erhebliche Anziehungskraft aus, auch wenn beide Seiten noch nicht genau wissen, wie sie am besten zusammen kommen sollen. Gezielte Annäherungsversuche ließen sich auf der ersten "Nordic Green"-Konferenz in dieser Woche an der legendären Forschungseinrichtung SRI International in Menlo Park beobachten.
Eingeladen hatte zur zweitägigen Veranstaltung an der Stanford Research Institution das AlwaysOn-Netzwerk des Tech-Verlegers Tony Perkins in Zusammenarbeit dem dänischen Innovation Center. Unter den rund 300 Teilnehmern waren auch Unternehmer, Wirtschaftsförderungsexperten und Wissenschaftler aus Schweden, Norwegen, Finnland und Estland.
Rund zwei Dutzend nordische Firmen präsentierten Forschern und Geldgebern aus dem Silicon Valley ihre Technologien, die von Brennstoffzellen und Biomasse-Kraftwerken bis zur Wasseraufbereitung reichten. Darunter waren etablierte Energieunternehmen wie die norwegische Statoil Hydro und die dänische Firma Dong Energy, die in ganz Europa fossile Energieträger abbauen und zugleich Windfarmen und andere erneuerbare Projekten unterhalten. Skandinavien kann sich rühmen, je nach Land bereits heute zwischen 17 und 40 Prozent seines Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen zu speisen. Der grüne Anteil soll bis 2020 auf 30 bis 49 Prozent steigen, erklärte Birte Joergensen, Direktorin für Energieforschung beim Regierungsbündnis Norden.
"Wir können von Europa jede Menge lernen, vor allem was das politische Rahmenwerk und die flächendeckende Verbreitung von sauberen Technologien angeht", sagte Andrew Chung von Lightspeed Venture Partners gegenüber Technology Review. Seine Firma setzte vor zwei Jahren einen Cleantech-Fond auf und hat bislang in sieben Start-ups investiert, darunter LS9, das an Biotreibstoffen der nächsten Generation arbeitet. Laut Chung begutachteten er und seine Kollegen in den vergangenen zwei Jahren mehr als 600 Investitionsmöglichkeiten - allerdings ohne europäischen Unternehmen besondere Beachtung zu schenken. Wie viele andere kalifornische VC-Firmen ist Lightspeed bislang nur in den USA, in China und in Israel engagiert.
Allgemein waren die auf der "Nordic Green" anwesenden Risikokapitalisten der Meinung, dass die Cleantech-Industrie in den USA noch in den Kinderschuhen steckt. Im Unterschied zum IT-Bereich bilden sich neue Standards und Protokolle erst heraus, gab Chung zu bedenken. In der Zwischenzeit arbeiten einzelne Startups an unterschiedlichen Teilen der Wertschöpfungskette - von neuen Batterien bis zu Enzymen für eine effizientere Herstellung von Biotreibstoffen. "Das sind die neuen APIs im Cleantech-Bereich", sagte Chung in Anlehnung an Programmschnittstellen für Software-Entwickler. "Aber im Unterschied zu IT wird es hier Platz für mehr als nur die ersten drei Anbieter geben."
Bisher boomt die Branche ungebrochen, wenn man jüngste Statistiken von Dow Jones VentureSource betrachtet. So stiegen die weltweiten Investitionen im Cleantech-Bereich 2007 um 43 Prozent auf drei Milliarden Dollar. Dabei entfielen auf die USA noch 83 Prozent – 2,5 Milliarden der Gesamtsumme, was knapp einem Zehntel aller VC-Dollars im Land entspricht. Kalifornien war - ähnlich wie bei IT-Investitionen - der unangefochtene Spitzenreiter mit 1,3 Milliarden für 66 Deals, gefolgt weit abgeschlagen von Massachusetts mit gerade einmal elf Deals. Interessant auch die Tatsache, dass knapp zwei Drittel aller Investitionen in den USA an Firmen gingen, die sich noch in der Produktentwicklungsphase befinden.
Der Trend setzte sich im ersten Quartal 2008 fort, als Investoren rund 1,25 Milliarden Dollar in Cleantech pumpten – eine Steigerung um 42 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Laut Statistiken der Cleantech Group aus San Francisco ist die Summe ein neuer Quartalsrekord. Neugründungen in Kalifornien konnten zwischen Januar und März mehr Kapital anziehen als ganz Europa – 282 Millionen gegenüber 245 Millionen Dollar. Die Marktforscher deuten gleichzeitig allerdings auch darauf hin, dass die Bereiche Ethanol, Windenergie und Dünnfilm-Solarzellen ihren Investitionszenit überschritten haben könnten.