Die DNA der Musik

Schon viele haben versucht, einzelne Töne in Musikaufnahmen per Computer zu manipulieren. Peter Neubäcker hat es geschafft – und bleibt ganz bescheiden.

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Von
  • Udo Flohr

Musik galt lange als so komplex und lebendig, dass es unmöglich ist, aus Aufnahmen umfassenderer Musikstücke die gespielten Noten zu extrahieren. Doch dann kam Peter Neubäcker.

„Ich habe mir gedacht: Vielleicht geht es theoretisch nicht, aber praktisch kann es schon gehen“, sagt Neubäcker, Gitarrenbauer, Astrologe, Heilpraktiker und Gründer der Münchener Softwarefirma Celemony Software GmbH. Mit einer Software namens „Direct Note Access“, vorgestellt im März 2008 auf der Frankfurter Musikmesse, hat Neubäcker erreicht, was viele in der Computermusik-Branche für den heiligen Gral halten: Sie ermöglicht es erstmals, mehrstimmige digital aufgenommene Musik so zu analysieren und zu zerlegen, dass einzelne Töne manipulierbar werden. Dass seine neue Software sich DNA abkürzt, kann kein Zufall sein, denn sie findet sozusagen den Erbgut-Bauplan einer Musikaufnahme heraus.

Schon seit Jahren können Tonmeister am Computer Tonhöhe und -länge, Tempo und andere Parameter digital aufgenommener Musik verändern. Celemonys 2001 vorgestelltes Softwarepaket „Melodyne“ eroberte sich bereits eine gute Marktstellung – die Kundenliste reicht von Helmut Zerlett über Peter Gabriel bis Herbie Hancock. Doch die Zerlegung war nur für einstimmige Aufnahmen möglich. Sobald mehrere Töne zusammen erklingen, etwa in den Akkorden eines Klaviers oder einer Gitarre, konnte der Produzent nur den Akkord insgesamt verändern, jedoch nicht dessen einzelne Töne. Ebenso schwierig war es, Töne mehrerer Instrumente zu trennen.

Musik entsteht aus periodischen Schwingungen zum Beispiel einer Saite bei Saiten- oder einer Luftsäule bei Blasinstrumenten. Grob gesagt, setzen sich musikalische Töne aus einer Grundfrequenz, die der Anzahl der Schwingungen pro Sekunde des Tons entspricht, sowie weiteren Frequenzen zusammen. Bei Saiten- und Blasinstrumenten sind diese Obertöne ganzzahlige Vielfache der Grundfrequenz – man spricht dann von einer harmonischen Obertonreihe.

Von solchen physikalischen Hintergründen wusste Neubäcker zunächst nicht viel...... (kd)